Stimmen zum DFB-Sieg gegen Algerien Mertesacker pflaumt ZDF-Reporter an

Deutschland steht im Viertelfinale, doch die Freude ist gedämpft. Per Mertesacker legt sich mit einem Reporter an und wird dabei ziemlich deutlich. Joachim Löw beklagt die Chancenauswertung, und Torschütze André Schürrle fordert gegen Frankreich eine andere Leistung.
Mertesacker gegen Algerien: "Was sind das denn für Fragen?"

Mertesacker gegen Algerien: "Was sind das denn für Fragen?"

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Hamburg - Er stand da, als hätte er gerade vier Gegentore verschuldet. Per Mertesacker sah abgekämpft aus, doch das war nicht das Auffälligste kurz nach diesem 2:1 nach Verlängerung gegen Algerien. Der Innenverteidiger machte ein Gesicht, das jeden im Umkreis sofort selbst eine Abwehrhaltung einnehmen ließ.

ZDF-Reporter Boris Büchler war dennoch mutig und fragte, warum es eben nicht ganz zufriedenstellend gelaufen sei. Und Mertesacker antwortete: "Was sind das denn für Fragen? Völlig egal wie, Hauptsache, wir sind im Viertelfinale. Unter den letzten 16 Teams sind doch keine Karnevalstruppen. Was wollen Sie? Wollen Sie eine erfolgreiche WM, oder wollen Sie, dass wir ausscheiden? So kurz nach dem Spiel kann ich die ganze Fragerei nicht verstehen." Und falls es im ganzen Durcheinander untergegangen sein sollte: "Wir sind weiter. Wir sind happy."

Natürlich sah er nicht so aus. Natürlich war er es trotz des Einzugs ins Viertelfinale nicht wirklich. Irgendwann trat er wütend ab. Wahrscheinlich nicht, um zu feiern. Was hatte er zuvor noch zu sagen? "Algerien hat es uns sehr schwer gemacht, und wir haben am Ende verdient gewonnen. Die haben uns nichts geschenkt. Wir haben gekämpft bis zum Ende. Ich lege mich jetzt drei Tage in die Eistonne, dann analysieren wir das Spiel, und dann sehen wir weiter." Gekühlt werden muss in jedem Fall auch das Gemüt.

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Die weiteren Stimmen:

Bundestrainer Joachim Löw: "Das war ein Spiel zum Durchschnaufen. Am Ende war es ein Sieg des Willens. In der ersten Halbzeit haben wir uns schwer getan und viele Bälle verloren, in der zweiten Halbzeit und der Verlängerung waren wir dann schon die bessere Mannschaft.

Eigentlich mussten wir das Spiel in der regulären Spielzeit entscheiden. Wir hatten wahnsinnig viele Chancen. Khedira und Schürrle haben der Mannschaft noch einmal einen Schub gegeben. Alle Spieler waren in der Verlängerung am Limit. Solch ein Spiel gibt es im Turnier mal, dass man sich durchkämpfen muss.

Bastian Schweinsteiger hat erst das zweite Spiel von Anfang an gemacht, auch Sami Khedira hatte nicht so viel Praxis. Da muss man jetzt gucken, wie die Spieler bis zum nächsten Spiel regenerieren."

DFB-Manager Oliver Bierhoff: "Aufgrund der vielen Chancen war es ein verdienter Sieg. Je weiter man kommt, um so weniger können wir uns erlauben. Jetzt kommt Frankreich. Wir müssen uns auf jeden Fall noch steigern."

André Schürrle: "Wir hätten es auch lieber anders geregelt, aber Algerien hat es heute gut gemacht und uns von Anfang an gestört. Wir haben uns vor allem anfangs schwer getan, am Ende hätten wir aber schon in der regulären Spielzeit das Tor machen müssen. Aber egal wie, wir sind im Viertelfinale. Gegen Frankreich reicht das auf keinen Fall, die sind offensiv stärker, da müssen wir uns steigern. Aber ich bin zuversichtlich. Bei meinem Hackentor war Glück mit dabei, aber ich wollte den schon so aufs Tor bringen."

Manuel Neuer: "Ich habe meine Spielweise nicht verändert. Ich spiele öfter so. Das hat der Platz hergegeben, weil es ein bisschen nass war. Alles ist zu erklären, wenn man es vernünftig analysiert. Mit Frankreich wartet eine harte Aufgabe auf uns. Als der André kam, war ein bisschen Zug drin. Das hat Schwung gebracht, das tat uns gut. Wir müssen zielstrebiger nach vorne spielen. Wir haben über 90 Minuten die Null gehalten."

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Madjid Bougherra (Algerien): "Ich bin schon sehr stolz auf diese Mannschaft. Wir haben der ganzen Welt gezeigt, dass Algerien eine tolle Mannschaft besitzt. Spätestens jetzt kennen alle unsere Qualitäten. Wir haben bis zum Ende alles gegeben. Es war eine tolle WM von uns."

fpf/sid/dpa