Streit um Krankengeld Nowotny macht Rückzieher

Leverkusens Sportchef Rudi Völler hat den Streit mit Jens Nowotny für beendet erklärt. Der Nationalspieler zog seine Klage gegen den Bundesligisten auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall zurück und verzichtet auf eine finanzielle Entschädigung, die der Club ursprünglich in Aussicht gestellt hatte.


Leverkusens Nowotny: "Habe einen Fehler begangen"
DDP

Leverkusens Nowotny: "Habe einen Fehler begangen"

Leverkusen - "Ich spiele jetzt seit zehn Jahren für Bayer Leverkusen und verspüre eine enge Verbundenheit zu allen Mitarbeitern bei Bayer 04. Das sehr gute Verhältnis möchte ich nicht aufs Spiel setzen. Sicherlich habe ich mit meiner Forderung einen Fehler begangen, der für mich nur durch meine innere Unzufriedenheit über meine mittlerweile fünfte schwere Verletzung erklärbar ist", teilte der Innenverteidiger in einer Presseerklärung mit.

Auf Initiative des Profis war heute ein Gespräch mit Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser und Völler zustande gekommen. Holzhäuser zeigte sich erleichtert, dass sich beide Parteien nicht wie zunächst angedroht am 21. September vor dem Arbeitsgericht Solingen wiedersehen: "Ich ziehe meinen Hut vor Jens. Diese Entscheidung verdient allergrößten Respekt. Sie ist auch ein Beweis dafür, dass wir die Persönlichkeit Jens Nowotny richtig eingeschätzt haben."

Auf Grund der jüngsten Querelen war Nowotny auch bei den Bayer-Fans in die Schusslinie geraten. Ihm wurde Raffgier vorgeworfen. Der 45-malige Nationalspieler berief sich auf eine angebliche mündliche Zusage des ehemaligen Bayer-Geschäftsführers Reiner Calmund, der ihm eine Gehaltsfortzahlung im Krankheitsfall versprochen haben soll. Dies wurde von der Bayer-04-Fußball-GmbH dementiert.

Der Streitwert der Auseinandersetzung lag bei etwa 1,75 Millionen Euro plus Zinsen und Gerichtskosten. Eine in einem ersten Meeting von Holzhäuser und Völler angebotene Ausgleichszahlung für entgangene Lohnzahlungen, die nach Informationen des "kicker" 800.000 Euro betragen sollte, lehnten Nowotny und sein Berater Georg Bischoff ab. Der Ex-Karlsruher Nowotny steht seit 1996 beim Werksklub unter Vertrag, wobei sein derzeitiger Kontrakt bis 30. Juni 2008 terminiert ist.

Streit um Handgeld-Versteuerung dauert weiter an

"Ich kenne den Jens sehr gut, schließlich war er mein Spieler im Nationalteam. Es spricht für seine Charakterstärke, dass er seinen Fehler korrigiert hat. Damit ist die Angelegenheit für ihn und Bayer 04 Leverkusen erledigt", kommentierte Ex-DFB-Teamchef Völler die Einigung mit dem Bayer-Spieler.

Am 28. Februar hatte Nowotny zum vierten Mal in seiner Karriere einen Kreuzbandriss erlitten. Bayer hatte die Gehaltszahlungen nach dem gesetzlichen Zeitraum von sechs Wochen eingestellt. Sein Jahresgehalt wird auf rund 3,5 Millionen Euro geschätzt, bei der Vertragsverlängerung 2002 sollen zudem zehn Millionen Euro als Handgeld geflossen sein.

Diese Summe musste Nowotny versteuern. Die Forderung des Bayer-Abwehrrecken, der Club solle die Zahlung des Differenzbetrages nach Steuern übernehmen, ist noch immer bei Gericht anhängig.



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