Wehens Protest nach aberkanntem Tor Wann darf der Video-Assistent noch eingreifen?

Der Videobeweis sorgt für viele Diskussionen. Nun geht der Zweitligist Wehen Wiesbaden gegen eine Niederlage vor, weil der VAR bei einem Tor des Klubs gar nicht hätte eingreifen dürfen.

Schiedsrichter Martin Petersen wehrt sich gegen die Kritik der Wehen-Spieler
Robert Michael/ DPA

Schiedsrichter Martin Petersen wehrt sich gegen die Kritik der Wehen-Spieler


Der SV Wehen Wiesbaden sieht sich um einen möglichen Erfolg in der 2. Fußball-Bundesliga gebracht und legt beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) Protest gegen die Wertung der 0:1-Niederlage bei Dynamo Dresden ein. Dies bestätigten ein Sprecher des Zweitliga-Aufsteigers und der DFB. Wehen hatte die Partie am Freitag nach einem Treffer des Schweden Alexander Jeremejeff (41. Minute) verloren - und auch wegen eines kuriosen Videobeweises.

In der 26. Minute hatten die Wiesbadener nach einem vermeintlichen Tor von Manuel Schäffler gejubelt und Schiedsrichter Martin Petersen hatte den Treffer zunächst auch anerkannt. Doch dann griff der Videoassistent Florian Heft ein und wies Petersen darauf hin, dass der Ball etwa zehn Sekunden zuvor auf der anderen Seite von Jeremejeff aus dem Toraus geflankt wurde und das Spiel deshalb hätte unterbrochen werden müssen. Petersen folgte dieser Sichtweise, nahm das Tor zurück und entschied auf Abstoß für Wehen.

Wiesbaden begründet den Einspruch damit, dass die Rücknahme des Tors durch den VAR-Eingriff regelwidrig erfolgt sei. Diese Entscheidung habe mit hoher Wahrscheinlichkeit den Ausgang des Spiels beeinflusst - was wiederum schwer zu beweisen sein wird. Der SVWW hat laut DFB noch Zeit, seinen Einspruch detailliert auszuführen. Das zuständige DFB-Sportgericht werde dann zu gegebener Zeit über den weiteren Fortgang des Verfahrens entscheiden, teilte der Verband mit.

Wann startet eine Angriffsphase?

Entscheidend für die Argumentation des Zweitligisten dürfte sein, dass der VAR laut Regeln des International Football Association Board (IFAB) nur eingreifen soll, wenn sich der Ball während einer Angriffsphase im Aus befunden hat. In diesem Fall befand sich Dynamo in einer Angriffssituation, allerdings eroberte Wehen direkt im Anschluss an Jeremejeffs Hereingabe den Ball - und spielte sich in kürzester Zeit vor das Dresdner Tor, wo Schäffler erfolgreich abschloss.

Für Wehens Trainer Rüdiger Rehm wird der Fußball "unnötig zerstört"
Robert Michael/ DPA

Für Wehens Trainer Rüdiger Rehm wird der Fußball "unnötig zerstört"

Selbst wenn der DFB der Wiesbadener Argumentation - ein Angriff beginnt frühestens mit der Balleroberung - folgen sollte, dürfte der Protest kaum Chancen auf Erfolg haben. Laut IFAB-Protokoll kann ein Spielausgang nicht für ungültig erklärt werden, wenn der VAR eine falsche Entscheidung getroffen hat, "da der VAR ein Spieloffizieller ist". Letztlich gilt der Schutz der Tatsachenentscheidung auch für Videoassistenten.

Für Wiesbadens Trainer Rüdiger Rehm ist das unerheblich. "Ein Fußballspiel wird völlig unnötig zerstört", hatte Rehm nach dem Spiel gesagt. "Wir haben richtig gute Schiedsrichter, aber die werden kaputtgemacht dadurch, dass immer wieder eingegriffen und von irgendwoher irgendwas gesehen wird, was 25.000 im Stadion nicht gesehen haben."

