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Effenbergs Aus in Paderborn Zu viel Wucht

Stefan Effenberg beim SC Paderborn, der Star in der Provinz - es hat nicht funktioniert. Klubpräsident Finke musste einsehen: Er verpflichtete mit Effenberg eine Aufmerksamkeit mit, die den Verein überforderte.

Es sah alles so harmonisch aus, damals auf Mallorca. Dort stand Stefan Effenberg zwischen seinem neuen Chef Wilfried Finke (stilecht in weißem Hemd und Leinenhose) und dem ebenfalls neuen Co-Trainer Sören Osterland. Daneben gesellte sich noch Paderborns Geschäftsführer Sport, Michael Born, ins Bild.

Das Foto  entstand auf Finkes Anwesen, der Möbelhändler verbringt viel Zeit in seinem Haus in Port d'Andratx auf der Baleareninsel. Es sollte den Anfang von etwas Großem zeigen. Effenberg beim SC, ein Star für Paderborn. Hinter den vier Männern, die den SC Paderborn gemeinsam vor dem Abstieg retten wollten, wölbten sich ein paar bewaldete Hügel, auch das Mittelmeer ließ sich erkennen. Dass sich über all dieser Harmonie dunkle Wolken auftürmten, konnte man leicht übersehen.

Am Mittwochabend saß Finke wieder auf Mallorca und dachte nach. Einen Tag zuvor hatte er im Fernsehen verfolgt, wie sein Verein gegen den Karlsruher SC einen Punkt holte, es war ein 0:0 der übleren Sorte. "Blutleer" fand Finke den Auftritt seiner Mannschaft. Der Präsident hielt es nicht mehr aus, er griff zum Telefon und teilte Effenberg mit, dass der Verein, also er, sich von ihm trennen wolle. Am Donnerstagmorgen setzte Finke sich ins Flugzeug in Richtung Heimat. Dort angekommen sagte er auf einer Pressekonferenz: "Ich konnte es nicht mehr ertragen, wie mein Verein dastand."

"Penis-Affäre", Führerschein weg, Trainerschein auch

Effenberg hatte am 13. Oktober den Job übernommen und war mit zwei Siegen gestartet, dann führte sein Team sogar 1:0 im Pokal gegen Dortmund, ging am Ende aber 1:7 unter. Das war am 28. Oktober, danach war die Euphorie schon verpufft, in den folgenden zwölf Ligaspielen gelang kein einziger Sieg mehr. Paderborn ist inzwischen Tabellenvorletzter, zwei Punkte hinter dem Relegationsplatz, vier Punkte hinter einem Nicht-Abstiegsplatz. Dem Bundesligaabsteiger droht der Absturz in Liga drei.

Das allein hätte laut Finke noch nicht zum Trainerwechsel geführt. "Stefan Effenberg war sehr fleißig, haben mir meine Mitarbeiter gesagt." Er hatte ihm vor Kurzem sogar noch eine Jobgarantie auch für Liga drei ausgesprochen. Doch die kassierte er nun. Ihm sei es um das Image des Klubs gegangen, den er seit 18 Jahren als Präsident führt. Paderborn, immer der sympathische Außenseiterverein, war plötzlich sehr präsent in den Medien - aber aus den falschen Gründen.

Im Januar wurde die "Penis-Affäre" um Stürmer Nick Proschwitz bekannt, der im Trainingslager im türkischen Belek seinen Unterleib entblößte. Im Februar kassierte Effenberg dann einen Strafbefehl wegen Trunkenheit am Steuer nach einem Oktoberfestbesuch, und erst Anfang der Woche kam ans Licht, dass er aktuell gar nicht über eine gültige Trainerlizenz verfügt.

"Die Wucht dieser Welle habe ich unterschätzt"

Dies habe "das Fass zum Überlaufen gebracht", so Finke: "Wenn dann so eine Meldung hereinkommt, von der ich bis zuletzt als vielleicht Einziger im Verein nichts wusste, ist mir das als Präsident natürlich peinlich." Er sah sich zum Handeln gezwungen. "Ich lasse es nicht zu, dass dieser Verein einen unseriösen Anstrich, so einen Hollywoodanstrich bekommt", sagte Finke: "Der steht uns Paderbornern nicht so gut zu Gesicht."

Der Präsident, der in seiner Amtszeit Trainer wie Jos Luhukay, André Breitenreiter und Roger Schmidt an die Pader holte und den Klub in die erste Liga hievte, musste einsehen, dass er einen Fehler gemacht hatte, dass er mit Effenberg eben nicht nur einen ehemaligen Spieler "mit überragender Erfahrung" geholt hatte, sondern eben auch einen Dauergast in den Boulevardzeitungen. "Die Wucht dieser Welle habe ich unterschätzt", gab Finke zu, "die Symbiose Effenberg-Paderborn ist nicht gelungen."

Immerhin konnte Finke bei der Pressekonferenz auch gleich Effenbergs Nachfolger präsentieren. René Müller, bislang Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, sitzt ab sofort auf der SC-Bank. Der 41-Jährige war schon zweimal Interimstrainer und vorher ein passabler Zweitligastürmer.

Viel mehr ist über Müller nicht bekannt, er könnte also genau der Richtige für den SC Paderborn sein.