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Peter Ahrens

DFB-Spiel gegen Niederlande Hätten sie besser abgesagt

Die deutsche Nationalmannschaft wird trotz der Ereignisse in Paris zum Länderspiel gegen die Niederlande antreten. Das Spiel soll "ein Zeichen gegen den Terror" sein. Dabei wäre ein Verzicht auf die Partie das viel deutlichere Signal gewesen.

"Der Fußball muss sich zur Wehr setzen."
(DFB-Interimspräsident Rainer Koch)
"Wir lassen uns nicht von Terroristen einschüchtern."
(DFL-Chef Reinhard Rauball)
"Wir weichen vor dem Terror nicht zurück."
(Bundesinnenminister Thomas De Maizière)

Das sind wohlklingende Worte, mit denen Politik und Fußball dieser Tage begründen, warum das Länderspiel gegen die Niederlande am Dienstag in Hannover stattfindet - trotz der furchtbaren Ereignisse von Paris am vergangenen Freitag. Dass das Spiel wie geplant durchgeführt werde, sei "ein Zeichen gegen den Terror", so der einhellige Tenor.

Ist es das wirklich?

Oder wäre es nicht das viel deutlichere Zeichen, auf diese Partie bewusst zu verzichten? Nicht aus Angst vor Anschlägen, sondern aus freien Stücken schlicht um der Trauer willen über das, was in Paris passiert ist. Um innezuhalten, zur Besinnung zu kommen. Um zu zeigen, dass die Normalität für einige Tage ausgesetzt ist.

Zelt des Fanklubs Nationalmannschaft in Hannover: Welche Botschaft?

Zelt des Fanklubs Nationalmannschaft in Hannover: Welche Botschaft?

Foto: Julian Stratenschulte/ dpa

Wäre es nicht das deutlichere Zeichen, wenn deutsche Nationalspieler stattdessen nach Paris reisten, um ihr Mitgefühl mit den Menschen öffentlich zu bezeugen? Oder nach England ins Londoner Wembleystadion zu gehen, um dort als Zuschauer die Solidarität mit der französischen Mannschaft zu bekunden, die dort gegen England ihr Testspiel austrägt? Ein Kevin Trapp, der als Torwart von Top-Klub PSG in der französischen Hauptstadt lebt und arbeitet, soll jetzt im fernen Hannover gegen die Niederlande zeigen, dass er mit Paris fühlt.

Verteidigt ein Fußballspiel den westlichen Wertekanon?

Dass der französische Verband sich zu der Partie gegen England durchgerungen, sich entschieden hat: "Ja, wir spielen. Trotz allem oder gerade deswegen", das ist tatsächlich ein Symbol. Dafür, dass sich diese große Nation nicht unterkriegen lässt. Aber welche Botschaft geht von einem Länderspiel in der niedersächsischen Landeshauptstadt zwischen einer deutschen B-Elf und den Niederlanden aus? Keine starke. Es sei denn, die Einnahmen aus der Partie flössen den Angehörigen der Mordopfer von Paris zu. Aber "eine finanzielle Zahlung haben wir bisher nicht in Erwägung gezogen", sagt DFB-Manager Oliver Bierhoff.

Bierhoff hat auch gesagt: "Wir müssen uns jetzt für unsere Werte und unsere Kultur einsetzen." Das stimmt. Das müssen wir. Aber tut man das am besten, in dem man fernab unter maximalen Sicherheitsvorkehrungen ein ohnehin längst geplantes Fußballspiel durchführt, das nichts unmittelbar mit den Ereignissen zu tun hat? Wird der westliche Wertekanon zuvörderst durch die Austragung eines Fußballspiels verteidigt? Oder nährt es nicht vielmehr die Gefahr, etwas Selbstverständliches als eine vermeintlich mutige Aktion abzufeiern?

Es sind nur Fragen.

Und eine Antwort. Die Courage, das Spiel abzusagen und stattdessen etwas anderes zu machen, um deutlich zu zeigen, wir gedenken der Opfer und sind stolz auf unsere Art zu leben: Das wäre eben keine Kapitulation vor dem IS gewesen. Sondern genau das Gegenteil. Es wäre ein Zeichen gegen den Terror gewesen.

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