Taktik-Vorschau Juve vs. Bayern Krieg der Pärchen

Juve-Trainer Antonio Conte erwartet ein "Höllenspektakel", Stürmer Mirko Vucinic einen "Krieg": Vor dem Viertelfinal-Rückspiel der Champions League setzt Turin auf markige Worte. Um gegen Bayern die Sensation zu schaffen, müssen die Italiener mehr tun - und ihre einzige Chance nutzen.

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Hamburg - "Der FC Bayern ist eine Supermacht", sagte Antonio Conte unmittelbar nach dem 0:2 in München. Er klang dabei resigniert. Mittlerweile stimmt Conte andere Töne an. Von seiner Mannschaft erwartet er im Rückspiel (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) ein "Höllenspektakel", wie er nach dem 2:1-Sieg über Pescara in der Serie A sagte. Doppeltorschütze Vucinic sprach gar eine "Kriegserklärung" aus.

Weder Verlauf noch Ausgang der Partie lassen sich weissagen, und natürlich bleibt Bayern deutlicher Favorit, der normalerweise ins Halbfinale einzieht. Jedoch wartet eine schwierigere Aufgabe, als das 2:0 aus dem Hinspiel erahnen lässt. Juventus wird anders auftreten als in München, nicht nur aufgrund martialischer Kampfansagen. Das taktische Mittel, das den Bayern die größten Probleme bereiten könnte, heißt Angriffspressing.

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Juve-Taktik gegen Bayern: Alles auf Angriffspressing
Blick zurück auf das Hinspiel. Die 26. Minute war gerade angebrochen, als sich Juves Stürmer Fabio Quagliarella zu seinen Mitspielern gewendet hatte. Er breitete die Arme aus, zuckte mit den Schultern in einer Geste der Hilflosigkeit. Zuvor waren Quagliarella und sein Sturmpartner Alessandro Matri auf Bayerns Abwehrspieler zugestürmt und hatten Daniel van Buyten und Dante nacheinander unter Druck gesetzt, so zu Querpässen gezwungen. Weil Turins Mittelfeldspieler aber nicht mit aufgerückt waren, konnte sich Bastian Schweinsteiger unbewacht für einen Pass freilaufen, um dann gezielt einen Angriff einzuleiten. Quagliarellas Attacke ging ins Leere.

Nun, im Rückspiel, wird Juventus zu erhöhten Risiken gezwungen. Sollte Turin nicht nur anständig ausscheiden, sondern die geringe Chance auf das Weiterkommen suchen wollen, wird jenes Angriffspressing, das in München so gar nicht funktioniert hatte, besonders wichtig.

Macht ein Spieler nicht mit, zerbricht das Gefüge

Hierbei laufen die Turiner ihre Gegenspieler schon in Strafraumnähe in hohem Tempo an, erzwingen so Fehler. Entscheidend ist, dass nicht einige Akteure pressen, während andere in tiefen Positionen verharren. Es gilt, die Abstände untereinander kurz zu halten, im Verbund vorzupreschen. Macht einer für einen Augenblick nicht richtig mit, droht das ganze Gefüge zu zerbrechen, es ergeben sich Anspielstationen für die Bayern. Mit dieser Spielweise sind also auch Risiko und konditionelle wie mentale Anforderungen verbunden. Und doch ist sie Juves einzige Chance.

Turins System passt für die Taktik ideal. Mit ihrem 3-5-2 könnten die Turiner den Spielaufbau der Bayern komplett lahmlegen - vorausgesetzt, sie interpretieren es extrem offensiv. Dann spiegelt die Formation zu weiten Teilen die der Bayern:

  • Die beiden Stürmer kümmern sich um die Innenverteidigung. Einer läuft den ballführenden Münchner scharf an, der andere stellt sich zwischen die Verteidiger, isoliert sie voneinander, stets darauf lauernd, selbst zu stürmen.
  • Turins zentrale Mittelfeldspieler orientieren sich an denen des Gegners: Die Achter, Claudio Marchisio und Paul Pogba (oder ein anderer Vidal-Vertreter), bewachen Bayerns Sechser, Javi Martínez und Bastian Schweinsteiger. Diese anzuspielen, wird dadurch gefährlich.
  • Andrea Pirlo dreht den Spieß um, nimmt Thomas Müller in eine lose Manndeckung, statt selbst gedeckt zu werden.
  • Juves Flügelspieler rücken gerade so weit auf, dass sie Bayerns Außenverteidiger bei der Ballannahme stören können, ohne gleichzeitig die Münchner Flügelspieler frei zu lassen.

