Steuervorteile EU leitet Verfahren gegen Barça und Real ein

Spitzenclubs unter Druck: Die Europäische Union hat ein Verfahren gegen den FC Barcelona und Real Madrid eröffnet. Den Clubs werden Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht zur Last gelegt. Sie sollen steuerliche Vorteile daraus ziehen, dass sie als Vereine, nicht als AG firmieren.

Stadion Santiago Bernabéu: Verfahren gegen Real Madrid
DPA

Stadion Santiago Bernabéu: Verfahren gegen Real Madrid


Hamburg - Im Streit um mögliche Steuervorteile droht den spanischen Top-Clubs FC Barcelona und Real Madrid Ärger. Die Europäische Union hat offiziell ein Verfahren gegen die beiden Vereine sowie weitere fünf Clubs eingeleitet. Es wird wegen verbotener staatlicher Zuwendungen ermittelt, teilte die EU-Kommission mit.

Insgesamt sollen sich die Vereine mit Hilfe des Staates durch entsprechende Rahmenbedingungen Vorteile in Höhe von mehreren Milliarden Euro verschafft haben. Sie zahlen nach Angaben der EU-Kommission aufgrund ihres Status als Sportvereine eine Körperschaftsteuer von 25 Prozent, während die anderen Clubs als Aktiengesellschaften 30 Prozent zahlen müssen.

"Profifußballclubs sollten ihre Betriebskosten und Investitionen selbst erwirtschaften, anstatt den Steuerzahler in Anspruch zu nehmen", sagte der für Wettbewerbspolitik zuständige Vizepräsident der Kommission, der Spanier Joaquín Almunia: "Die Mitgliedstaaten und öffentliche Einrichtungen müssen das Beihilferecht der EU einhalten. Das gilt für diesen Wirtschaftszweig genauso wie für alle anderen Branchen."

Außer Barcelona und Real wird auch gegen fünf weitere Clubs aus der ersten und zweiten spanischen Liga ermittelt, darunter Athletic Bilbao und CA Osasuna. Spaniens Wirtschaftsminister Luis de Guindos äußerte sich zuversichtlich, dass die Regierung mit der EU-Kommission eine "angemessene Lösung" finden werde. "Die spanische Regierung wird Brüssel alle verfügbaren Informationen vorlegen", kündigte der Minister an.

Real wird zudem ein sehr vorteilhafter Grundstückstausch mit der Stadt Madrid vorgeworfen. Der Verein hatte wertarmes Brachland in einem Vorort gegen Grundstücke rund um das Bernabéu-Stadion in einer der teuersten Gegenden der spanischen Hauptstadt getauscht. Der finanziell angeschlagene FC Valencia steht indes wegen Bürgschaften der Regionalregierung für einen 81 Millionen Euro schweren Kredit im Fokus.

chp/joe/sid/dpa



insgesamt 8 Beiträge
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emden09 18.12.2013
1. und der BVB?
War da nicht was mit einem Geschenk der Stadt Dortmund in Sachen Stadion und einer Bürrgschaft der Sparkasse Dortmund für zuletzt 60 Mio Schulden? Evtl. sollte die EU da auch mal nachsehen.
mmaaeepp 18.12.2013
2. Zuversichtlich?
"Spaniens Wirtschaftsminister Luis de Guindos äußerte sich zuversichtlich, dass die Regierung mit der EU-Kommission eine "angemessene Lösung" finden werde." Das bin ich auch...
raber 18.12.2013
3. Deutsche Clubs sauber?
Die Eröffnung des Verfahrens wird wohl seine Richtigkeit haben. Was mich wundert, ist warum die EU erst jetzt darauf kommt und auch wieso die spanische Regierung dies nicht schon längst geklärt bzw. gesäubert hat. Gibt es ähnliche Fälle in Deutschland? Bei den Spezies die wir haben (Steuerhinterzieher, Steuerflüchlinge und vorbestrafte Vorstände) wäre es doch wohl denkbar.
weltkriech 18.12.2013
4. warum nur beim BVB
Zitat von emden09War da nicht was mit einem Geschenk der Stadt Dortmund in Sachen Stadion und einer Bürrgschaft der Sparkasse Dortmund für zuletzt 60 Mio Schulden? Evtl. sollte die EU da auch mal nachsehen.
Ist doch bei fast jedem Bau einer neuen Arena der Fall, das da mehr als fragwürdige Subventionen fließen! Beispielsweise beim FC Bayern die Allianz Arena , wo die öffentliche Hand rund 210 Millionen Euro für Arealerschließung und Infrastruktur gezahlt hat. Außerdem erfolgte für den Bau eine Umwidmung des Grundstücks vom Gewerbegebiet zur Sondernutzungsfläche, wodurch der Wert von 84 Millionen Euro auf 14 Millionen Euro gesunken ist. Durch den niedrigeren Grundstückswert sank auch der Erbbauzins und für eine 100%ige Tochterfirma des FC Bayern.
pr8kerl 18.12.2013
5. Hat aber lange gedauert
Die steuerliche Bevorzugung der spanischen Top-Vereine ist seit langem bekannt, doch lange passierte nichts. Also konnten sie sich all die Top-Spieler leisten, die die Bundesliga nicht zahlen konnte. Jetzt ist offenbar Schluss damit. In Italien gehen bei den Top-Clubs schon die Lichter aus. Mal sehen wie lange es in England dauert.
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