Test gegen Japan DFB-Elf übt noch die elementaren Dinge

Früher gab es einfach ein Mittelfeld, heute ist es die Raute. An der Optimierung dieses geometrischen Gebildes arbeitet die Nationalmannschaft. Erste Erfolge dieser Übungseinheiten sollen morgen im Länderspiel gegen Japan zu besichtigen sein. Zwei wichtige Akteure werden allerdings nicht mitmachen können.


Genf - Der Einsatz von Kapitän Michael Ballack am Dienstag (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) in Leverkusen gegen Japan ist unwahrscheinlich. Der Mittelfeldspieler hat nach seiner Kapselbandverletzung am linken Sprunggelenk im Trainingslager in Genf erst wieder mit dem Lauftraining begonnen. Ballack hatte sich am Donnerstag im Testspiel gegen die Junioren von Servette Genf verletzt und deshalb schon in Freiburg gegen Luxemburg (7:0) am Samstag passen müssen. Für ihn war Tim Borowski ein erstklassiger Ersatz.

Fraglich ist ebenso, ob Verteidiger Robert Huth gegen Japan spielen kann. Der Verteidiger vom FC Chelsea zog sich gegen Luxemburg eine Knöchelverletzung zu. Auch Huth konnte am Montag im Stadion von Servette Genf nicht am Abschlusstraining teilnehmen. Dagegen hat Angreifer Oliver Neuville eine Oberschenkelprellung auskuriert.

Gegen Japan hat der 32 Jahre alte Jens Nowotny nach knapp zweijähriger Pause laut Klinsmann "gute Möglichkeiten" auf sein Comeback in der Nationalelf. Der 45-malige Nationalspieler hatte zuletzt am 23. Juni 2004 beim EM-Vorrundenaus gegen Tschechien (1:2) das Trikot des deutschen Fußball-Bundes (DFB) getragen.

Ungeachtet diverser Verletzungen arbeitet die Nationalmannschaft an ihrem Spielsystem. "Die Inhalte der Trainingsarbeit sind klar: Laufwege, Laufwege und noch einmal Laufwege", erklärt Assistenztrainer Joachim Löw. Bis zum WM-Eröffnungsspiel am 9. Juni in München gegen Costa Rica soll die deutsche Mannschaft das System verinnerlicht haben. "Automatisieren der Abläufe" nennt es Klinsmann, auch wenn er einschränkt: "Es wird kaum möglich sein, dass wir das zur Perfektion bringen." Die beiden Partien am Dienstag in Leverkusen gegen Japan und am Freitag in Mönchengladbach gegen Kolumbien sollen zumindest die erzielten Fortschritte im taktischen Bereich dokumentieren.

"Jeder muss Bescheid wissen, wo der andere hinläuft", beschreibt Torwart Jens Lehmann den Idealzustand. Dieser Prozess liefe in anderen Ländern automatisch ab, in Deutschland könne man das noch optimieren, sagt Löw und spricht von "elementaren Dingen in der täglichen Trainingsarbeit". Im Ausland würden schon in der Jugend die Systeme verinnerlicht, taktische Früherziehung sozusagen.

Als Grundsystem für die WM ist ein 4-4-2 vorgesehen. Eine Dreier-Abwehrkette soll nur im Notfall zum Einsatz kommen, etwa bei einem Rückstand kurz vor Schluss oder einem Platzverweis. Grundsätzlich soll das Mittelfeld in einer Raute postiert sein. Heißt: Torsten Frings spielt bei Ballbesitz zentral vor der Abwehr, Kapitän Michael Ballack davor. Dies sei aber nur eine von drei Varianten, so Klinsmann. Die andere sieht eine so genannte "flache Vier" im Mittelfeld vor. Mit Ballack und Frings auf einer Linie.

Die dritte Möglichkeit ist ein 4-3-3-System. In diesem Fall würden vor einem Dreier-Mittelfeld zwei Spieler über die Außenbahnen angreifen. Ein Stürmer wäre zentral postiert. Für diese Variante käme etwa "Flügelflitzer" David Odonkor über rechts in Frage. Ballack ist für Klinsmann bei allen Varianten Systemen die zentrale Figur.

Doch egal welches System: Wichtig ist Klinsmann und Löw, dass stets Offensiv-Fußball gespielt wird. "Wir wollen den ersten Ball immer nach vorne spielen", erklärt Löw. Die "vertikale Spielweise" müssten die Spieler verinnerlicht haben, betont Klinsmann. Auch in dieser Hinsicht hätten die Spieler Nachholbedarf, merkt Löw kritisch an. In der Bundesliga sei zuweilen "das Spiel ein bisschen in die Breite angelegt. Wir müssen insgesamt im Tempo noch ein Stück zulegen."

Deutschland – Japan (Dienstag, 20.30 Uhr)
Die voraussichtliche deutsche Mannschaftsaufstellung:
  Lehmann/FC Arsenal (36 Jahre/30 Länderspiele) -  Friedrich/Hertha BSC Berlin (27/35), Mertesacker/Hannover 96 (21/21), Nowotny/Bayer Leverkusen (32/45) oder  Metzelder/Borussia Dortmund (25/20),  Jansen/Borussia Mönchengladbach (20/5) - Schneider/Bayer Leverkusen (32/62), Frings/Werder Bremen (29/50),  Borowski/Werder Bremen (26/18), Schweinsteiger/Bayern München (21/26) - Klose/Werder Bremen (27/53), Podolski/1. FC Köln (20/23)
Schiedsrichter: Vassaras (Griechenland)



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