Streit um Trainingsmethoden Bayern verteidigen Klinsmanns Arbeit

Erst gab es die bittere Niederlage gegen die Türkei, jetzt hagelt es Kritik der Bundesliga-Trainer an Jürgen Klinsmanns Methoden. Doch der Bundestrainer und sein Stab wehren sich. Man wolle nicht vom Kurs abweichen. Dabei erhält Klinsmann Rückendeckung vom FC Bayern.


Hamburg - Nach der 1:2-Niederlage in der Türkei äußerten verschiedene Vereinstrainer ihren Unmut über Klinsmanns Belastungstests, denen sich die Nationalspieler im Vorfeld unterziehen mussten. "Es geht darum, dass es unterschiedliche Auffassungen über die Trainingsmethoden gibt, dass Spieler mit schweren Beinen in die Spiele gehen", sagte Werder Bremens Manager Klaus Allofs.

Bundestrainer Klinsmann: "Werden nicht vom Plan abweichen"
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Bundestrainer Klinsmann: "Werden nicht vom Plan abweichen"

Der ehemalige Nationalspieler berichtete nach seinen Gesprächen mit Kollegen aus anderen Clubs, dass sich die Spieler bei ihren "Vereinstrainern ausheulen" würden. "Das sind keine guten Voraussetzungen. Wir wollen alle die Nationalmannschaft unterstützen. Das heißt aber nicht, dass wir alles mitmachen müssen", sagte Allofs.

Unterstützung findet Allofs unter anderem bei seinem Trainer Thomas Schaaf und Schalke-Coach Ralf Rangnick, die Klinsmann im "kicker" sogar falsches Spiel vorwarfen. "Ich habe Klinsmann gebeten, dass Ernst und Kuranyi regenerieren. Das ist nach meinen Informationen nicht geschehen", kritisierte Rangnick, und Schaaf sagte: "Man muss sich die Frage stellen, ob es sinnvoll ist, dass sich die Spieler nach englischen Wochen Tests unterziehen müssen, die eine zusätzliche Belastung bedeuten."

Herthas Trainer Falko Götz ging sogar noch weiter und warf Klinsmann taktische Schwächen vor: "Was ich in Frage stelle, ist der Zeitpunkt, in der jetzt Sprint- und Laktat-Tests gemacht werden. Meiner Meinung nach wäre es gerade nach den letzten Länderspielen viel wichtiger, mit der Mannschaft im taktischen Bereich zu arbeiten."

Beckenbauer stellt sich hinter Klinsmann

Klinsmann ist bemüht, die Missstimmungen in einem Gespräch auszuräumen: "Natürlich bin ich bereit für ein Treffen mit den Managern. Unsere Tür steht immer offen", sagte Klinsmann der Deutschen Presse-Agentur. Gleichzeitig zeigte sich der 41-Jährige kompromisslos. "Unser Maßstab ist die WM und nicht die nationale Meisterschaft. Eins ist klar: Von diesem Plan bringt uns nichts ab", verteidigt Klinsmann seine neuen Trainingsmethoden.

Dabei erhält er Unterstützung von Bayerns Trainer Felix Magath: "Dass man am Dienstag keine Leistungstests machen kann, wenn man am Samstag ein Spiel hat, wage ich zu bezweifeln", sagte er. Die Fitnesstests können seiner Meinung nach nicht die Ursache für die schwache Leistung in Istanbul gewesen sein.

Bayern-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge betonte in einem "tz"-Interview: "Jeder will Klinsmann helfen, doch echte Hilfe bekommt er nicht. Wir sollten diesem Guru-Verhalten ein Ende setzen und uns in Zurückhaltung üben. Die beste Unterstützung für Klinsmann ist, wenn man ihn in Ruhe arbeiten lässt." Die Einrichtung einer "Task Force" wie nach dem Vorrunden-Aus bei der EM 2000 hält Rummenigge für überflüssig. "Ein Eingreifen ist nicht nötig, denn im Gegensatz zu damals sind die Dinge im Fluss. Wir tun gut daran, Jürgen Klinsmann zu vertrauen."

Auch WM-OK-Chef Franz Beckenbauer forderte die Liga zur Solidarität auf: "Kein Vereinstrainer ist darüber begeistert. Aber sie müssen das ohne Sticheleien und Querschläger gegen Klinsmann akzeptieren. Basta! Es geht hier um ein Fußball-Ereignis, das wir in den nächsten 50 Jahren nicht mehr in Deutschland erleben werden. Da haben Eigeninteressen bis Juni 2006 mal zurückzustehen", so Beckenbauer.



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