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23. April 2013, 10:59 Uhr

Steuerhinterziehung

Hoeneß gesteht schweren Fehler ein

"Ich will reinen Tisch machen": Erstmals hat sich Uli Hoeneß zu seiner Steueraffäre geäußert. In der "Sport Bild" räumt der Bayern-Präsident einen "schweren Fehler" ein. Er hofft, mit Hilfe seiner Selbstanzeige um eine Strafe herumzukommen.

Hamburg - Seit Tagen beschäftigt der Fall Uli Hoeneß die Republik, nun hat sich der Bayern-Präsident zu den Beweggründen für seine Selbstanzeige offenbart. "Ich habe erkannt, dass ich einen schweren Fehler gemacht habe, den ich versuche, mit der Selbstanzeige zumindest halbwegs wiedergutzumachen", sagte der 61-Jährige der "Sport Bild".

Hoeneß will die Angelegenheit offensiv angehen: "Ich will reinen Tisch machen. Das Gesetz bietet ja diese Möglichkeit." Die Staatsanwaltschaft München II ermittelt gegen den 61-Jährigen wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung. Demnach habe Hoeneß versteuertes Geld in der Schweiz gelagert und damit spekuliert. Die bei Gewinnen fällige Kapitalertragsteuer hat er aber offenbar nicht gezahlt.

Hoeneß hofft, dank der Selbstanzeige um eine Strafe herumzukommen. Ob das funktioniert, ist aber ungewiss. Er muss auf jeden Fall alle nichterklärten Einkünfte vollständig nachmelden. Theoretisch müsste er dann die gesamten hinterzogenen Steuern nachzahlen, plus ein halbes Prozent Verzugszinsen pro Monat und zusätzlich einen Zuschlag von fünf Prozent.

Ob die Selbstanzeige tatsächlich zur Straffreiheit führe, hänge davon ab, ob Hoeneß "wirklich alles" auf den Tisch gelegt habe, sagte der Chef der Deutschen Steuergewerkschaft, Thomas Eigenthaler, der "Passauer Neuen Presse".

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat das Prinzip der Straffreiheit bei einer Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung verteidigt. "Ich bin dafür, dass das Recht auf Selbstanzeige bleibt", sagte der Politiker am Dienstag im RBB-Inforadio.

Andere Oppositionspolitiker auch seiner eigenen Partei hatten sich jedoch skeptisch gezeigt. "Es gibt keinen ernsthaften Beleg dafür, dass die strafbefreiende Selbstanzeige Steuerhinterziehung verhindert und "reuige Sünder" produziert", sagte SPD-Fraktionsvize Joachim Poß der "Leipziger Volkszeitung".

Amnestie-Gesetze zugunsten von Steuerbetrügern lehnte Steinbrück jedoch ab. "Es hat nichts genützt, also müssen die Daumenschrauben weiter angezogen werden." Die SPD hatte unter dem früheren Finanzminister Hans Eichel und Bundeskanzler Gerhard Schröder versucht, Steuerflüchtlinge mit Aussicht auf Amnestie zur Umkehr zu bewegen. Der erhoffte Geldsegen für den Fiskus blieb allerdings aus

ham/cte/tok/sid/dpa

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