Stinkefinger-Affäre Atouba soll rassistisch beschimpft worden sein

Die Aufregung um die obszönen Gesten des HSV-Spielers Timothee Atouba hält an. Während die "Bild"-Zeitung dem Kameruner heute sein Millionengehalt vorwirft, mehren sich die Aussagen, dass dieser von Zuschauern rassistisch angepöbelt worden sei.

Hamburg - Laut "Hamburger Abendblatt" wurde Atouba nach seiner Auswechslung von den Zuschauerrängen als "Nigger, Kanake und Affe" beschimpft. Die Zeitung zitiert mehrere Besucher der Champions-League-Partie zwischen dem Hamburger SV und ZSKA Moskau (3:2) am vergangenen Mittwoch. So sollen laut eines befragten Dauerkartenbesitzers Ausdrücke wie "Neger oder Nigger fast schon die harmlosesten" gewesen sein. Die "Hamburger Morgenpost" schreibt: "Das Problem ist nicht Atouba, das Problem sitzt mitten auf der VIP-Tribüne der AOL-Arena". Dort würden sich "mindestens eine Handvoll Rassisten tummeln".

Atouba war von den HSV-Verantwortlichen aufgrund der Geschehnisse bei seiner Auswechslung für zwei Spiele gesperrt worden. In der heutigen Ausgabe der "Bild"-Zeitung wird diese Strafe als zu gering bezeichnet und indirekt der Rauswurf Atoubas gefordert. Außerdem wird der Verteidiger als "Söldner" beschimpft. Darüberhinaus zitiert die Zeitung HSV-Vorstand Bernd Hoffmann mit den Worten: "Atouba hat uns gesagt, rassistische Rufe seien nicht der Grund für den Ausraster gewesen."

Der 24-Jährige hatte in der Partie gegen Moskau seine Auswechslung selbst gefordert, nachdem er an beiden Gegentoren beteiligt gewesen und in der Folge von den Fans ausgepfiffen worden war. Nach der Auswechslung wurde er mit Bierbechern beworfen, woraufhin der 24-Jährige den Fans den Mittelfinger entgegenstreckte und von Schiedsrichter Stefano Farina nachträglich die Rote Karte sah.

Atouba hatte sich gestern schriftlich bei den Fans entschuldigt. "Ich weiß, dass ich dem Verein und der Mannschaft großen Schaden zugefügt habe", ließ er erklären, "ich bin mir meiner Verantwortung gegenüber dem HSV bewusst." Die sportliche Leitung um Sportchef Dietmar Beiersdorfer und Trainer Thomas Doll stellte sich demonstrativ hinter Atouba: "Er ist trotzdem unser Spieler: Wir stehen zu ihm und hoffen, dass er sich in der Rückrunde wieder so präsentiert wie in der Vergangenheit", erklärte Beiersdorfer.

Das Verhältnis zwischen den HSV-Anhängern und Atouba ist schon länger angespannt. So nehmen viele Fans dem einstigen Publikumsliebling übel, dass er in der Sommerpause mit Angeboten anderer Clubs kokettierte. Ihrer Meinung nach sollte er diese Offerten noch einmal intensiver prüfen.

fpf/sid

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