Stefan Effenberg "Hoeneß muss neu einkaufen"

Nach dem Debakel von Lyon hat sich Kapitän Stefan Effenberg zum derzeitigen Mannschaftskader geäußert. Seiner Meinung nach brauchen die Bayern dringend "frisches Blut".


Stefan Effenberg in Lyon: "Das war unheimlich blöd"
EPA/DPA

Stefan Effenberg in Lyon: "Das war unheimlich blöd"

Haben Sie den FC Bayern schon einmal so desolat erlebt?


Effenberg:

Wir hatten nicht den Hauch einer Chance in 90 Minuten. Das gab es in keinem Spiel in den letzten drei Jahren, in dem ich gespielt habe. Lyon hat demonstriert, wie man Fußball spielt, und wir sind hinterher gelaufen. Zum Glück haben wir nur 0:3 verloren, wir hätten auch 0:5 oder 0:6 verlieren können.


Befürchten Sie jetzt eine ganz schlimme Woche? Erst kommt Cottbus, dann Arsenal London und am Ende steht das Lokalderby gegen den TSV 1860 München auf dem Wochenplan?


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Bayern-Krise

Stürzen die Münchner jetzt ab?

Effenberg: Wir stehen am Scheideweg, international wie in der Bundesliga. Es ist eine sehr harte Prüfung für uns. Eine Prüfung, wie wir sie in den letzten drei Jahren nie gehabt haben. Jetzt wird sich zeigen, was für Typen wir in der Mannschaft haben, ob wir uns dagegenstemmen gegen diesen Druck, gegen diese Verunsicherung. Wenn wir das schaffen, können wir unsere Ziele noch erreichen. Wenn wir das nicht schaffen, werden wir nächste Woche mit Sicherheit nicht ins Viertelfinale der Champions League einziehen.


Sie selbst werden gegen Arsenal gesperrt fehlen, weil Sie sich kurz vor Schluss die dritte Gelbe Karte abgeholt haben.


Effenberg: Das war unglaublich blöd im Nachhinein.


Sind beim FC Bayern zu wenig Fußballer, zu wenig Kämpfer, oder fehlt beides?


Effenberg: Das müsst Ihr, die Journalisten, beurteilen. Ich denke, dass wir durchweg national wie international auch unsere Leistung gebracht haben. Aber vielleicht ist es für den Verein auch an der Zeit, auszuwechseln nach der Saison. Ich will das dem Verein auf keinen Fall vorschreiben. Aber in solchen Phasen sieht man schon, was der Verein für die neue Saison tun muss und was nicht.


Manager Uli Hoeneß hat gesagt, Sie hätten sich schon seit Weihnachten nur durchgemogelt, und in so einem Spiel kommt alles zu Tage, was in dieser Mannschaft nicht passt. Was sagen Sie dazu?


Effenberg: Wenn Uli Hoeneß dieser Meinung ist, muss er nach der Saison reagieren. Dann muss er gewisse Spieler verkaufen, neue einkaufen und dem FC Bayern ein neues Gesicht geben. Ein frisches Gesicht, mit frischem Blut.


Was muss der Kapitän jetzt machen?


Effenberg: Ich bin auch am Überlegen. Es ist nicht einfach. Ich möchte nicht viel sagen, weil das nur nach Durchhalten aussieht. Aber ich persönlich habe schon schlimmere Situationen durchgestanden. Das haut mich nicht um.


Wie groß ist der Ärger, wenn man auf dem Platz schuftet, obwohl man selbst nicht seinen besten Tag hat, aber um einen herum agieren Spieler wie Schlaftabletten?


Effenberg: Was soll ich sagen? Es war angenehm anzusehen, wie Lyon Fußball gespielt hat. Aber so ein Spiel verliert man mit dem FC Bayern nur 3:0, wenn man sich nicht über 90 Minuten dagegenstemmt. Es sah nicht so aus, dass jeder gewillt war, den nötigen Punkt zu erreichen.


Aufgezeichnet von Klaus Bergmann, dpa



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