Suizidversuch von Schiedsrichter Rafati "Papa, verzeih mir, was ich getan habe"

Der deutsche Fußball reagiert mit Fassungslosigkeit und Bestürzung auf den Suizidversuch von Babak Rafati. Der Schiedsrichter selbst hat in einem Telefongespräch seinen Vater um Verzeihung gebeten.
Schiedsrichter Rafati: Kollegen wünschen ihm alles Gute

Schiedsrichter Rafati: Kollegen wünschen ihm alles Gute

Foto: dapd

Hamburg - Bundesliga-Schiedsrichter Babak Rafati hat sich offenbar in einem ersten kurzen Telefonat mit seinem Vater Djalal für seinen Suizidversuch entschuldigt. "Er sagte nur: Papa, verzeih mir, was ich getan habe. Ich habe ihm gesagt. Natürlich, du musst dich jetzt erst einmal erholen", berichtete Djalal Rafati dem Kölner "Express".

Warum Rafati diesen Schritt gewählt hat, konnte sich der Vater nicht erklären. Er sei mit seiner Freundin seit vielen Jahren zusammen und glücklich gewesen. Auch von Depressionen oder Burnout habe sein Sohn nie etwas erzählt. Wenn er das getan hätte, hätte er sofort reagiert, sagte Djalal Rafati.

Sein Sohn habe ihm lediglich am Morgen des Spiels erzählt, dass es ihm nicht gut gehe. "Ich habe ihm geantwortet: Dann sag doch das Spiel ab. Er sagte: Ich werde mich nachher wieder melden. Dann hat er wieder aufgelegt", berichtete der Vater des 41-Jährigen. Danach habe es keinen Kontakt mehr gegeben.

Der Schiedsrichter hatte am Samstagmorgen einen Suizidversuch in einem Kölner Hotel unternommen. Inzwischen ist er außer Lebensgefahr.

Nicht nur in der Bundesliga, auch in Babak Rafatis Heimatverein Spvg. Niedersachsen Hannover-Döhren sorgte der Suizidversuch des Schiedsrichters für Fassungslosigkeit. "Ich war tief betroffen, weil ich ihn immer ganz anders eingeschätzt habe", sagte Vorstandschef Herbert Ruppel im "Aktuellen Sportstudio". Rafati sei immer sehr objektiv, sehr neutral und fachlich kompetent gewesen. "Insofern konnte ich mir nicht vorstellen, dass er aus irgendeiner Situation einen solchen Schluss zieht."

Auch der 1. FC Köln zeigte sich "tief bewegt". Dies erklärte Geschäftsführer Claus Horstmann. "Der gesamte 1. FC Köln wünscht Babak Rafati eine rasche Genesung und seinen Angehörigen, Freunden und Kollegen viel Kraft, mit dieser schwierigen Situation umzugehen", teilte der Club am Samstagabend mit. Die Absage der Partie zwischen Köln und dem FSV Mainz 05 war nach Horstmanns Ansicht "unter diesen Umständen die einzig richtige Entscheidung".

DFB-Präsident Theo Zwanziger sagte auf einer eigens einberaumten Pressekonferenz: "Ich denke, die wichtigste Nachricht ist, dass der Gesundheitszustand von Babak Rafati stabil ist. Es ist immer ganz schwierig in einer solchen Situation, daran zu denken, dass ein relativ junger Mensch, er ist 41 Jahre alt, so eine Ausweglosigkeit vor sich sieht."

mib/dpa/sid/dapd
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