Supercup-Finale Austragungsort Dschidda sorgt in Italien für Empörung

Ein Supercup-Finale in Saudi-Arabien - dem Land, das wegen der Verletzung der Menschenrechte in der Kritik steht? Die italienische Liga macht das trotzdem und kann die Aufregung darüber gar nicht nachvollziehen.

Juve-Star Cristiano Ronaldo
GIORGIO BENVENUTI/EPA-EFE/REX

Juve-Star Cristiano Ronaldo


Das Finale des internationalen Supercups Juventus Turin gegen den AC Mailand hat im Land heftige Diskussionen ausgelöst - schuld daran ist der Austragungsort: Dschidda in Saudi-Arabien.

In dem Königreich werden grundlegende Menschenrechte missachtet - und die Liga verkauft die Partie am Mittwoch zwischen dem amtierenden Meister und Pokalsieger Juve gegen den Rivalen Milan, Verlierer des Pokalfinals, für sieben Millionen Euro an die Scheichs.

"Dass ein italienischer Supercup in einem islamischen Land ausgetragen wird, in dem Frauen keinen Zugang zum Stadion haben, wenn sie nicht von Männern begleitet werden, ist abscheulich", sagte Innenminister Matteo Salvini von der rechtspopulistischen Partei Lega. Der Milan-Fan "werde dieses Match nicht verfolgen". Andere Politiker forderten gar die Absage der Partie, Fans rufen in den sozialen Netzwerken zum TV-Boykott auf - das Spiel wird bei RAI live übertragen.

Frauen nur im Familienblock

Die Serie A erntete noch einmal massiv Kritik, nachdem sie bekannt gab, dass Frauen nicht überall in dem König-Abdullah-Stadion sitzen dürfen - sie hätten durch den Erwerb einer Eintrittskarte nur Zugang in den "Familien"-Bereichen. Serie-A-Boss Gaetano Micciche kann die ganze Aufregung allerdings nicht nachvollziehen.

"Weibliche Zuschauer können ohne männliche Begleitung kommen, allerdings sitzen sie in einem getrennten Tribünenbereich", sagte Micciche und feierte dies als Erfolg: "Bis vor einem Jahr waren sie von allen sportlichen Events ausgeschlossen." Die Liga setzte sich bei den Herrschern zudem dafür ein, dass "Frauen bei den nächsten Spielen, die wir im Land austragen werden, Zugang zu allen Stadionsektoren haben werden." Der abgeschlossene Deal hat eine Laufzeit über drei Jahre. Zudem wies Micciche daraufhin, dass ja auch die Regierung enge Beziehungen nach Riad pflege, das Land sei ein wichtiger Handelspartner.

Während DFL-Chef Christian Seifert zuletzt Punktspiele außerhalb Deutschlands ausgeschlossen hat, findet Italiens Finale im Supercup nun bereits zum zehnten Mal im Ausland statt und wurde bereits in Ländern wie Libyen, Katar oder China gespielt. Doch noch nie war die Aufregung so groß wie diesmal, zumal die Ermordung des Saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi zuletzt für Aufsehen sorgte.

aha/sid



insgesamt 7 Beiträge
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m.klagge 15.01.2019
1. Warum wollen wenigstens die etwas intelligenteren Leute
nicht verstehen, dass Profi-Sport nicht anderes als jede andere wirtschaftliche Tätigkeit zu betrachten ist? Mal abgesehen von von der unübersehbaren Verwandtschaft mit Prostitution und Sklaverei, versteht sich.
r_dawkins 15.01.2019
2. Frauen im Stadion
Dann können natürlich alle weiblcihen Fans zuhause bleiben, denn ins Stadion dürfen sie ja wohl nicht, oder?
milhouse_van_h. 15.01.2019
3.
@m klagge: und damit wird dann alles entschuldigt? Geld verdienen, egal wo und mit wem? @r_dawkins: Du scheinst den Artikel nicht gelesen zu haben ...
hummelmann 15.01.2019
4. Ausgeblendete Themen
Neben den üblichen Themen wie bedingungsloser Kapitalisierung des Fußballs oder der desaströsen Stellung von Frauen in Saudi Arabien wundert es mich, dass gerade in Italien das Thema Christentum in Saudie Arabien nicht ebenfalls kritisch begleitet wird. Wie würde es zum Beispiel wirken, wenn sich Spieler nach dem Torerfolg oder vor Spielbeginn bekreuzigen? Nach meiner Erkenntnis ist das Ausüben der christlichen Religion oder das Tragen christlicher Symbole eher schwierig. Reisen die Fußballer dann nicht mit, sondern in ihren Koffer zurück gen Italien?
timdreher1978 15.01.2019
5. Ja, damit entschuldigt der Neoliberalismus
Zitat von milhouse_van_h.@m klagge: und damit wird dann alles entschuldigt? Geld verdienen, egal wo und mit wem? @r_dawkins: Du scheinst den Artikel nicht gelesen zu haben ...
alles und brandmarkt ethische Gesichtspunkte als "Ideologie" oder "Naivität".
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