Supercup-Niederlage gegen Dortmund Die Kritik der Bayern an sich selbst

War ja nur ein Vorbereitungsspiel... oder? Kimmichs rotwürdiges Foul, seine absurde Rechtfertigung und Lewandowskis erneute Kaderkritik zeigen, wie groß die Anspannung in München nach der Niederlage gegen den BVB ist.

Bayerns Thomas Müller (links) redet gestikulierend auf Joshua Kimmich ein
Marius Becker / DPA

Bayerns Thomas Müller (links) redet gestikulierend auf Joshua Kimmich ein

Aus Dortmund berichtet


Niko Kovac wollte nach der Niederlage im Supercup seine These untermauern, dass es "immer schwierig ist, in Dortmund zu gewinnen". Der BVB, so der Trainer des FC Bayern, habe in der vergangenen Bundesligasaison "kein Spiel zu Hause verloren".

Er merkte schnell, dass ihm da vermutlich ein kleiner Fehler unterlaufen ist. Lucien Favre schüttelte nämlich leicht den Kopf und lächelte verschmitzt. Als Kovac bemerkte, dass er Dortmunds verheerende Derbyniederlage gegen den FC Schalke 04 im Meisterschaftsrennen vergessen hatte, musste auch er lächeln: "Ich mache mal lieber schnell weiter." Eine absichtliche Unterschlagung, um den Konkurrenten subtil zu ärgern, darf ausgeschlossen werden.

Im Fall eines anderen Bayern muss jedoch Absicht unterstellt werden.

Joshua Kimmich behauptete zwar, dass es "ganz sicher keine Absicht" gewesen sei, Jadon Sancho auf den Knöchel zu treten, die Begründung klang nach Ansicht der Fernsehbilder jedoch absurd. "Ich habe versucht, den Ball schnell mit der Sohle zurückzuholen", sagte Kimmich zu der Szene im Seitenaus, der Dortmunder habe dann sein Bein vor den Ball gestellt.

Warum der Videoassistent den Tritt auf eine Tätlichkeit prüfte und zu dem Ergebnis kam, die Gelbe Karte sei ausreichend gewesen, blieb ein Rätsel. Kimmich kam um eine Rote Karte und eine Sperre herum. In diesen Wochen wäre das schon aus Quantitätsgründen ein Problem geworden.

Lewandowski meckert - mal wieder

Den Bayern war schon vor dem Spiel in Dortmund klar, dass ihr Kader schmal besetzt ist. Der Supercup zeigte nochmal auf, dass der Meister weiterhin eine Topelf aufstellen kann, es dahinter aber eng wird. Robert Lewandowski hatte schon während der Reise in die USA Mitte Juli Neuverpflichtungen gefordert: "Ich muss ehrlich sagen, dass es momentan nicht optimal ist, dass wir so wenig Profispieler im Kader haben. Das weiß jeder."

Gut drei Wochen später in Dortmund wandte sich der Stürmer wieder über die Medien an die Verantwortlichen. "Meine Meinung bleibt gleich. Wir brauchen neue Spieler, die uns sofort Impulse geben", sagte Lewandowski. In einer Phase, in der sich die Bayern vor allem wegen der fortlaufenden Berichte über den möglichen Transfer von Leroy Sané Zurückhaltung auferlegt haben, verwunderte die Ansage.

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Dortmunds Supercuptriumph: Die Sancho-Show

Lewandowski war angefressen wegen der Niederlage bei seinem ehemaligen Verein. Anders als Kovac, der ein "solides, aber kein gutes Spiel" seiner Mannschaft gesehen hatte und schonend Mängel aufzeigte, klagte Lewandowski: "Ich hoffe, dass solche Fehler wie heute nicht mehr passieren."

Kimmich sprach von einem "Fehler-Festival" und polterte: "Es ist ein Muster, wie wir hier in Dortmund unsere Gegentore bekommen. Das ist ein Stück weit naiv, fehlende Konzentration, fehlende Qualität auch."

Blanke Nerven und Fehlpässe

Die Bayern hatten angekündigt, den Supercup sehr ernst nehmen zu wollen. Mit ihrer schonungslosen Kritik nach dem 0:2 untermauerten sie dies.

