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Stevens auf Schalke Rückkehr des Jahrhundert-Trainers

Sein Name steht für die großen Schalker Erfolge um die Jahrtausendwende: Huub Stevens. Nun soll er nach dem Rangnick-Rücktritt an glorreiche Zeiten in Gelsenkirchen anknüpfen. Von seiner defensiv-unattraktiven Spielweise von einst will der Niederländer nichts mehr wissen.

Jermaine Jones hatte gut Lachen. "Endlich, die Sonne scheint wieder", sagte Schalkes Mittelfeldspieler strahlend, als er am Dienstag nach dem Vormittagstraining Richtung Umkleidekabine schlenderte. Unter Trainer Ralf Rangnick, der in der vergangenen Woche wegen eines Erschöpfungssyndroms seinen Job beim Revierclub gekündigt hatte, fristete Jones ein Reservistendasein. Nun aber hatte er die erste Übungseinheit unter Rangnick-Nachfolger Huub Stevens hinter sich - und mit dem Wechsel auf der Trainerbank wächst für ihn die Chance auf eine bessere Zukunft.

Allerdings gibt es rund um den Club auch viele Zweifeler, ob die Neuauflage mit Stevens auf der Trainerbank eine gute Idee der Verantwortlichen war. Schließlich zeigte das Team unter Rangnick erfrischenden Offensivfußball. Etwas, wofür Stevens nicht gerade bekannt ist. "Die Null muss stehen" lautete seine Devise während seines ersten Engagements in Gelsenkirchen von 1996 bis 2002.

"Ja, immer wieder diese Geschichte", winkt Stevens genervt-lächelnd ab und sagt: "Dass ich derjenige sein soll, der diesen Satz gesagt hat - ich weiß nicht, ob ich das wirklich war." Doch nach kurzem Überlegen konnte sich Stevens erinnern, diese Worte einmal bei seiner ersten Schalker Amtszeit gebraucht zu haben.

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Coach Stevens: Zurück im Pott

Foto: Marius Becker/ dpa

Jetzt ist Stevens wieder da - und Schalkes Sportdirektor Horst Heldt macht aus seiner Erleichterung, nach Rangnicks plötzlichem Rücktritt möglichst schnell einen geeigneten Nachfolger gefunden zu haben, kein Geheimnis: "Es ist immer schwierig, wenn man während der Saison einen neuen Trainer holen muss. Und in diesem Fall war es noch schwieriger, weil wir kurzfristig von einer Situation erfahren haben, auf die wir reagieren mussten", so Heldt, der beim königsblauen Ensemble von einem Kader spricht, "der nicht problemlos zu behandeln ist". Aber der 41-Jährige verweist bei seiner Entscheidung gerne auf den FC Bayern.

Die Münchner werden seit Sommer ebenfalls - und sehr erfolgreich - von einem ihrer ehemaligen Trainer gecoacht. Jupp Heynckes ist mit seinen 66 Jahren sogar neun Jahre älter als Stevens, 57. Unter dem Niederländer hatte Schalke 1997 den Uefa-Cup sowie 2001 und 2002 den DFB-Pokal gewonnen. Die Schalker Fans wählten Stevens zum Jahrhundertrainer des Vereins.

Duell beim Hamburger SV hat eine pikante Note

"Es gibt im deutschen Profifußball viele junge, ambitionierte Trainer", sagt Heldt. Wie etwa Thomas Tuchel (Mainz) oder Mike Büskens (Fürth), die beide in Gelsenkirchen im Gespräch waren. Doch Held betont: "Einer der Hauptbeweggründe war, dass wir Huub Stevens nach Hause holen wollten." Zudem ist der Niederländer, der zuletzt fünf Monate mit der Familie in der Heimat verbracht hat, laut Heldt "sehr locker, ausgeruht und heiß auf die neue Aufgabe".

Erste Erkenntnisse, wie Stevens-like der Schalker Stil unter dem niederländischen Rückkehrer daherkommt, werden die Spiele gegen Maccabi Haifa in der Europa League am Donnerstag (19 Uhr) und beim Hamburger SV am Sonntag (17.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) liefern. Speziell das Duell mit dem HSV erfährt dabei eine pikante Note, galt Stevens doch vor wenigen Tagen bereits als neuer Coach der Hanseaten. Dann aber ruderte der Club plötzlich zurück - weil der Ex- und Wunsch-Trainer auch mit Schalke gesprochen hatte.

"Nicht ich habe nein gesagt, der HSV hat die Gespräche abgesagt", stellt Stevens klar. Dann betont er, wie große seine Freude darüber ist, nun wieder beim "1. FC Schalke 04" angeheuert zu haben.

Wichtiger als der korrekte Vereinsname seines neuen und alten Arbeitgebers ist dabei, dass Stevens, im April in Salzburg entlassen und zuletzt als Bundesliga-Experte im Fernsehen eingesetzt, zumindest seinen guten Willen andeutet: "Ich hoffe, dass ich fortsetzen kann, was Ralf hier begonnen hat", sagt der Niederländer, der dem erschöpften Rangnick in der Vorwoche "eine SMS geschickt und darin gute Besserung" gewünscht hat. "Und zwar direkt", betont Stevens, "nicht erst als Herr Heldt am Telefon war."

Am Dienstag saß Schalkes Manager bei der Pressekonferenz auf dem Stuhl neben seinem neuen Trainer, dessen Comeback bei S04 einige Tücken bereithält. "Wir wollen weiterhin attraktiven, offensiven Fußball spielen. Aber wenn dabei die Null steht, bin ich auch nicht traurig", sagte Heldt vorsichtshalber. Während Stevens beteuert: "Ich möchte einen Fußball spielen lassen, mit dem die Fans sich identifizieren können, mit dem sie sich wohl fühlen." Wie der aussehen wird, bleibt abzuwarten. Sollte Stevens so erfolgreich sein, wie bei seiner ersten Zeit auf Schalke, könnten die S04-Anhänger wohl mit jedem Spiel-Stil leben.

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