Traditionsclub Steuerzahlerbund nennt Zahlungen an FCK illegal

Scharfe Kritik an der Finanzpolitik rund um den 1. FC Kaiserslautern: Der Steuerzahlerbund spricht davon, dass der Verein insgesamt 100 Millionen Euro öffentliches Geld illegal erhalten habe. Der Verein reagiert empört auf die Vorwürfe.
FCK-Fans im Fritz-Walter-Stadion: Öffentliche Gelder in der Kritik

FCK-Fans im Fritz-Walter-Stadion: Öffentliche Gelder in der Kritik

Foto: A3399 Arne Dedert/ dpa

Hamburg - Die finanziellen Sünden der Vergangenheit drohen Fußball-Zweitligist 1. FC Kaiserslautern einzuholen. Nach Angaben des Bundes der Steuerzahler Rheinland-Pfalz sind in den vergangenen zehn Jahren rund hundert Millionen Euro Steuergelder des Landes illegal an den Club geflossen. Innenstaatssekretär Günter Kern (SPD) gab an, dass die Kommunalaufsicht die Stadt Kaiserslautern um Aufklärung gebeten habe.

"Es gibt recht wenige Steuerverschwendungsfälle in Rheinland-Pfalz, die damit mithalten können", sagte Steuerzahlerbund-Geschäftsführer René Quante dem SWR. Laut Quante denke sich die Stadt Kaiserslautern "immer wieder neue Möglichkeiten aus, wie man auf indirekte Weise Steuergeld in die Vereinskasse schleusen" könne.

Der Steuerzahler-Bund bekräftigt damit Vorwürfe, die seit längerem im Raum stehen - genauer gesagt seit der Fast-Pleite des Clubs vor der WM 2006. Damals kaufte die Stadt dem FCK das ausgebaute Fritz-Walter-Stadion für 65 Millionen Euro ab, um den Verein vor dem Konkurs zu bewahren.

Pikant ist der Rückkauf des Nachwuchszentrums

Seit dieser Zeit zahlen die Roten Teufel eine Pacht für die Arena, die aufgrund der chronischen Finanzschwäche des Clubs immer wieder gesenkt wurde. Derzeit sind es 2,4 Millionen Euro im Jahr. Laut Steuerzahlerbund reicht diese Pacht allerdings gerade einmal für die Zinsen.

Besonders pikant ist der nun geplante Rückkauf des Nachwuchszentrums. Die Stadt hatte den "Fröhnerhof" für sechs Millionen Euro gekauft, nun soll das Gelände für 2,6 Millionen Euro an den Verein zurückgehen.

Laut Quante ist es für eine Klage noch zu früh. Man habe der Stadt Kaiserslautern aber eine Reihe von Fragen gestellt. Danach werde über mögliche juristische Schritte entschieden. Sollte es sich tatsächlich um unerlaubte Beihilfen handeln, müsste der Club laut Quante sämtliche Subventionen an Stadt und Land zurückzahlen. Damit wäre der FCK pleite.

Der Verein wies die Vorwürfe zurück. "Die FCK-Verantwortlichen nehmen mit Befremden zur Kenntnis, dass sich mit dem Geschäftsführer Herrn R. Quante jemand ohne jegliche Sachkenntnis öffentlich zu Wort meldet und durch rein populistische Aussagen versucht, Aufmerksamkeit zu erregen und dem 1. FC Kaiserslautern einen Imageschaden zuzufügen", heißt es in einer Erklärung: "Bis heute erwartet der FCK eine informelle Anfrage seinerseits oder der von ihm vertretenen Organisation."

aha/sid