Strafe für Faschistengruß Di Canio sieht sich als Opfer

Lange Zeit hatte der italienische Fußballverband tatenlos zugesehen, jetzt wurde gehandelt. Weil er wiederholt öffentlich den Faschistengruß zeigte, erhielt Paolo Di Canio eine Sperre. Der Lazio-Kapitän findet die Strafe unfair.


Rom - "Ich bin bestürzt. Die Sperre, die sie mir auferlegt haben, ist eine Ungerechtigkeit, aber vor allem ein politisches Urteil", sagte Di Canio. Der Mannschaftsführer des italienischen Erstligisten Lazio Rom will sich durch die Strafe von einer Begegnung nicht beeinflussen lassen. "Ich werde auch weiter so grüßen. Dann werden sie mich nach jedem Spiel verurteilen müssen", drohte Di Canio.

Überzeugungstäter Di Canio (beim Spiel gegen AS Rom): "Politisches Urteil"
AP

Überzeugungstäter Di Canio (beim Spiel gegen AS Rom): "Politisches Urteil"

Der 37-Jährige hatte sich wiederholt von den Fans im Stadion mit dem so genannten "Römischen Gruß" ("Saluto Romano") verabschiedet. Auch die Faschisten benutzten diesen Gruß, bei dem der rechte Arm ausgestreckt wird. Wegen dieser Geste beim Derby gegen AS Rom (3:1) war Di Canio im Januar zu einer Geldstrafe von 10.000 Euro verurteilt worden.

Am vergangenen Samstag sorgte er beim Spiel gegen Juventus Turin (1:1) für Aufsehen, als er den Faschistengruß demonstrierte. Gleiches hatte Di Canio vor einer Woche beim Lazio-Gastspiel in Livorno (1:2) getan. Zusätzlich zu der Ein-Spiel-Sperre wurde der Stürmer mit einer Strafe von 10.000 Euro belegt, diese Summe muss auch sein Club zahlen.

"Jeder kennt meine Ideen. Der römische Gruß ist Geschichte, und wenn wir das bestreiten wollen, müssen wir aus Rom mehrere Statuen entfernen", sagte Di Canio, der eine Tätowierung mit der Schrift "Dux" ("Führer") auf dem Arm trägt. Auch Fifa-Boss Joseph Blatter hatte dem Spieler am Rande der Club-Weltmeisterschaft in Tokio eine Bestrafung angedroht. "Wir beschäftigen uns mit dem Fall", sagte Blatter.



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