Erste Schiedsrichterin in der Ligue 1 Frankreichs Bibiana Steinhaus

In Deutschland ist Bibiana Steinhaus als Bundesliga-Schiedsrichterin längst etabliert. In Frankreich pfeift mit Stéphanie Frappart nun erstmals eine Frau in der Ligue 1. Damit vollendet sie das Schaffen einer Pionierin.

Stéphanie Frappart pfiff bei der EM 2017 das Halbfinale zwischen den Niederlanden und England
Yves Herman / REUTERS

Stéphanie Frappart pfiff bei der EM 2017 das Halbfinale zwischen den Niederlanden und England

Von


Stéphanie Frappart ist mit 1,64 Meter relativ klein, aber die Französin hat sich unter Schiedsrichtern durchaus einen größeren Namen gemacht. Frappart leitete das Eröffnungsspiel der EM 2017 und später auch ein Halbfinale. Sie pfiff beim olympischen Fußballturnier 2016 und ist für die WM in diesem Sommer nominiert.

Internationale Bekanntheit erreicht die 35-Jährige aber erst jetzt richtig. Denn am Sonntag wird Stéphanie Frappart die erste Frau sein, die ein Spiel in der französischen Ligue 1 leitet - der ersten Liga der Männer.

Die ehemalige Jugendspielerin wird bei der Partie zwischen dem Abstiegskandidaten SC Amiens und Ligapokal-Gewinner Racing Straßburg pfeifen. Was in Deutschland dank Bibiana Steinhaus bereits Normalität ist, hat es in Frankreich bisher nicht gegeben. Steinhaus ist seit der Saison 2017/2018 Schiedsrichterin in der Bundesliga - nachdem sie sich über lange Jahre in Liga zwei nach oben gearbeitet hatte.

Bibiana Steinhaus beim Bundesligaspiel zwischen Freiburg und Bremen Mitte April
Stuart Franklin/ Bongarts/ Getty Images

Bibiana Steinhaus beim Bundesligaspiel zwischen Freiburg und Bremen Mitte April

Eine Pionierin namens Nelly Viennot

Frapparts Weg verlief ähnlich. Bereits als 19-Jährige wurde sie nicht nur im Frauen-, sondern auch im Männerspielbetrieb eingesetzt. Damals noch in der siebten Liga. 2009 rückte sie in die vierte Spielklasse auf, 2011 dann als erst zweite Französin überhaupt in die dritte Liga. Sie folgte damit der Pionierin Nelly Viennot, der ersten Frau, die in Frankreich ein Männerspiel gepfiffen hatte.

Viennot, die 2006 von Staatspräsident Jacques Chirac mit dem nationalen Verdienstorden ausgezeichnet wurde, machte Karriere im Männerfußball - allerdings vor allem als Linienrichterin. In den Neunziger- und Nullerjahren bestritt sie fast 200 Erstligaspiele an der Seitenlinie, Europapokalpartien und Länderspiele. Als Schiedsrichterin, die selbst ein Spiel leitet, kam sie aber nicht über Liga drei hinaus.

Frappart wird nun ganz oben ankommen. Ab 2014 pfiff sie bereits in der zweiten Liga. Im französischen Pokal wurde sie erstmals 2015 eingesetzt. Jetzt also folgt der letzte, fällige Schritt in Liga eins. Über den Unterschied zwischen Frauen- und Männerfußball sagte sie einmal in einem Interview: "Der Männerfußball ist physischer und nickliger. Man muss deshalb anders mit den Spielern umgehen. Die Frauen haben dagegen mehr Disziplin." Aber langsam würden die Unterschiede kleiner werden.

Vom Weltverband Fifa gab es den Wunsch an den französischen Verband FFF, dass sich die für die WM im Sommer nominierten Schiedsrichterinnen "unter bestmöglichen Bedingungen" für das Turnier vorbereiten sollen. Womöglich war auch das ein Grund für die Ansetzung, was an der historischen Dimension für den französischen Fußball aber nichts ändert.

Die WM im Sommer findet in Frankreich statt. Von diesem Turnier erhofft sich Frappart einen weiteren Entwicklungsschub für den Frauenfußball sowie das weibliche Schiedsrichterwesen in ihrem Land. Und irgendwann soll dann eine Frau auch bei einer Männer-WM pfeifen: "Ich glaube und hoffe, dass eine Frau diese Chance einmal erhalten wird. Die Frauen müssen im Fußball eine größere Rolle spielen", sagt Frappart.

mit Material vom sid

Mehr zum Thema


insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Intelligenz? Wo? 23.04.2019
1. Langsam aber sicher
Es ist schön zu sehen das auch in anderen Ländern gerade im Sport (ironischerweise) endlich auf Leistung und können/know how geachtet wird nicht mehr vorrangig aufs Geschlecht und danach auf die Leistung. Und wer hätte das gedacht, ganz ohne Frauenquote. Die meiner Meinung nach der größte Fehler war den die Politik und Wirtschaft gemacht haben in den letzten Jahren. Per Gesetz Anstellungen an ein Geschlecht vergeben das kann kein gutes Ende nehmen, das sollte jedem klar sein. Den auch wenn es auf dem Papier so schön aussieht, in der Realität ist es eine Farce.
im_ernst_56 24.04.2019
2. Ausnahmen, die die Regel bestätigen
Zitat von Intelligenz? Wo?Es ist schön zu sehen das auch in anderen Ländern gerade im Sport (ironischerweise) endlich auf Leistung und können/know how geachtet wird nicht mehr vorrangig aufs Geschlecht und danach auf die Leistung. Und wer hätte das gedacht, ganz ohne Frauenquote. Die meiner Meinung nach der größte Fehler war den die Politik und Wirtschaft gemacht haben in den letzten Jahren. Per Gesetz Anstellungen an ein Geschlecht vergeben das kann kein gutes Ende nehmen, das sollte jedem klar sein. Den auch wenn es auf dem Papier so schön aussieht, in der Realität ist es eine Farce.
Wenn in Deutschland und Frankreich jeweils eine Frau als Schiedsrichterin in der höchsten Fußballliga der Männer eingesetzt wird, kann man ja nicht behaupten, dass sich Frauen in diesem Bereich durchgesetzt hätten. Vielmehr sind Steinhaus und Frappart die Ausnahmen, die die Regel bestätigen. Allerdings würde in diesem Bereich wahrscheinlich niemand eine Frauenquote fordern, weil der Männerfußball schneller, athletischer und körperbetonter ist als der Frauenfußball und deshalb besondere Anforderungen an die Spielleitung stellt, der sich bei 80 Millionen Schiedsrichtern vor dem Fernseher im Zeitalter der Superzeitlupe nicht jede Schiedsrichterin stellen mag.
gnarze 24.04.2019
3. Mehr Frauen
Gerade bei Frau Steinhaus fällt auf, dass die Spieler dieses unsinnige Bedrängen nahezu komplett eingestellt haben. Insofern scheinen Frauen als Schiedsrichter dem Männerfußball eher gut zu tun. Wenn sie denn kompetent - so wie Frau Steinhaus, die auf dem Feld sehr angenehm wirkt- sind.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.