Streit um van Bommel Verbandschef wirft Bayern asoziales Verhalten vor

Der Streit zwischen Bayern München und dem niederländischen Fußball-Verband um Mark van Bommel spitzt sich weiter zu und der Umgangston wird rauer. Nach dem "Fall Robben" ist es bereits die zweite Auseinandersetzung zwischen Verein und Verband.

Bayern- und Niederlande-Kapitän van Bommel: Nach Robben zweites Streitobjekt
dpa

Bayern- und Niederlande-Kapitän van Bommel: Nach Robben zweites Streitobjekt


Hamburg - Im Streit zwischen Bayern München und dem niederländischen Fußball-Verband KNVB um Mark van Bommel fliegen die Fetzen. "Es ist asozial, so etwas über die Medien zu spielen", sagte KNVB-Chef Bert van Oostveen nach dem 4:1-Sieg des "Oranje"-Teams gegen Schweden am Dienstagabend in Amsterdam. "Streitobjekt" van Bommel stand im EM-Qualifikationsspiel 72 Minuten auf dem Platz. Stunden zuvor hatten der KNVB und Bondscoach Bert van Marwijk die Rückrufaktion der Bayern abgelehnt und damit den Rekordmeister in Rage gebracht.

Der "Kalte Krieg", wie die Münchner "Abendzeitung" den Krach mit den Holländern betitelte, hat sich zugespitzt. Ohnehin schon gereizt von dem noch ungelösten "Fall Robben" warf Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge dem KNVB in der "Süddeutschen Zeitung" "schlechten Stil" vor. 'Eigentlich hätte ich erwartet, dass man aus holländischer Sicht nach dem unvorstellbaren Vorgang Arjen Robben ganz kleine Brötchen backt und mal die Klappe hält", stimmte Bayern-Präsident Uli Hoeneß beim Radiosender Bayern 3 in die Kritik ein.

Die Furcht, dass nach Arjen Robben und Franck Ribéry ein dritter Leistungsträger ausfällt, und das Misstrauen in die medizinische Abteilung des KNVB hatten den FC Bayern vor dem Spiel der Niederländer zu einem giftigen Schreiben veranlasst. Darin forderte der Rekordmeister die Holländer auf, den angeschlagenen van Bommel unverzüglich nach München zur ärztlichen Behandlung zurückzuschicken.

Es hätte die Gefahr bestanden, dass der 31-jährige Bayern-Kapitän in der Folge für den FCB ausfällt, begründete Rummenigge die letztlich vergebliche Rückrufaktion: "Dabei stehen für uns zwei Wochen an, bei denen viel auf dem Spiel steht". In der "Bild"-Zeitung reagierte der Bayern-Chef verärgert auf die Absage aus Amsterdam: "Das ist eine Entscheidung, die die Herren zu fällen haben. Dementsprechend sind sie jetzt im Risiko und in der Verantwortung".

Bayern haben im "Fall van Bommel" rechtlich keine Chance

Die Niederländer sehen die Sache anders. Trainer van Marwijk sprach von einem "Sturm im Wasserglas" und sagte, es sei schlimm, dass solche Dinge hinter dem Rücken der Spieler ausgetragen werden. Verbands-Chef van Oostveen stellte klar, man habe van Bommel wegen einer Schleimbeutelreizung im Knie durch einen unabhängigen Arzt untersuchen lassen und die von ihm angefertigten Scan-Bilder an die Bayern weitergeleitet. "Wir führen keinen Krieg miteinander. Es ist nicht schön, dass der Fall über die Medien ausgetragen wird," so van Oostveen. Trainer und Verbandschef warfen den Münchnern vor, van Bommel unnötig unter Druck gesetzt zu haben. Der "Oranje"-Spielführer selbst war erleichtert, als er nach 72 Minuten vom Feld durfte: "Man muss ja auch ein bisschen an seinen Arbeitgeber denken."

Dass die Münchner öffentlich van Bommels Rückkehr forderten, habe ihn "nicht erfreut", sagte van Oostveen, "das sieht schon ein wenig wie Schikane aus". Er würde einen Rechtsstreit mit dem FC Bayern nicht fürchten: "Natürlich nicht, ich würde fast sagen: Nur zu!" Im "Fall van Bommel" aber haben die Bayern rechtlich keine Chance, weiß auch Rummenigge, "denn die Fifa-Statuten sind eindeutig."

Die Auseinandersetzung um Robben, der trotz einer Muskelverletzung im Oberschenkel bei der WM in Südafrika auflief und frühestens im Januar wieder spielen kann, wird wohl vor Gericht landen. "Wenn wir bis Monatsende keine gütliche Einigung und faire Lösung haben, werden wir ab November den Klageweg beschreiten", kündigte Rummenigge in der "SZ" an: "Wir haben einen sportlichen Schaden. Uns auch noch den finanziellen Schaden aufzubürden, halte ich für niveau- und stillos". Bayern fordert vom KNVB einen Schadensersatz im höheren siebenstelligen Bereich.

mxr/dpa



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