Somit entstehen überall in Bayerns Spielhälfte Pärchen, die sich bekriegen. Mit dem Ziel, entweder Befreiungsschläge zu erzwingen oder Bälle direkt zu erobern. Sollte Juve tatsächlich derart spielen, ergeben sich aus Bayern-Sicht verschiedene Möglichkeiten zu reagieren. Entweder sie lösen sich spielerisch aus Turins Klammergriff. Etwa dadurch, dass Offensivspieler die Defensive entlasten. So geschehen im Hinspiel, als Schweinsteiger neben seine Innenverteidiger abkippte und Franck Ribéry ins Mittelfeldzentrum auswich, um als Anspieloption zu dienen. Die Variante birgt Gefahren für beide Seiten: Verliert ein Münchner den Ball, hat Juve es nicht weit bis zum Tor. Gelingt die Kombination, eröffnen sich große Freiräume jenseits des italienischen Pressing-Walls.

Oder Bayern befreit sich mit langen Bällen. Was nicht schön aussieht, minimiert das Risiko gefährlicher Ballverluste. Das Gewinnen zweiter Bälle wäre dann ein wesentlicher Faktor. So kann das Spielgeschehen in die Turiner Spielhälfte verlagert werden. Dort zieht Bayern die eigenen Stärken im (Gegen-)Pressing auf.

Auch die "Gunners" liefen im Achtelfinal-Rückspiel gegen Bayern einem deutlichen Rückstand hinterher. Arsenals Ansatz: Frühes und vor allem geschlossenes Pressing. Das Resultat war die schnelle Führung. Bayern war insgesamt aber zu stark für Arsenal, das sein Pressing nicht aufrechterhalten konnte, sich zurückzog. Was aber, wenn es Juve gelingen sollte? Dann droht Bayern eines der anspruchsvollsten Spiele dieser Saison.

insgesamt 13 Beiträge
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Nonvaio01 10.04.2013
1. bin gespannt
wird bestimmt ein gutes und spannendes spiel. Waehre doch gut wenn 2 Spanische und 2 Deutsche Teams im HF sind. Das wuerde auch die momentane spitze im Eu Fussball wiederspiegeln.
panzerknacker51, 10.04.2013
2. Theoriegequatsche
Zitat von sysopGetty ImagesJuve-Trainer Antonio Conte erwartet ein "Höllenspektakel", Stürmer Mirko Vucinic einen "Krieg": Vor dem Viertelfinal-Rückspiel der Champions League setzt Turin auf markige Worte. Um gegen Bayern die Sensation zu schaffen, müssen die Italiener mehr tun - und ihre einzige Chance nutzen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/taktik-vorschau-juventus-turin-bayern-muenchen-champions-league-a-893372.html
Halten wir es doch mit Beckenbauer: "Schaun mer mal, dann seh'n mer scho." ... und vor allen Dingen: "Gehts naus und spuilts Fußball". ;-)
exeblue 10.04.2013
3. Auf geht's
Bin ja wirklich kein Freund der Bayern, aber bei dem Gegner und dem Spiel gestern, darf man mal auch gönnen können. Also auf, schenkt den Turinern gleich eins ein. Vier Tore machen die nicht! Treffpunkt Wembley, Gruß aus Dortmund.
WhereIsMyMoney 10.04.2013
4.
Dieses Duell war nach 30 Sekunden entschieden. Man wusste dass Juve keine Chance gegen Bayern hat, wenn sie ein "ehrliches" Spiel spielen müssen. Conte nannte das "protagonistisch", Juve kann gegen Bayern nicht als Protagonist auftreten und hoffen zu gewinnen. Juve war eben gefährlich weil sie geschickt verteidigen und ein Missgeschick des Gegners gnadenlos nutzen. Doch nach dem Führungstor der Bayern war alles gelaufen. Und jetzt muss Juve gar mindestens 2 Tore schiessen. Unmöglich! Bayern wird dieses Spiel wohl ernst nehmen und auch 3-1 gewinnen. Robben könnte heute eine gute Partie machen, im Kontern ist er sehr stark.
Schotty 10.04.2013
5. da soll sich mal niemand zu früh freuen
Wie der Kommentator schon richtig schreibt, lässt sich der Verlauf des Spiels nicht vorhersagen. Umso erstaunlicher finde ich, wie er und auch andere Kommentatoren schon wie selbstverständlich davon ausgehen, dass Bayern weiterkommt. Ein 2:0 aus dem Heimspiel ist o.k., aber alles andere als sicher.
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