Reaktionen auf geplante Super League Liverpools Kapitän Henderson beruft Krisensitzung ein

Die Kapitäne der Premier-League-Klubs treffen sich auf Anregung von Liverpools Kapitän Henderson, um über die geplante Super League zu diskutieren. Ein Gericht in Spanien hat Sanktionen gegen die neue Liga untersagt.
Jordan Henderson im WM-Halbfinale 2018 zwischen England und Kroatien

Jordan Henderson im WM-Halbfinale 2018 zwischen England und Kroatien

Foto: CARL RECINE/ REUTERS

Liverpool-Kapitän Jordan Henderson hat sich eindeutig gegen die neue Super League positioniert, die sein Klub mitbegründet hatte. »Wir mögen es nicht und wir wollen nicht, dass es so kommt«, schrieb der 30 Jahre alte englische Nationalspieler aus der Mannschaft des deutschen Trainers Jürgen Klopp am Dienstagabend bei Twitter. »Das ist unsere gemeinsame Position.« Zahlreiche seiner Kollegen teilten diese Nachricht.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Zuvor war bekannt geworden, dass er eine Krisensitzung mit seinen Kollegen der anderen Premier-League-Klubs einberufen habe. Dies berichten englische Medien. Henderson plant demnach eine gemeinsame Antwort auf die Gründung der europäischen Super League (TSL), zu deren Initiatoren auch die Besitzer des FC Liverpool gehören.

Neben den Reds zählen aus England auch Manchester United, Manchester City sowie die Londoner Klubs FC Arsenal, FC Chelsea und Tottenham Hotspur zu den Mitgliedern der neuen Superliga. Nach Informationen der »Daily Mail« hatten die Spieler von Manchester United am Montag eine Sitzung mit Geschäftsführer Ed Woodward. Darin sollen sie ihren Unmut darüber zum Ausdruck gebracht haben, nicht direkt vom Klub über die Entwicklungen informiert worden zu sein.

Die weiteren 14 Premier-League-Klubs haben die Super-League-Pläne der »Big Six« auf einer Dringlichkeitssitzung am Dienstag verurteilt. »Die Pläne werden einstimmig und scharf abgelehnt«, teilte das Gremium am Nachmittag mit. An der Sitzung hatten auch Vertreter des englischen Verbandes FA teilgenommen.

»Die Premier League prüft alle vorhandenen Mittel, um das Fortschreiten zu unterbinden«, hieß es weiter. In enger Zusammenarbeit mit Fangruppen, der Regierung und der Europäischen Fußball-Union (Uefa) müssten die »Interessen des Spiels« geschützt werden. Die 14 Klubs forderten die sechs englischen Super-League-Mitglieder auf, ihre Zusage zurückzuziehen.

DFB-Präsident Keller fordert hartes Durchgreifen

Auch DFB-Präsident Fritz Keller fordert ein hartes Durchgreifen gegen die Mitglieder der neu gegründeten Super League. »Die Vereine und ihre Nachwuchsmannschaften sollten von allen Wettbewerben ausgeschlossen werden, bis sie wieder an ihre vielen Anhänger denken, die sie erst zu den größten Klubs der Welt gemacht haben – und nicht nur an ihre Geldbeutel«, sagte der 64-Jährige.

Eine geschlossene Super League »sei etwas für Superreiche und Superrücksichtslose«. Dabei sei der Fußball eigentlich »offen und für alle da«, sagte Keller. Das Vorgehen der abtrünnigen Vereine sei daher eine Katastrophe. »Wie tricky und wie schmutzig das gemacht worden ist, dem muss man die Rote Karte zeigen. Es zerstört die ganzen Werte, die wir im Fußball kennen und es zerstört den normalen, richtigen sportlichen Wettbewerb«, sagte Keller der ARD.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hatte sich bereits am Montag in einer gemeinsamen Stellungnahme mit der Deutschen Fußball Liga (DFL) gegen den neuen Elitewettbewerb gestellt.

Champions-League-Medienpartner Amazon gegen Super League

Amazon hat sich als künftiger Medienpartner der Champions League gegen die geplante Super League ausgesprochen. »Amazon versteht und teilt die Bedenken der Fußballfans hinsichtlich einer abtrünnigen Super League«, schrieb der Konzern in einer Stellungnahme. Amazon betonte wie auch zuvor Sky Sports und DAZN, nicht in irgendwelche Pläne der Super League einbezogen gewesen zu sein.

Der Konzern wird mit seinem Streamingdienst Prime Video von der Saison 2021/2022 an für drei Spielzeiten der Champions League das jeweilige Topspiel am Dienstagabend zeigen. Das Livepaket umfasst insgesamt 16 Partien, davon zwei Playoff-Spiele. Prime Video zeigt auch Zusammenfassungen von den anderen Begegnungen.

»Wir konzentrieren uns voll und ganz auf die Unterstützung unserer langfristigen Fußballpartner in Großbritannien und in Europa«, hatte Sky Sports am Montag mitgeteilt. DAZN hatte auf Anfrage mitgeteilt, dass weder der Streamingdienst noch sein Eigentümer Leonard Blavatnik »in irgendeiner Weise an der Aufnahme von Gesprächen über die Gründung einer Super League beteiligt oder interessiert« seien. Nach Angaben von DAZN hatte es auch keine Gespräche gegeben.

Spanisches Gericht untersagt Sanktionen

Ein spanisches Gericht hat sich derweil auf die Seite der umstrittenen Fußball-Superliga geschlagen. Das Handelsgericht Nummer 17 in Madrid habe den internationalen Verbänden Fifa und Uefa sowie den diesen angeschlossenen Organisationen und Ligen jede Sanktion oder andere Maßnahme gegen die zwölf Gründerklubs untersagt, wie spanische Medien unter Berufung auf Justizkreise berichteten. Das Urteil sei auf Antrag des für den neuen Wettbewerb zuständigen Unternehmens European Superleague Company SL gefällt worden, hieß es.

Im »vorsorglichen Urteil« von Richter Manuel Ruiz de Lara, das eine aufschiebende Wirkung bis zu einer Einigung oder einem Urteil einer höheren Instanz hat, werden Sanktionen gegen beteiligte Vereine ausdrücklich verboten. Zudem sei jede Maßnahme untersagt, die die Inbetriebnahme der Super League »direkt oder indirekt verbietet, einschränkt, begrenzt oder in irgendeiner Weise mit Bedingungen verbindet«, zitierten die Zeitung »AS« und andere spanische Medien aus dem Urteil. Das Handelsgericht bestätigte auf Anfrage das Urteil.

Es ist allerdings fraglich, inwieweit Richter Ruiz de Lara mit seinem bemerkenswert schnellen Urteil Einfluss auf die weiteren Vorgänge nehmen kann.

mfu/sid
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.