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05. April 2011, 07:21 Uhr

Talente in der Bundesliga

Die wollen doch nur spielen

Von Gereon Detmer

Sie sind jung, ambitioniert und dribbeln ihre Gegner schwindelig: Immer mehr junge Talente schaffen in der Bundesliga den Sprung in die Stammelf - und auch ins DFB-Team. Ein Überblick über die größten Hoffnungsträger im deutschen Spitzenfußball.

Mario Götze gönnte den Spielern von Hannover 96 zwei Minuten. Zwei Minuten, in denen sich die Niedersachsen über den Führungstreffer gegen die Borussia freuen durften. Dann schnappte sich der Dortmunder Götze im Mittelfeld den Ball, ließ vier Gegenspieler stehen wie Schaufensterpuppen und traf zum 1:1. Später bereitete Götze noch ein weiteres Tor vor, Borussia Dortmund gewann 4:1, beendete seine Mini-Krise und ist nach dem 28. Spieltag auf dem Weg zur Meisterschaft wohl kaum noch zu stoppen.

Götzes Treffer war ein Tor wie aus dem Lehrbuch: Ballbehandlung, Schnelligkeit, Kaltschnäuzigkeit - alles auf höchstem Niveau. "Mario hat bewiesen, wie wichtig er für diese Mannschaft ist", sagte BVB-Trainer Jürgen Klopp nach dem Abpfiff. Teamkollege Mats Hummels hatte eine Einzelleistung gesehen, die er schlicht "Weltklasse" nannte.

Der 18-Jährige hat Qualitäten, die ihm einen festen Platz in der Mannschaft des Tabellenführers sichern und inzwischen auch die ersten Einsätze in der Nationalmannschaft beschert haben. DFB-Sportdirektor Matthias Sammer hält den U17-Europameister von 2009 für "eines der größten Talente, die wir je hatten".

Dabei ist Götze nur der prominenteste Vertreter einer ganzen Reihe von hoffnungsvollen Nachwuchsspielern, die derzeit Fans und Experten begeistern. Im Januar schoss Julian Draxler, 17, den FC Schalke 04 mit seinem Siegtor gegen den 1. FC Nürnberg ins Halbfinale des DFB-Pokals. In Italien steht Alexander Merkel, 19, vor dem Sprung in die Stammelf des AC Mailand. Der Mittelfeldspieler könnte dort die Nachfolge von Altstars wie Andrea Pirlo oder Clarence Seedorf antreten. Sie alle eint eine überbordende Spielfreude. Ihr Auftreten ist unbekümmert. Sie beleben die ganze Liga.

Trainer wie der frühere Schalker und heutige Wolfsburger Felix Magath oder Louis van Gaal von Bayern München setzen - mal aus finanziellen Zwängen oder Überzeugung - auf junge Spieler wie Draxler, Thomas Kraft, Holger Badstuber oder Thomas Müller, die das Vertrauen mit Leistung rechtfertigen. Eine Entwicklung, von der auch die deutsche Nationalmannschaft mit Bundestrainer Joachim Löw in den kommenden Jahren in hohem Maße profitieren wird.

Blamabler EM-Auftritt als Schlüsselereignis

Der Anstoß zum Umdenken liegt schon einige Jahre zurück. Nach dem enttäuschenden Vorrunden-Aus der deutschen Nationalmannschaft unter Trainer Erich Ribbeck bei der EM 2000 in Belgien und den Niederlanden sahen die Verantwortlichen des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) Handlungsbedarf. Der damalige DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder initiierte 2002 ein Talentförderprogramm mit flächendeckenden Stützpunkten und Leistungszentren der Lizenzvereine. Seit 2006 wurde die Jugendförderung durch den Amtsantritt von Sportdirektor Matthias Sammer noch einmal intensiviert.

Die Maßnahmen zeigten Wirkung: Im Juli 2008 wurde die deutsche U-19-Auswahl in Tschechien Europameister. Es war der erste EM-Titel einer deutschen Junioren-Nationalmannschaft seit 26 Jahren. 2009 waren auch die Auswahlmannschaften der U17 und der U21 bei ihren jeweiligen EM-Turnieren erfolgreich. Der DFB hielt zu diesem Zeitpunkt alle drei europäischen Titel im Nachwuchsbereich, das hatte zuvor noch kein Verband geschafft.

"Erfolge äußern sich aber nicht nur in solch schönen Titeln und Trophäen, sondern auch im Umstand, dass viele Talente in den vergangenen Jahren den Sprung in den Profifußball geschafft haben", sagte DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach bei der damaligen Jahresbilanz des Verbands mit einem gewissen Stolz. Manuel Neuer (25), Sami Khedira (24) und Mesut Özil (22) gehören inzwischen zu den Stützen der A-Nationalmannschaft. Fast alle U-21-Europameister haben im Verein den Sprung vom Talent zum Stammspieler geschafft. Und eine Ende des Jugendtrends scheint nicht absehbar.

Zahlreiche weitere Talente sind in ihren Vereinen auf dem Weg zum Leistungsträger. SPIEGEL ONLINE stellt die aussichtsreichsten Kandidaten vor.

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