Südafrikas WM-K.o. Raus mit Tränen und Applaus

Turnier vorbei, Trainer weg: Für Südafrika war das Spiel gegen Frankreich eine doppelte Zäsur. Der Sieg reichte nicht für den Einzug ins Achtelfinale - erstmals in der WM-Geschichte fehlt der Gastgeber in der K.o.-Runde. Trainer Carlos Alberto Parreira trat zudem zurück.
Südafrikas Bongani Khumalo (r.): Zwei Tore waren zu wenig

Südafrikas Bongani Khumalo (r.): Zwei Tore waren zu wenig

Foto: Themba Hadabe/ AP

Hamburg - Carlos Alberto Parreira verabschiedete sich wie sein Team: mit Würde. Kurz nachdem die von ihm trainierte südafrikanische Nationalmannschaft trotz eines 2:1 (2:0)-Erfolges gegen Frankreich aus der WM ausgeschieden war, gab der brasilianische Trainer seinen Rücktritt bekannt. Sein Vertrag wäre ohnehin nur noch bis zum 15. Juli gültig gewesen.

"Nein. Wenn, dann werde ich nur noch Trainer in Brasilien", sagte der 67-Jährige auf die Frage, ob er weitermachen wolle: "Ich denke, das ist eine weise Entscheidung. Wir haben sehr hart gearbeitet." Sein Team habe "das ganze Land stolz gemacht". Vor Südafrika liege ein langer Weg bis zum Afrika-Cup und der WM 2014 in Brasilien.

Parreira hatte Südafrika bereits von 2007 bis April 2008 trainiert, das Amt aber wegen einer schweren Erkrankung seiner Ehefrau niedergelegt. 2009 kehrte er nach Südafrika zurück. "Das war wie eine Heimkehr. Ich habe mich hier immer sehr wohl gefühlt", sagte Parreira. "Ich bin dankbar und stolz, dass ich meine WM-Geschichte mit einem Sieg abschließen konnte", sagte der 67-Jährige. Als Favorit auf seine Nachfolge gilt sein bisheriger Assistent Pitso Mosimane.

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WM-Gruppe A: Debakel für Frankreich, Uruguay und Mexiko jubeln

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Parreiras Team hatte es zuvor verpasst, wie jede andere Gastgebernation zuvor in die K.o.-Runde der WM einzuziehen. Unter den Spielern herrschten Trauer und Wehmut. "Es war mehr möglich. Wir hatten Chancen für mindestens zwei, drei weitere Tore, aber es sollte nicht sein", sagte Torschütze Katlego Mphela, der mit seinen Chancen das Team allein ins Achtelfinale hätte schießen können. Auch Parreira haderte mit der Chancenverwertung seines Teams: "Wenn der Ball beim Stand von 2:0 nicht an den Pfosten gegangen wäre, hätten wir uns qualifiziert." Südafrika hätte noch drei Tore mehr gebraucht, um Mexiko von Platz zwei in Gruppe A zu verdrängen.

Doch in die Enttäuschung mischte sich auch Stolz darüber, sich mit einem Sieg aus dem Turnier verabschiedet zu haben. "Es ist enttäuschend, denn wir haben alles gegeben. Ich denke aber, wir haben heute für den Fußball etwas getan und den Leuten ein schönes Spiel gezeigt", sagte Südafrikas Regisseur Steven Pienaar.

Südafrikas Fans sahen das wohl genauso. Sie feierten ihre Mannschaft noch lange nach Schlusspfiff mit lauten Gesängen und Vuvuzela-Getröte. Staatschef Jacob Zuma gratulierte den Spielern in der Kabine.

Die Sensation zum Greifen nah

Dabei hatte es zunächst so ausgesehen, als sollte das Wunder möglich sein. Bongani Khumalo hatte die Gastgeber in der 20. Minute in Führung gebracht, Mphela in der 37. auf 2:0 erhöht. "Das erste Tor hat uns einen Schub gegeben, ich habe zwischendurch wirklich geglaubt, dass wir es schaffen können. Dieses Spiel wird immer in Erinnerung bleiben", sagte Mphela.

Südafrika wehrte sich tatsächlich mit aller Macht gegen das Ausscheiden. Der Schwung wurde schnell belohnt, als Khumalo nach einer Ecke von Siphiwe Tshabalala zum umjubelten 1:0 einköpfte (20.). Frankreichs Torwart Hugo Lloris hatte den Ball unterlaufen und Abwehrmann Abou Diaby seinen Gegenspieler nahezu unbedrängt hochsteigen lassen. Gegen zehn Franzosen - Yoann Gourcuff hatte die Rote Karte gesehen (25.) - nahm der Druck der Gastgeber weiter zu.

Kurz nach dem 2:0 durch Mphela (37.), der die Verwirrung der französischen Hintermannschaft aus kürzester Distanz nutzte, sprach sich der Führungstreffer für Uruguay im Parallelspiel herum und schürte die Zuversicht weiter. Doch in der 70. Minute zerstörte ein von Florent Malouda abgeschlossener Konter alle südafrikanischen Hoffnungen.

"Es war eine traurige WM für uns"

Bereits ohne große Erwartungen war Frankreich in die Partie gegangen - zu desolat hatte sich das Team in den vorangegangenen Spielen gegen Uruguay und Mexiko präsentiert und vor allem außerhalb des Platzes ein peinliches Bild abgegeben. Die zerstrittene Equipe Tricolore hinterließ zwei Tage nach ihrer Spielerrevolte wegen des Rauswurfs von Nicolas Anelka erneut einen katastrophalen Eindruck. Als siegloses Tabellenschlusslicht der Gruppe A müssen die Franzosen wie schon bei der WM 2002 und der EM 2008 bereits nach der Vorrunde die Heimreise antreten.

So dürfte sich Frankreichs Trainer Raymond Domenech sich sein letztes Spiel auf der französischen Bank anders vorgestellt haben. Bereits vor der WM stand seine Ablösung durch Laurent Blanc, den WM-Helden von 1998, fest. Dies dürfte Domenechs Position gegenüber der aufsässigen Mannschaft nicht gestärkt haben. "Ich bin sehr enttäuscht, es war eine traurige WM für uns", sagte der scheidende Coach.

"Ich wünsche meinem Nachfolger viel Glück. Es gibt eine Zukunft, die Mannschaft hat riesiges Potenzial. Da werden noch einige Spieler nachkommen. Ich habe die Equipe geliebt", sagte Domenech.

Mit Material von sid und dpa