Strauchelnder Weltmeister Brasiliens Fußballstars in Peru verhöhnt

Weltmeister Brasilien tut sich in der Qualifikation für die WM 2006 in Deutschland derzeit schwer. Nach einem enttäuschenden Auftritt in Peru sind Ronaldo & Co. in der Tabelle hinter den großen Rivalen Argentinien zurückgefallen. Ein unakzeptabler Zustand für die brasilianische Fußballseele.


Zweikampf zwischen Brasiliens Zé Roberto und Perus Juan Joyo: "Weder gespielt noch gedeckt"
REUTERS

Zweikampf zwischen Brasiliens Zé Roberto und Perus Juan Joyo: "Weder gespielt noch gedeckt"

Lima - Am dritten Spieltag des südamerikanischen Qualifikationsturniers zur WM 2006 in Deutschland schaffte die brasilianische Fußballnationalmannschaft am Sonntag in Peru nur ein mühsam erkämpftes 1:1 (1:0). Dadurch wurde der fünffachen Weltmeister von Argentinien auf den zweiten Tabellenplatz verdrängt. "Das war schwach. Heute hat nur Peru gespielt. Brasilien hat weder gespielt noch gedeckt", schimpfte der frühere Weltstar und heutige TV-Kommentator Falcao. Die Kurzbilanz der Zeitung "Estado" lautete: "Das war nicht akzeptabel."

Hexenjagd auf Ronaldo


Rivaldo hatte die anfangs leicht überlegenen Gäste vor 80.000 Zuschauern im ausverkauften "Estadio Monumental" in der 20. Minute per Foulelfmeter in Führung gebracht. Den Ausgleich schaffte Nolberto Solano von Newcastle per Kopf (58). Bei Brasilien machten sich nicht nur die verletzungsbedingten Ausfälle von Ronaldinho Gaucho und Roberto Carlos bemerkbar. Nach der Bekanntgabe seiner Scheidung von Ehefrau Milene war auch Ronaldo ein Totalausfall. Der 27-jährige Stürmer von Real Madrid, der die Tore zum WM-Endspielsieg über Deutschland erzielt hatte, traf dieses Jahr in sieben Länderspielen nur ein Mal. Peruanische Indio-Hexenmeister, die Ronaldo-Bilder öffentlich zerstochen hatten, beanspruchten einen Teil des Erfolgs für sich. In Stadion waren überall Transparente ("Ronaldo, deine Frau verfolgt mich") aufgehängt, die sich über Ronaldos Liebesleben lustig machten. "So etwas macht man nicht", klagte deshalb Ronaldos Mutter Sonia.

"Wir hatten zwar mehr Torchancen, aber konnten unser Kurzpassspiel nicht entwickeln", zeigte sich Brasiliens Nationaltrainer Carlos Alberto Parreira unzufrieden mit der "Selecão", auch wenn er anschließend von einem "guten Ergebnis" sprach. Grund zum Jubeln hatte lediglich Milans Edelreservist Rivaldo, der nach Monaten der Tatenlosigkeit endlich mal wieder zum Einsatz kam. "Ich kippe um vor Freude", entzückte sich Rivaldo über sein erstes Länderspieltor seit Oktober 2002.

Dagegen wartet Ronaldo weiter auf sein 50. Länderspieltor. Der Stürmer hoffte vergeblich auf brauchbare Zuspiele aus dem Mittelfeld, in dem Zé Roberto von Bayern München diesmal keine Akzente setzen konnte. Zudem zeigten die brasilianische Abwehr um den Leverkusener Lucio Schwächen bei hohen Bällen.

Pizarro: "Das Unentschieden ist verdient"


"Ronaldo, deine Frau verfolgt mich": Peruanische Fans im "Estadio Monumental" von Lima
AP

"Ronaldo, deine Frau verfolgt mich": Peruanische Fans im "Estadio Monumental" von Lima

Folgerichtig entsprang Perus Ausgleich durch Solano einer Flanke. Der Mittelfeldspieler nutzte einen Stellungsfehler von Zé Roberto sowie Lucio und ließ das Stadion mit seinem Kopfballtor in den Grundfesten erbeben. Bayern-Stürmer Pizarro ("Das Unentschieden ist verdient") hatte zuvor zweimal die Chance, zum Volkshelden zu werden, scheiterte mit einem Gewaltschuss aus zwölf Metern (33.) und einem Kopfball aus kurzer Distanz (56.) jeweils knapp.

Für Brasilien geht es am Mittwoch im heimischen Curitiba mit dem Prestigeduell gegen den zweimaligen Weltmeister Uruguay weiter, während Peru in Ekuador antritt. Am letzten Qualifikationsspieltag des Jahres hofft der Weltmeister zugleich auf einen Ausrutscher des ebenfalls mit sieben Punkten gestarteten Rivalen Argentinien, der beim angeschlagenen Schlusslicht Kolumbien die Tabellenführung verteidigt.

Sensation durch Venezuela


Für die große Überraschung des dritten Spieltags sorgte Venezuela. Die Karibik-Kicker schlugen Kolumbien auswärts mit 1:0. Nach drei Niederlagen nacheinander steht Kolumbien mit dem Rücken zur Wand. Die Tage von Trainer-Legende Francisco Maturana, der das Team zu den WM-Endrunden 1990 und 1994 geführt hatte, scheinen gezählt. Der zweifache Weltmeister Uruguay bezwang unterdessen Chile in Montevideo mit 2:1. Ebenfalls mit 2:1 schlug Paraguay in Asunción die Gäste aus Ecuador. Bayern Münchens Roque Santa Cruz traf ein Mal.



© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.