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07. Juni 2019, 18:01 Uhr

Ex-Bundestrainerin

Steffi Jones rechnet mit DFB-Spitze ab

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"Meine Karriere war von Neid und Missgunst geprägt": Ex-Bundestrainerin Steffi Jones kritisiert im SPIEGEL die Seilschaften beim DFB - und zeigt Verständnis für homosexuelle Fußballer, die sich lieber nicht outen.

Die ehemalige Bundestrainerin Steffi Jones, 46, hat vor der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen in Frankreich die Führung des Deutschen Fußball-Bundes kritisiert.

Der DFB sei ein von Männern geführter Verein, der mal "ordentlich Durchzug" brauchte, so Jones in einem Gespräch in der aktuellen Ausgabe des SPIEGEL. "Was mich super nervt, ist dieses Klüngel-Klüngel beim DFB. Jeder sucht da immer erst seinen eigenen Vorteil." Jones kritisiert, dass es in den 21 Landesverbänden keine Präsidentin gebe: "Auch beim DFB müssen Frauen an die Spitze. Männerdomänen sind Vergangenheit."

Erstmals hat sich Jones im SPIEGEL-Gespräch ausführlich über ihre Zeit als Bundestrainerin geäußert. "Es war die schwerste Zeit meiner Karriere, weil sie von Anfang an von Neid und Missgunst geprägt war", sagt sie. Sie sei "teilweise von den Medien schlimm attackiert" worden und habe sich vom DFB allein gelassen gefühlt. "Für mich fühlte es sich so an, als ob alle froh waren, dass ich versage." Ihre Freistellung im März 2018 nach 19 Monaten im Amt sei deshalb auch eine Befreiung gewesen.

Jones, die 2013 ihre Beziehung zu ihrer heutigen Ehefrau Nicole bekannt machte, sagt rückblickend, sie und ihre Partnerin seien dadurch "wahnsinnig befreit" worden. Sie habe aber Verständnis für jeden homosexuellen Fußballer, der sich nicht outet. Der Fußball sei noch nicht so weit, man dürfe niemanden auffordern, sich zu outen. "Wenn ein Einzelner ruft: 'Du schwule Sau' oder dich diskriminiert, das ist schon unwahrscheinlich verletzend. Aber wenn es das ganze Stadion brüllt - muss man sich das echt antun?"

Im SPIEGEL äußert sich Jones zudem zu rassistischen Erfahrungen, die sie bis zum heutigen Tag mache. "In erster Linie sind es Blicke. Abschätzendes Mustern." Komme dann jemand dazu und sage: "Hallo, Frau Jones", reagierten die Menschen sofort anders. Wobei sie selbst zu ihrer Zeit als OK Präsidentin der Frauen-WM 2011 derartiges erlebt habe. "In Karlsruhe haben wir damals zwei Spielfelder eingeweiht, ich begrüße eine Spielerin und da sagt einer: 'Jetzt kannst du sagen, dass du einer Negerin die Hand geschüttelt hast.'"

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