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30. Juli 2008, 14:29 Uhr

Streit um Olympia-Abstellung

Schalke zieht vor Sportgerichtshof, Bremen zögert

Die letzte Stufe der Eskalation ist erreicht: Im Streit um die Abstellung von U23-Spielern für Olympia hat die Fifa heute erneut die Rechte der jungen Profis gestärkt. Schalke-Manager Andreas Müller kritisiert die Entscheidung und will nun vor den Cas ziehen. Bremen will erst die Erfolgsaussichten prüfen.

Hamburg - Die höchste Instanz soll entscheiden: Schalke 04 will nach dem endgültigen Votum der Fifa im Olympiastreit vor den Internationalen Sportgerichtshof Cas. Der Weltverband Fifa untermauerte am Mittwoch mit dem Spruch des Einzelrichters der Kommission für den Status von Spielern, Slim Aloulou, die Abstellungspflicht für Spieler unter 23 Jahren für das olympische Turnier.

Brasilianer Diego, Ronaldinho: Gemeinsam bei Olympia?
REUTERS

Brasilianer Diego, Ronaldinho: Gemeinsam bei Olympia?

Schalke-Manager Andreas Müller kritisierte die Eintscheidung des Einzelrichters: "Das Urteil haben wir natürlich genau so erwartet. Es hätte uns auch sehr gewundert, wenn der Richter seinen Präsidenten Blatter im Regen stehen gelassen hätte." Erneut berufe sich die Fifa "nur auf ein schwammiges Gewohnheitsrecht und nicht auf schriftlich niedergelegte Paragraphen. Dieses Gewohnheitsrecht kann es aber unserer Meinung nach gar nicht geben, denn in den letzten Jahren sind die FIFA-Statuten mehrfach geändert worden", sagte Müller und kündigte an, man wolle nach der Auswertung der Urteilsbegründung "unsere weitere Argumentation vor dem CAS besprechen."

Auch Werder Bremen hat eine Klage beim Cas eingereicht, prüft derzeit aber noch die Erfolgsaussichten: "Wir werden die Begründung durch unseren Anwalt und dann entscheiden, welche Konsequenzen zu ziehen sind. Ob der Rückzug der Klage eine Option ist, werden wir sehen. Aber wir werden nichts machen, was aussichtslos erscheint", sagte Bremens Sportdirektor Klaus Allofs dem sid und bestätigte damit einen Bericht der Tageszeitung "Die Welt".

In seiner Begründung berief sich Aloulou auf die seit 1988 praktizierte Regelung, dass Spieler unter 23 Jahren von ihren Vereinen für Olympische Spiele freigestellt werden, obwohl diese nicht im internationalen Rahmenterminkalender der Fifa festgehalten sind. Schalke und Bremen hatten Rafinha beziehungsweise Diego die Olympia-Freigabe verweigert. Die Spieler haben dieses Verbot ignoriert und sind bereits bei der brasilianischen Auswahl, die ihr erstes Spiel am 7. August gegen Belgien bestreitet.

In Peking befindet sich bereits eine Ad-Hoc-Kammer des Cas, die innerhalb kürzester Zeit über dringliche Fälle befinden soll. Eine Entscheidung wird für Anfang kommender Woche erwartet. Man sitze nicht auf "glühenden Kohlen", lautete der Kommentar von Werders Geschäftsführer Klaus Allofs. Die Unterlagen für eine Klage hatten beide Vereine durch ihren Anwalt Theo Paeffgen bereits in der vergangenen Woche eingereicht, nachdem Fifa-Präsident Joseph S. Blatter erstmals öffentlich von einer Abstellungspflicht gesprochen hatte.

"Um die Hoheit über den Zeitablauf zu behalten, müssen wir die Entscheidungsgewalt über das Verfahren der Fifa entziehen und bringen daher unsere Klagen gegen den brasilianischen Fußball-Verband direkt vor den Cas", teilte Paeffgen auf der Internetseite der Schalker mit. Der brasilianische Verband CBF hatte sich auf eine Abstellungspflicht gestützt und die Spieler entsprechend nominiert.

Laut Paeffgen habe die Fifa bis Dienstag nichts getan, um die Verfahren voranzutreiben. Deswegen haben die Clubs handeln müssen, wolle man ein endgültiges Urteil des Cas noch vor dem ersten olympischen Anstoß erhalten. Der Cas muss laut Paeffgen über sechs Fälle verhandeln: Die Klagen von Schalke und Werder gegen den CBF, gegen das Internationale Olympische Komitee IOC und das brasilianische Nationale Olympische Komitee.

Alerdings erklärte sich der CAS im Hinblick auf die Klagen für teilweise nicht zuständig. Die Klagen der Bundesligisten gegen das Internationale Olympische Komitee (IOC) und das Nationale Olympische Komitee Brasiliens werde der Cas laut einer Pressemitteilung nicht verhandeln, weil die Olympische Charta auf Profiklubs "nicht direkt anwendbar" sei. Werder und Schalke hatten angeführt, dass die beiden Profis mit ihrer nicht genehmigten Olympia-Reise Vertragsbruch begangen hätten und damit gegen die Olympische Charta verstießen. Die Klage der beiden Clubs gegen den Fußball-Weltverband Fifa liege dem Cas nach eigenen Angaben aber weiterhin vor. Somit können beide Clubs weiterhin auf einem Erfolg vor der letzten Sportgerichtsinstanz und eine Rücksendung ihrer Spieler hoffen.

mig/sid/dpa

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