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Massenpanik bei WM-Test: Tumulte in Johannesburg

Foto: Frank Augstein/ AP

Südafrika Viele Verletzte bei Massenpanik vor WM-Testspiel

Chaotische Szenen fünf Tage vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft: Bei einem Testspiel zwischen Nigeria und Nordkorea kam es in einem Stadion in Johannesburg zu einer Massenpanik. Die Polizei hatte die Lage nicht im Griff - es gab mindestens 20 Verletzte.

Hamburg - Beim WM-Testspiel zwischen Nigeria und Nordkorea ist am Sonntag in Johannesburg eine Massenpanik ausgebrochen. Mindestens 20 Personen wurden verletzt, als Fans versuchten, die vom Sicherheitspersonal bereits geschlossenen Tore des Makhulong-Stadions zu durchbrechen. Unter den Verletzten, von denen mehrere in ein Krankenhaus gebracht werden mussten, ist laut Polizeiangaben mindestens ein Kind. Eine Frau musste den Berichten zufolge von einem Beamten wiederbelebt werden.

"Es hat eine Massenpanik vor dem Spiel gegeben. Die Menschen haben gegen die Tore gedrückt, um ins Stadion zu kommen", sagte ein Polizeisprecher. Für das Spiel waren kostenlose Eintrittskarten ausgegeben worden, offensichtlich waren aber auch gefälschte Tickets im Umlauf. Zudem versuchten nach Behördenangaben viele Fans, ohne Karte ins Stadion zu kommen. Ein Polizist erhob Vorwürfe gegen den Fußball-Weltverband Fifa: "Die Fifa hat gewollt, dass der Eintritt gratis ist. Das haben sie nun davon." Ein WM-Sicherheitsdienst war nicht anwesend, weil es ein Freundschaftsspiel war und die Partie nicht unter der Aufsicht der Fifa stand.

Ein Polizist erlitt bei den Tumulten schwere Verletzungen. Er sei "unter einem umfallenden Eingangstor begraben und niedergetrampelt" worden, sagte ein Polizeisprecher. Rund 10.000 Menschen warteten vor der Arena in einem Außenbezirk von Johannesburg und stürmten hinein, als die Tore geöffnet wurden. Die meisten trugen Trikots der nigerianischen Mannschaft. Nach der ersten Welle schloss die Polizei zunächst die Tore. Als sie erneut geöffnet wurden, stürmten die noch wartenden Fans wieder ins Stadion. Erneut gab es Stürze. Offensichtlich hatte die Polizei nicht mit dem großen Interesse der Fans an diesem Spiel gerechnet, das Stadion fasst lediglich 10.000 Zuschauer.

Nigerianische Anhänger niedergetrampelt

Die Sicherheitskräfte reagierten auf den Ansturm und verriegelten die Tore, verschlimmerten aber dadurch die Lage. Augenzeugen berichteten, dass Dutzende nigerianische Anhänger niedergetrampelt wurden, während im Stadion die Nationalhymnen gespielt wurden. In der zweiten Halbzeit wurden erneut die Tore gestürmt.

Einen ähnlichen Zwischenfall hatte es im März 2009 bei einem Qualifikationsspiel für die WM zwischen der Elfenbeinküste und Malawi gegeben, als es in Abidjan ebenfalls zu einer Massenpanik gekommen war, bei der nach Behördenangaben 22 Menschen starben. Damals hatten Tausende Menschen versucht, ohne Eintrittskarten in das ausverkaufte und bereits völlig überfüllte Felix-Houphouet-Boigny-Stadion zu drängen.

Auch im Vorfeld der Weltmeisterschaft wurde immer wieder über den Aspekt Sicherheit in Südafrika diskutiert, zumeist jedoch in Verbindung mit Kriminalität. Polizeiminister Nathi Mthethwa versicherte in diesem Zusammenhang, Südafrika werde während der vier WM-Wochen der "sicherste Ort der Welt" sein. Und Polizeichef Bheki Cele versprach die "besten Sicherheitsmaßnahmen der Welt".

Spiel unterbrochen

In Johannesburg nun wurde das Spiel aufgrund der Tumulte im und ums Stadion beim Stand von 1:0 für Nigeria vorübergehend abgepfiffen. "Die Polizei hat mich gebeten, wegen der Ausschreitungen und Verletzungen zu unterbrechen", sagte der südafrikanische Schiedsrichter Steve Goddard. Nach rund fünfminütiger Unterbrechung in der zweiten Halbzeit pfiff der Referee wieder an.

Das Spiel endete 3:1 für Nigeria. Yakubu Aiyegbeni (15.), Victor Obinna (62., Elfmeter) und Obafemi Martins vom VfL Wolfsburg (88.) trafen für die "Super Eagles". Jong Tae Se (64.) gelang das Tor für Nordkorea, das nach einem Platzverweis für Cha Jong Hyok ab der 82. Minute in Unterzahl spielte.

ham/sid