Stürmerstar Pato "Wenn der Ball kommt, musst du improvisieren"

Von den Großen lernen: Mit gerade einmal 19 Jahren behauptet sich Alexandre Pato im Starensemble des AC Mailand. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE spricht er über einen glückbringenden Armbruch, das Lernen von großen Spielern und das Geheimnis guten Trainings.


SPIEGEL ONLINE: Senhor Rodrigues da Silva, wie muss man sich Ihre Kindheit vorstellen?

Alexandre Pato: Als ich vier war, hat mich mein Vater zum Fußball gebracht. SPIEGEL ONLINE: Gab es physische Schwachpunkte, die Sie überwinden mussten, bevor Sie ein starker Spieler wurden?

Pato: Als ich zehn Jahre alt war, hatte ich einen Tumor in meinem linken Oberarm. Nachdem ich im Haus eines Freundes den Arm gebrochen hatte, wir hatten rumgebalgt, hatte man den Tumor auf dem Röntgenbild entdeckt. Danach bin ich operiert worden. Gott sei Dank habe ich mir damals den Arm gebrochen, denn wenn man es zwei Monate später entdeckt hätte, hätte ich Krebs gehabt. Aber heute ist alles bestens.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind dann nach Porto Alegre gezogen. Warum sind Sie zum SC Internacional und nicht zum bekannteren Gremio gegangen, wo zum Beispiel Ronaldinho spielte?

Pato: Ich war damals elf Jahre alt und Gremio hatte keine Unterkünfte für Jungs in meinem Alter. Meine Familie hatte nicht viel Geld, und Gremio hat mir gesagt: "Du bist noch sehr jung, du kannst jetzt noch nicht kommen". Internacional dagegen sagte: "Hier ist alles, was du brauchst, hier ist eine Familie, du kannst bei uns wohnen, essen." Da sagte ich: "Gut, gehen wir hin und machen einen Versuch." Dann habe ich einige Tests gemacht und übrigens das erste Mal auf einem Spielfeld aus Gras gespielt. Das war alles wunderschön. Deshalb habe ich Internacional gewählt. Ich verdanke allen Personen dort, dass ich heute bei Milan bin.

SPIEGEL ONLINE: Wann ist Ihnen klar geworden, dass Sie eine Karriere in Europa machen können?

Pato: Dass ich ein großer Spieler werden kann, habe ich gemerkt, als ich für Internacional in der A-Mannschaft mein erstes Match gegen Palmeiras gespielt habe. Und als ich mit 16 nach Japan geflogen bin, um 2006 bei der Club-WM zu spielen, bei der ich auch ein Tor geschossen habe. Das waren Momente, da habe ich gesehen, dass ich gut spielen kann und eines Tages auch nach Europa gehen könnte.

SPIEGEL ONLINE: Bei dieser Club-WM haben Sie gegen Ronaldinhos FC Barcelona gespielt. Bei der Gelegenheit haben Sie mit ihm das Trikot getauscht. Haben Sie es noch?

Pato: Ja, ich habe es noch! Das hängt bei mir zu Hause in Brasilien an der Wand.

SPIEGEL ONLINE: Ein Jahr später haben Sie die Club-WM mit Milan gewonnen. Warum haben Sie sich für Milan entschieden? Chelsea, Real Madrid oder Inter Mailand waren auch interessiert.

Pato: Bevor ich hergekommen bin, habe ich Freunde angerufen und einer davon war Emerson. Er sagte mir: "Hier ist es wie in einer Familie, du kannst herkommen, wir sind hier und warten auf dich." Da habe ich Milan gewählt. Und Milan ist wirklich wie eine große Familie und eine großartige Mannschaft mit vielen Champions. Ich bin heute sehr glücklich, dass ich Milan gewählt habe.

SPIEGEL ONLINE: Wer ist nach Paolo Maldini, der seine aktive Laufbahn beendet hat, und Kaká, der zu Real Madrid gegangen ist, die emotionale Führungsperson bei diesem neuen Milan?

Pato: Wir haben ihn gerade gesehen (Massimo Ambrosini ging gerade vorbei, Anm. die Red.). Er ist unser Kapitän und die Führungsperson unser Mannschaft. Emotional gesehen ist da auch noch Rino (Gattuso, Anm. die Red.), der großartig ist, und es gibt Ronaldinho. Wir haben viele Führungsspieler, aber wenn ich einen nennen muss, dann Ambrosini.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind erst 19 Jahre alt und haben bereits mit einigen der ganz Großen im Fußball gespielt. Vom wem haben Sie am meisten gelernt?

Pato: Von mehreren. Kaká ist ein großartiger Champion, der für die Mannschaft spielt, was ich von ihm gelernt habe. Maldini hat mir viel geholfen, auch außerhalb des Spielfeldes. Von ihm habe ich gelernt, dass das Training wie ein Match ist. Man muss so hart trainieren wie man spielt. Von Andrej Schewtschenko habe ich gelernt, wie man sich bewegt.

SPIEGEL ONLINE: Sie tragen Schewtschenkos Rückennummer, die 7.

Pato: Ja, die hatte zuerst er, dann habe ich sie genommen. (lacht). Ich möchte gerne alles das machen, was er für Milan gemacht hat.

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SPIEGEL ONLINE: Was ist wichtiger für einen Stürmer, vor allem für einen brasilianischen: Technik oder Improvisation?

Pato: Technik muss man können, aber wenn der Ball kommt, dann musst du improvisieren, du musst ihn irgendwie ins Tor kicken. Das ist, was ein Stürmer machen muss.

SPIEGEL ONLINE: Wenn Sie einen Mittelstürmer wählen könnten, mit wem würden Sie gern spielen?

Pato: Ein Traum von mir war, mit Ronaldo zu spielen! Ich habe großes Glück gehabt, meine Karriere hat ja erst vor zwei Jahren begonnen und ich habe bei Milan mit Schewtschenko gespielt, mit Inzaghi, Ronaldo, Ronaldinho, Kaká - das macht mich alles sehr glücklich.

SPIEGEL ONLINE: Wer ist derzeit der beste Spieler der Welt? Und wer wird es in fünf Jahren sein?

Pato: Meiner Meinung nach sind es mehrere: Cristiano Ronaldo, Kaká, Lionel Messi, auch Frank Lampard. Das sind welche der wichtigsten Spieler im Fußball von heute. Und in fünf Jahren? Ich will es eines Tages sein, aber bis dahin muss ich noch viel trainieren.

Das Fragen stellte Antje Luz



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