Bezogen auf das Spiel klang das ein bisschen übertrieben, denn das Duell der beiden sich bekennenden Meisterschaftsanwärter war trotz des großen Rahmens, des Pokals und des Konfettiregens eben auch noch ein Vorbereitungsspiel. Es fehlte beiden Mannschaften vor allem an Präzision im Passspiel, sodass die Partie nur über ein mäßiges Niveau hinauskam.

Die Verpflichtung von Leroy Sané allein würde Bayerns Probleme sicher nicht beheben. Kingsley Coman gehörte in Dortmund auf dem linken Flügel zu den besseren Münchnern. Käme der deutsche Nationalspieler von Manchester City, wäre die Position allerdings doppelt mit Extraklasse besetzt.

Dass die Dortmunder ihrem Rivalen in diesem Punkt voraus sind, zeigte sich bei der Siegerehrung. Dort gesellten sich zu einem Mario Götze, der gar nicht eingewechselt worden war, drei Spieler in ziviler Kleidung: Julian Brandt, Thorgan Hazard und Mats Hummels. Die drei Neuzugänge fehlten zuvor zwar angeschlagen. Aber es sind drei Neuzugänge, allesamt Nationalspieler - dazu mit Nico Schulz noch einer in der Startelf. Ein bisschen neidisch dürfte Robert Lewandowski da gewesen sein.



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Seite 1
jujo 04.08.2019
1. ....
FCB, Jammern auf höchstem Niveau. Wäre ganz gut wenn es eine Saison mal nicht zur Meisterschaft reicht. Ein wenig Erdung ist vielleicht hilfreich.
ge1234 04.08.2019
2. Nun ja....
... wie gehabt, gewinnt er (Kovac), lässt er sich feiern, verliert er, zeigt er mit dem Finger auf die Mannschaft. Auch wenn der Supercup eher unter die Kategorie Testspiel fällt, war wieder mal keine klare Spielidee erkennbar. Immer nur der gleiche Stiefel wie letztes Jahr, der runter gespielt wird: Ball auf die Außen, die zur Grundlinie und dann Flanke nach innen. Ein Plan B oder gar C ist nicht vorhanden! Dagegen war selbst Ancelotti noch ein Taktikgenie!
Stoepse 04.08.2019
3. Die Langweiler
Es wurde Ballhalten im Mittelfeld ausgeübt und dabei vergessen, wo das gegnerische Tor steht. Es wurde mehr Richtung eigenes Tor gespielt. Neuer musste mehr Bälle der eigenen Spieler aufhalten als die von den Spielern des Ballspielverein Borussia 09 e. V. Eine weitere Erkenntnis: Lewandoski ersetzt Robben auf der rechten Seite. Der spielt nicht mehr als Mittelstürmer. Und so kommen dann auch keine Tore. Leider hat die tolle Kontermannschaft BVB sich diesem Ball- und Verantwortungsweggeschiebe angeschlossen und waren dann bei ihren Kontern nicht konzentriert genug.
Papazaca 04.08.2019
4. Die Gesichter der Bayern nach dem Spiel: Ratlos
Die Gesichter der Bayern nach dem Spiel sagten mehr ,als jeder Kommentar. Ihnen wurde klar, das es jede Menge Baustellen gibt, ohne daran zu denken, was wäre, wenn ... Wenn der BVB zum Beispiel mit allen Neuen aufgelaufen wäre? Schon so ist klar, das die Bayern mit Problemen in die Saison gehen: Kadergrösse, die Sane-Story wird nicht allen gefallen, kann man Robery voll ersetzen, was ist mit den Neuen in der Abwehr, Pavard und Hernandez? Was ist, wenn Lewa ausfällt? Wird Neuer wieder zum alten Neuer. usw, usw. Die Wahrheit ist, keiner weiß, wie sich das alles entwickelt. Aber es wird sicher kein Durchmarsch der Bayern. Dafür gibt es zu viele Baustellen.
Hank Hill 04.08.2019
5. Dortmund war besser
und hat verdient gewonnen. Für den gemeinen Bayern Fan ist das unerträglich. Das kann nicht mit rechten Dingen zugegangen sein. Spieler wie Kimmich sind das Allerletzte. Außerhalb des Feldes einen Spieler treten, dazu muß man schon einen miesen Charakter haben. Und dann nur gelb. Bayern Bonus schon vor Beginn der Saison ?
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