Super League im Fußball So sehen die Pläne der europäischen Großklubs aus

Die Pläne der zwölf Topklubs zu einer Super League im Fußball richten sich vor allem an die Märkte in Nordamerika und Asien. In Europa dagegen werden wohl auch Gerichtssäle zu den Schauplätzen zählen.
Manchester City bittet offenbar schon um Beistand von oben für die Super League

Manchester City bittet offenbar schon um Beistand von oben für die Super League

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Tim Keeton / dpa

Die Mitteilung kam mitten in der europäischen Nacht in Europa – und das dürfte absolut kein Zufall gewesen sein. Die Ankündigung von zwölf Topklubs aus England, Spanien und Italien, »so bald wie möglich« eine Super League zu gründen, war schließlich weniger an die Adresse des schlafenden Europas, sondern vor allem an die Märkte in Nordamerika und Asien gerichtet, dort, wo es zu dieser Zeit Tag war. Ein klares Signal, worauf die Zwölf ihr Augenmerk richten. Dort soll das große Geld gemacht werden.

Der Vorstoß des Dutzends, in den sozialen Medien schon als »Dreckiges Dutzend« bezeichnet, kann die Statik des europäischen Fußballs verändern, im Grunde haben sie es mit ihrer Ankündigung bereits getan. »Das ganze System gerät ins Wanken«, ist aus dem Umfeld von Borussia Dortmund zu hören. Der BVB gehört wie der FC Bayern zu den Vereinen, die nicht an der Gründung beteiligt waren und auch nicht mitmachen wollen. Noch nicht zumindest.

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Woher kommt das Geld für die Super League?

Eine eigene Website  hat die Gruppe schon, angelegt in fünf Sprachen, Englisch, Spanisch, Italienisch, aber auch Französisch und Deutsch, eine eigene GmbH unter Vorsitz von Real-Präsident Florentino Perez ist gegründet, das Finanzielle soll dann die Zukunft bringen. Mindestens 3,5 Milliarden Euro sollen die zwölf Gründungsvereine für ihren Alleingang bekommen, das schreiben sie in ihrer gemeinsamen Presseerklärung. Mittelfristig rechnen die Klubs aber wohl mit deutlich mehr Einnahmen, die geplante Champions-League-Umstrukturierung der Uefa soll schließlich fünf Milliarden Euro erbringen – und die reicht den Zwölf ja offenbar nicht.

Woher das Geld kommt, welche Investoren hinter dem Projekt stecken, das wurde bislang allerdings nicht öffentlich gemacht. Man darf allerdings davon ausgehen, dass Geldgeber aus den besagten Wachstumsmärkten stammen. Die Bemühungen der Großklubs, vor allem den Markt in Asien zu bespielen, sind kein Geheimnis, in den vergangenen 15 Jahren haben die Vereine aus den Topligen Dependancen in China, Südkorea und Japan eröffnet, haben Werbetouren ihrer Teams dort veranstaltet.

Einen ersten Hinweis auf die Finanzierung der Super League gab es am Montagmittag: Sie wird von der US-Großbank JP Morgan unterstützt. JP Morgan soll demnach die Finanzierung des neuen Wettbewerbs absichern, wurde US-Medien von der Bank bestätigt. Gerüchteweise soll auch aus Saudi-Arabien ein Geldgeber bereitstehen.

Das Kalkül ist nachvollziehbar: Um in Asien und in den USA zu reüssieren, braucht es die großen Namen wie Real Madrid, Manchester United und Juventus Turin. Da braucht es nicht den FC Everton, den FC Sevilla oder Lazio Rom. Es geht um Trikotverkäufe, es geht um TV-Gelder. Da ist ein Zusammenschluss, sozusagen ein »Best of European Football«, schon plausibel. Wen interessiert in Shanghai wirklich eine Partie Leicester City gegen den FC Southampton?

Warum legen sich die Klubs mit der Uefa an?

Dass die Klubs dafür in Kauf nehmen, das bekannte und ja ebenfalls extrem lukrative System des Fußballs in Europa zu gefährden, man kann auch sagen, zu zerschlagen, zeigt, in welchen anderen Dimensionen in diesen Vereinen gedacht wird. Die Gründung ist eine Kampfansage an die Uefa und auch vom Timing genau bedacht. Die Großklubs träumen seit Jahren von der Super League. Wenn die Uefa aber ihre Pläne zur Neustrukturierung der Champions League tatsächlich beschließt und umsetzt, wäre die Super League auf Jahre auf Eis gelegt. Es ist ein Duell zweier Kombattanten um das Modell, das ihnen am meisten Geld bringt. Der Uefa die Rolle des Kämpfers für den Fußball zuzuweisen, wäre daher sicher unangebracht. Auch dem europäischen Verband geht es um maximalen Profit. Bei der DFL sprach man davon, das dies »wie die Schlacht der zwei Türme aus dem Herrn der Ringe« sei, wie ein DFL-Vertreter dem SPIEGEL sagte.

Was sagen die Fans?

Den Widerstand der Fans gegen die Super League nimmt die Uefa gern mit. Der Temperamentsausbruch von United-Idol Gary Neville vor der Sky-Kamera am Sonntag wurde in den sozialen Medien tausendfach geteilt. Neville sprach von »reiner Gier« und einem »kriminellen Akt« der ausscherenden Klubs, und so sehen es auch die Fanverbände.

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Der europäische Fanzusammenschluss Football Supporters Europe, dem auch Fans der betroffenen Vereine angehören, positioniert sich klar gegen die Super League. Im Interview mit dem SPIEGEL sagte ein Sprecher, eine solche Liga würde den europäischen Fußball kaputt machen. Es sei absurd, dass Vereine mit großer Tradition wie der FC Liverpool daran teilnehmen wollen. Laut FSE sei zu befürchten, dass viele Fans ihren Vereinen den Rücken kehren würden, sollte die Super League kommen. Kritisiert wurde zudem, dass das Fehlen einer sportlichen Qualifikation für die Liga »der letzte Nagel im Sarg des europäischen Fußballs sein wird und alles zerstört, was ihn beliebt gemacht hat«.

Auch die EU-Kommission weiß der europäische Verband an seiner Seite. »Wir müssen ein werteorientiertes europäisches Sportmodell verteidigen, das auf Vielfalt und Inklusivität basiert«, twitterte der griechische Kommissions-Vizepräsident Margaritis Schinas. Die Eingriffsmöglichkeiten der Politik waren, was die Handlungen der Fußballverbände angeht, bisher allerdings begrenzt und beschränkten sich weitgehend auf Absichtserklärungen. Es ist kaum zu erwarten, dass dies auch diesmal anders wird.

Die Auseinandersetzung wird sich daher wohl weniger auf der politischen als auf der juristischen Seite bewegen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur AP haben sich die Zwölf bereits mit rechtlichen Schritten gegen Uefa und Fifa beschäftigt, um einen möglichen Ausschluss von Vereinen und Spielern aus internationalen Begegnungen entgegenzuwirken. Ein entsprechendes Schreiben an die Verbände sei bereits vorbereitet.

Die Verbände hatten am Sonntag in ihren ersten Reaktionen mit Sanktionen gedroht, die Fifa deutete an, dass die Super-League-Klubs von allen anderen Wettbewerben ausgeschlossen werden könnten. Inwiefern das juristisch machbar ist oder gegen europäisches Recht verstößt, wird eine der spannenden Fragen sein, wenn es tatsächlich zu der Super League käme. Eine Klagewelle wäre dann kaum zu vermeiden. Eines der Spielfelder der Super League wird der Gerichtssaal werden.

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