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Nicolas Anelka: Schlecht gespielt, verbal entgleist

Foto: Francois Mori/ AP

Streit mit Trainer Domenech Frankreich feuert Anelka

Die WM in Südafrika hat ihren ersten großen Skandal: Der französische Verband hat Stürmerstar Nicolas Anelka nach Hause geschickt. Der 31-jährige Angreifer vom FC Chelsea soll Nationalcoach Raymond Domenech mit obszönen Worten schwer beleidigt haben.

Hamburg - Skandal im französischen Team: Nicolas Anelka wurde vom französischen Verband (FFF) aus dem Team geworfen und nach Hause geschickt. Dies bestätigte FFF-Vizepräsident Noël Le Graët dem französischen Fernsehsender RTL. Die Entscheidung wurde nach dem Training am Samstagnachmittag, bei dem der 31-Jährige bereits gefehlt hatte, bekanntgegeben.

Grund für den Rauswurf ist offenbar ein heftiger Disput zwischen Anelka und Nationaltrainer Raymond Domenech. In der Halbzeitpause der Vorrunden-Begegnung zwischen der Équipe Tricolore und Mexiko (0:2) soll es zu einem Wortgefecht der beiden gekommen sein. Das berichtet die Sportzeitung "L'Equipe", die Anelkas obszöne Beschimpfung in Richtung Domenech auf ihrer Titelseite druckte. "Fick dich in den Arsch, du Hurensohn", war dort zu lesen.

Anelka soll damit die Forderung seines Coachs kommentiert haben, der von seinem Stürmer einige taktische Veränderungen gefordert und ihn angemahnt hatte, nicht immer vorne stehen zu bleiben. Domenech habe laut des Berichts umgehend auf die Verbalattacke reagiert und zu Anelka gesagt: "Okay, du gehst raus." Tatsächlich lief mit Beginn der zweiten Halbzeit André-Pierre Gignac vom FC Toulouse anstelle des Chelsea-Stürmers auf. Wenn die Vorwürfe stimmten, meldete sich der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy aus dem russischen St. Petersburg zu Wort, "ist das inakzeptabel".

Cliquenwirtschaft im französischen Team

Anelka gilt als enfant terrible des französischen Fußballs. Der schon häufig als Exzentriker aufgefallene Angreifer war bereits vor der WM 2002 in Japan und Südkorea vom damaligen Nationaltrainer Jacques Santini aus dem Kader geworfen worden. Der jetzige Fall ist aber offensichtlich nur die Spitze des Eisberges im französischen Team.

Es gilt mittlerweile als offenes Geheimnis, dass sich in der Équipe Tricolore mehrere Gruppen gebildet haben, die sich untereinander nicht leiden können. Nach dem Spiel gegen Mexiko sprach der eher stille Yoann Gourcuff mit Journalisten - und duckte sich scheu weg, als hinter ihm Anelka und Franck Ribéry vorbeiliefen. Da habe der Klassenbeste "dem Rüpel der Schule" Platz gemacht, "um keinen Schlag auf den Hinterkopf zu bekommen", schrieb "L'Equipe".

Der Skandal trifft das französische Team zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt: Am Dienstag trifft es im abschließenden Gruppenspiel in Bloemfontein auf Gastgeber Südafrika (16 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE), bei dem Frankreich (ein Punkt) nur noch eine kleine Chance auf den Einzug ins Achtelfinale besitzt. Erste Voraussetzung für das Erreichen der K.o.-Runde ist ein eigener Sieg. Der jedoch wäre nutzlos, wenn Mexiko und Uruguay (beide vier Punkte) gegeneinander unentschieden spielen würden. Gewinnt Uruguay, müsste Frankreich bei eigenem Sieg vier Tore gegenüber Mexiko gutmachen, siegen die Nordamerikaner, muss das französische Team sogar einen Unterschied von fünf Treffern auf Uruguay aufholen.

ham/sid
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