Wehen steht nach der Niederlage in Dresden mit zehn Punkten auf dem letzten Tabellenplatz der Zweiten Liga. Für Dynamo war es ein wichtiger Sieg, mit zwölf Punkten ist der Traditionsklub in der Tabelle direkt vor Wiesbaden platziert.

krä/dpa



insgesamt 34 Beiträge
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Seite 1
n.strohm 11.11.2019
1.
Schafft den VAR ab. Der verunsichert nur den Schiedsrichter und erhöht letztendlich auch nicht die Transparenz, weil auch er - ob nun mit oder ohne Zeitlupe - anscheinend auch nur ein Mensch ist, dessen Objektivität von den eigenen Neigungen abhängt und der "wohlbehütet" im Kölner Keller sitzt und sich dem direkten Feedback der Zuschauer nicht aussetzen muss. Letztendlich sollte gerade mein letztes Argument eigentlich für den VAR (irgendwo weit weg vom Stadion) sprechen..... merkwürdigerweise führt es jedoch nicht zu einer gerechteren Beurteilung; jedenfalls kann und möchte ich mir nicht vorstellen, dass es ohne VAR noch mehr Fehlurteile gegeben hätte. Und Emotionen sind nun mehr drin als vorher. Für mich ganz klar : Lieber akzeptiere ich ein Fehlurteil von jemanden ohne Zeitlupe als von Einem der zurück- und vor spulen kann. Ändert die VAR Regel, z.B. gibt jedem Trainer die Möglichkeit 1mal pro Halbzeit einen Videobeweis anzufordern, den sich beide Trainer zusammen mit dem Schiedsrichter anschauen dürfen und bei dem der Schiedsrichter seine Regelauslegung den Trainer direkt mitteilt und dann entscheidet. Zu mehr Chaos als jetzt kann das auch nicht führen, zu mal man heute schon minutenlang auf eine Entscheidung wartet
Ryker 11.11.2019
2. Tatsachenentscheidung
War das eine Tatsachenentscheidung? Ob der Ball aus war oder nicht, das ist eine. Aber das Einschreiten des VAR war eine Regelverletzung, zumindest nach Ansicht der Wiesbadener. Wenn der Schiedsrichter einen Elfmeter gibt, weil er (fälschlich) meint, es lag ein Handspiel vor: Tatsachenentscheidung, Pech gehabt. Aber wenn der Schiedsrichter Elfmeter gibt, weil er (fälschlich) glaubt, der Torwart dürfe die Hände nicht benutzen: Regelverletzung durch den Schiedsrichter, Grund für einen Einspruch. Wahrscheinlich wird der DFB nix machen, aber ganz so simpel sehe ich die Sache hier nicht.
Kurtineitis 11.11.2019
3.
Seit wann ist Fußball ein gerechtes Spiel? Und daran ändert sich auch nichts mit dem VAR. Außer der Wahrscheinlichkeit das die Person des Schiedsrichters auf dem Feld mehr und mehr an Autorität verlieren wird weil er/sie nun nicht mehr die letzte Instanz ist sondern von außen her gesteuert werden kann. Die Emotionen im Stadion oder auch selbst vor dem TV werden verloren gehen weil nach fast jedem Tor noch geprüpft wird ob sich der Schnürsenkel am Fußballschuh des Angreifers im Abseits befand oder nicht.
vliege 11.11.2019
4. Emtweder richtig oder gar nicht.
Man sieht heutzutage keine klare Linie bei vielen Schiedsrichtern im Zusammenspiel mit dem VAR .Das Hertha - Leipzig Spiel am Wochenende war ein typisches Beispiel. Die Hand im Strafraumsituation für Leipzig wurde sich per Video vom Schiri nochmals angeschaut und auf Elfmeter entschieden. Im Gegenzug das Foul im Strafraum vom Leipziger Verteidiger samt blutiger Nase für den Herthaner, dazu noch Hand Spiel, wurde trotz Hinweis vom VAR dagegen komplett vom Schiri ignoriert. Solche Situationen sind Spiel entscheidend.
Bibs1980 11.11.2019
5. VAR = teurer Mist
Ich lehne den VAR grundsätzlich ab. Fußball lebt von den Entscheidungen des Schiedsrichters - und auch von dessen Fehlentscheidungen. Das Spiel braucht keine weitere (ebenfalls fehleranfällige) Schiedrichter-Instanz, die aktiv oder passiv ins Spiel eingreift! Weg mit dem VAR!
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