Statistik zu Torchancen Warum Augsburg so gut ist wie der FC Bayern

All die Millionen für nix? Geht es rein um die Chancenverwertung, besteht kaum ein Unterschied zwischen dem FC Augsburg und dem FC Bayern, weiß Statistik-Experte Andreas Heuer. Dafür aber bei der Anzahl der Gelegenheiten. Daran lässt sich sogar errechnen, wer am Ende Meister wird. Eine Prognose.
Augsburgs Verhaegh (l.), Bayerns Ribéry: Unterschied in der Anzahl der Chancen

Augsburgs Verhaegh (l.), Bayerns Ribéry: Unterschied in der Anzahl der Chancen

Foto: Andreas Gebert/ picture alliance / dpa

Klar, auch ohne tiefere statistische Einsichten ist Bayern München ein ganz heißer Favorit auf die Meisterschaft. Doch wie stehen die Chancen von Borussia Dortmund, zumindest auf einen der ersten drei Plätze vorzurücken? Oder von Mönchengladbach, sich wenigstens für die Europa League zu qualifizieren? Wie gut wird generell eine Mannschaft in Zukunft spielen? Einen Hinweis darauf könnte die Anzahl der bisher geschossenen Tore sein. Vergleichen wir Hannover und Augsburg: Bislang konnten die Spieler von Hannover viermal so häufig jubeln (20 Tore) wie die Augsburger Kollegen (5).

Bei der Anzahl der Torchancen sieht es bereits etwas anders aus. Hier weist Hannover laut "kicker" nur 25 Prozent mehr als Augsburg auf (43 zu 34). Somit hat Hannover aus rund zwei Torchancen ein Tor erzielt, während Augsburg rund sieben Torchancen benötigt hat. Was ist nun für die Zukunftsprognose wichtiger? Die Tore oder die Torchancen?

Da es im Fußball vornehmlich um Tore geht, würde naheliegen: die Tore. Doch hier wird der gesunde Menschenverstand in die Irre geführt. Tatsächlich zeigt die Betrachtung der vergangenen 16 Jahre Bundesliga, dass die Chancenverwertung bei allen Mannschaften in jeder Saison fast identisch ist. Die scheinbaren Unterschiede, wie beim Vergleich von Hannover und Augsburg, resultieren fast ausschließlich aus den Unwägbarkeiten, die ein Fußballspiel mit sich bringt: Latte, Pfosten, Torwart angeschossen, das Abwehrbein in letzter Sekunde, und vieles mehr.

Die Kunst ist die Arbeit an den Torchancen

Mittels statistischer Verfahren können nun die Zufallsbeiträge herausgerechnet werden, die nichts mit der Qualität einer Mannschaft zu tun haben. Es bleibt die überraschende Erkenntnis, dass in Wirklichkeit alle Mannschaften bei Mittelung über viele Spiele genau vier Chancen für ein Tor benötigen. Erst bei genauerer Betrachtung bleiben ganz kleine Unterschiede (gute Mannschaften etwa 3,8 Chancen pro Tor, schlechte Mannschaften etwa 4,2 Chancen pro Tor).

Die eigentliche Spielkunst liegt somit im Herausarbeiten von Torchancen. Die Verwertung ist - aus statistischer Sicht - mehr oder weniger ein Zufallsprozess, ganz analog zum Würfeln. Bei jeder Torchance kann genauso gut zweimal die Münze geworfen werden. Zweimal Zahl bedeutet Tor. Anders ausgedrückt: Augsburg hatte bisher recht viel Pech beim Torabschluss. Somit ist für Vorhersagezwecke die Kenntnis der bisherigen Torchancen wesentlich informativer als die der tatsächlichen Ergebnisse: sie spielen neben dem Marktwert die entscheidende Rolle bei der Fußball-Prognose.

Auf dieser Basis kann für jede Mannschaft ein Leistungsindex bestimmt werden. Absoluter Spitzenreiter: Bayern München mit einem Wert von +1,4. Damit wird Bayern im Mittel aller Spiele eine Partie voraussichtlich mit einer Tordifferenz von +1,4 beenden. Mit großem Abstand folgen Dortmund (+0,7) und Schalke (+0,6). Schließlich zeichnen sich Bayern neben der imposanten Punktezahl bisher durch fast zehn herausgespielte Chancen pro Spiel aus.

Wenn mit dieser Information die restlichen Spiele der Saison 100.000 mal auf dem Computer durchgespielt werden, können wir einen Blick in die Zukunft wagen (siehe Tabelle). Wenig überraschend: 97 Prozent Wahrscheinlichkeit für den nächsten Bayern-Titel. Nicht ganz so erbaulich sieht es für den Double-Sieger Dortmund mit derzeit elf Punkten Rückstand auf Bayern aus. Vor Saisonbeginn gab Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke die Qualifikation für die Champions-League als Saisonziel aus - und mehr ist auch kaum möglich.

Die 67 Prozent Wahrscheinlichkeit für die Plätze 1-3 sind alles andere als ein Ruhepolster. Realistisch kommen für die Plätze 2 und 3 insgesamt drei Mannschaften (Schalke, Dortmund, Leverkusen) in Frage. Auf einen Europa-League-Platz bewerben sich zu einem frühen Zeitpunkt der Saison noch viele Mannschaften: Schließlich weisen 13 Mannschaften hierfür eine Wahrscheinlichkeit von mindestens zehn Prozent auf. Dazu gehört auch Mönchengladbach mit einer 25-prozentigen Chance, doch deutet nicht zuletzt die aktuelle Torchancendifferenz von -10 darauf hin, dass die besondere Qualität der letzten Saison fehlt. Heiße Abstiegskandidaten sind Fürth, Düsseldorf und Augsburg.

Pkt. 1. 1.-3. 1.-6. 16.-18. Leistungsindex
(stat. Unsicherheit ±0,2)
München 27 97 100 100 0 +1,4
Schalke 20 2 70 95 0 +0,6
Frankfurt 20 0 10 47 2 -0,2
Leverkusen 18 0 33 79 0 +0,3
Dortmund 16 1 67 94 0 +0,7
Hannover 14 0 3 22 8 -0,2
Bremen 14 0 7 39 3 +0,1
Mainz 14 0 1 15 13 -0,3
Hamburg 13 0 0 10 21 -0,3
Stuttgart 13 0 2 17 12 -0,2
M’gladbach 13 0 3 25 6 +0,0
Freiburg 12 0 2 22 7 -0,1
Hoffenheim 11 0 2 16 13 -0,1
Nürnberg 11 0 0 6 28 -0,3
Düsseldorf 10 0 0 2 48 -0,5
Wolfsburg 8 0 1 8 24 -0,1
Fürth 7 0 0 1 67 -0,5
Augsburg 6 0 0 2 48 -0,3

Lesen Sie die ausführliche Version dieses Textes sowie weitere Fußball-Statistiken im Buch "Der perfekte Tipp" von Andreas Heuer nach.

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