Nach Widerstand von Fans, Spielern und Verbänden Super League will »Projekt umgestalten«

Mit den Plänen für eine Super League stand Europas Fußball vor einer Zerreißprobe. Die englischen Klubs wandten sich ab, zuvor hatte auch Premierminister Johnson Druck gemacht. Die Liga will ihre Pläne nun überdenken.
Protest gegen die Super-League-Pläne vor dem Stadion Stamford Bridge in London

Protest gegen die Super-League-Pläne vor dem Stadion Stamford Bridge in London

Foto: ADRIAN DENNIS / AFP

Die geplante Super League im Fußball nimmt nach dem Rückzug aller englischen Klubs Abstand von ihren bisherigen Plänen. »Wir werden die angemessenen Schritte erwägen, um das Projekt umzugestalten«, gab die Liga in der Nacht zu Mittwoch bekannt.

In einem Statement hieß es weiter: »Wir schlagen einen neuen europäischen Wettbewerb vor, weil das bestehende System nicht funktioniert«. Ungeachtet des angekündigten Ausscheidens der Premier-League-Vereine »sind wir überzeugt, dass unser Vorschlag vollständig mit den europäischen Gesetzen und Vorschriften in Einklang steht«, wird darin betont.

Allerdings ist unklar, wer überhaupt noch hinter dem Projekt steht. Der FC Liverpool, Manchester City, Manchester United, der FC Arsenal, Tottenham Hotspur und der FC Chelsea haben ihre Teilnahme angesichts des heftigen Widerstands von Fans, Spielern, Verbänden und Politik bereits zurückgezogen.

Die spanischen Klubs FC Barcelona und Atlético Madrid sollen ebenfalls vor dem Rückzug stehen, berichteten Medien. Auch Inter Mailand hat angeblich kein Interesse mehr an der milliardenschweren Liga. Somit blieben derzeit noch der AC Mailand und Juventus Turin sowie Real Madrid. Damit dürfte das höchst umstrittene Projekt, das den europäischen Klubfußball zu spalten drohte, schon wieder vom Tisch sein.

Zwölf europäische Spitzenklubs hatten in der Nacht zum Montag die Gründung einer milliardenschweren Super League angekündigt. Diese stünde in direkter Konkurrenz zur Champions League der Europäischen Fußball-Union Uefa. Aus der Bundesliga hatte sich kein Klub der Super League angeschlossen. Finanziert werden sollte das Milliardenprojekt durch eine US-Großbank.

Premierminister Johnson befürwortet Entscheidung

In England, der Heimat der Hälfte der zwölf Gründerklubs, befürwortete Premierminister Boris Johnson den Rückzug der englischen Klubs: »Ich begrüße die Ankündigung von gestern Abend. Es ist das richtige Ergebnis für die Fans und Klubs im Land.« Johnson hatte zuvor mit scharfen Sanktionen gedroht. Er kündigte in der »Sun« an, dem »lächerlichen« Milliardenprojekt die Rote Karte zu zeigen.

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Sein Sportminister Oliver Dowden stellte im Parlament drastische Ideen vor, um die »Big Six«, die englischen Spitzenvereine, von einer Teilnahme abzuhalten. Am Mittwoch sagte Dowden, mit dem Rückzug sei es jedoch nicht getan. »Es ist wichtig, dass wir das nicht als das Ende eines Prozesses sehen«, sagte Dowden dem Sender Sky News. »Was deutlich wird, ist mehr denn je die Notwendigkeit einer breiteren Steuerung (wider governnance) des Fußballs.«

Sogar Prinz William – Präsident des nationalen Verbandes FA – hatte sich eingemischt.

Auch nationale Verbände und viele andere Klubs kritisierten die Pläne massiv. Die Uefa um ihren Präsidenten Aleksander Ceferin hatte die Initiatoren der Super League scharf attackiert und mit harten Sanktionen gedroht. Die Klubs sollten aus der Champions League ausgeschlossen werden, ihren Nationalspielern drohte eine Sperre für die Europameisterschaft im Sommer. Dem europäischen Klubfußball drohte eine Schlammschlacht vor Gericht, möglicherweise schon vor dem Halbfinale der aktuellen Champions-League-Saison Anfang Mai.

cop/dpa/sid