Testspiel gegen Belgien Schweinsteiger und Marin schießen Deutschland zum Arbeitssieg

Gelungener Auftakt in die Länderspiel-Saison: Deutschland hat trotz einiger verletzter Stars gegen Belgien gewonnen. Stuttgarts Verteidiger Serdar Tasci gab ein fehlerfreies Debüt, Lukas Podolski musste nach einer üblen Attacke des belgischen Torhüters ausgewechselt werden.

Hamburg - Verhaltener Jubel bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Das Team von Trainer Joachim Löw hat das erste Spiel nach der Finalniederlage bei der Europameisterschaft gegen Spanien (0:1) gewonnen. Bayerns Bastian Schweinsteiger (59.) per Elfmeter und das Gladbacher Talent Marko Marin (77.) schossen die Tore beim 2:0 (0:0) gegen eine stark ersatzgeschwächte belgische B-Auswahl. Lediglich 34.200 Zuschauer verfolgten das Spiel in der nicht ausverkauften Nürnberger Arena. "Wir haben schönen Fußball gezeigt, besonders das zweite Tor war herrlich herausgespielt", freute sich Löw trotzdem über den Sieg. Der Bundestrainer musste die Startelf aufgrund von zahlreichen Verletzungen auf einigen Positionen umbauen. Im Tor stand Hannovers Robert Enke, die Viererkette bildeten neben Bayerns Philipp Lahm Schalkes Heiko Westermann, Bremens Clemens Fritz sowie der Stuttgarter Innenverteidiger Serdar Tasci. Durch seinen ersten Einsatz im DFB-Dress hat sich Tasci, der auch vom türkischen Verband umworben wurde, für Deutschland festgespielt.

"Schön, dass es im vierten Anlauf mit einem Einsatz geklappt hat. Die Deutschen haben sich einfach mehr um mich bemüht", begründete der 21-Jährige seine Entscheidung. Auch vom Schlussmann und Trainer gab es Lob: "Heiko und Serdar haben einen guten Job gemacht und mir so einiges an Arbeit erspart", sagte Enke. Und Löw schwärmte gar: "Serdar hat hervorragend gespielt und all das umgesetzt, was wir von ihm gefordert und erwartet haben."

Im Mittelfeld ersetzten der Leverkusener Simon Rolfes und der Stuttgarter Thomas Hitzlsperger die Verletzten Torsten Frings (Werder Bremen) und Michael Ballack (FC Chelsea). Auf den Außenpositionen durften der Hamburger Piotr Trochowski und Schweinsteiger ran. Das Sturmduo bildeten die Bayern-Angreifer Miroslav Klose und Lukas Podolski. Dieser war es auch, der die erste Chance für die stürmisch beginnende DFB-Auswahl hatte. Seine Direktabnahme nach Vorarbeit von Lahm ging allerdings ans Außennetz (4. Minute).

Neun Minuten später sorgte Podolski dann für eine Schrecksekunde. Nach einem Steilpass von Hitzlsperger trat der herausstürzende belgische Torhüter Stijn Stijnen den 23-Jährigen mit dem Fuß in den Bauch, Podolski konnte allerdings nach einer kurzen Behandlung weiterspielen. Die Belgier hatten Glück, dass der dänische Schiedsrichter Thomas Vejlgaard in dieser Szene keine Rote Karte zeigte. "Ich habe ihm gesagt, dass er ein bisschen besser aufpassen muss, das war schließlich ein Freundschaftsspiel", sagte der belgische Kapitän van Buyten zu der Rambo-Einlage seines Schlussmannes.

Podolski mit Rippenverletzung ausgewechselt

Deutschland war auch in der Folgezeit die deutlich bessere Mannschaft, doch Rolfes und Klose vergaben bis zur Pause weitere Möglichkeiten zur Führung. Bei den Belgiern, die unter anderem mit den beiden Bundesliga-Verteidigern Daniel van Buyten (FC Bayern) und dem Gladbacher Filip Daems antraten, merkte man deutliche Defizite in Abstimmung und Spielaufbau. Was sicher auch daran lag, dass ein Teil der Stammkräfte bei den olympischen Spielen in Peking ist, wo die Auswahl am Freitag (13 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) im Spiel um Platz drei des olympischen Fußballturniers auf Brasilien trifft.

Zu Beginn der zweiten Hälfte nahm Löw den angeschlagenen Podolski (Schürfwunden und Rippenprobleme) sowie Klose vom Platz. Für die beiden Angreifer kamen zwei frische Stürmer: Kevin Kuranyi vom FC Schalke 04 und Stuttgarts Mario Gomez.

Die erste gute Möglichkeit im zweiten Durchgang hatte allerdings wieder ein Bayern-Spieler: Lahm zirkelte den Ball in der 53. Minute auf den Torwinkel, doch Stijnen konnte in höchster Not zur Ecke klären. In der 57. Minute zeigte der bis dahin beschäftigungslose Enke eine Unsicherheit, als er sich bei einem Konter verschätzte. Die Belgier konnten aus dieser Situation jedoch kein Kapital schlagen.

Im Gegenzug zog van Buyten im Strafraum Mario Gomez, der nach einer präzisen Flanke von Trochowski ebenso einschussbereit wie abseitsverdächtig vor dem belgischen Tor lauerte. Den folgenden Elfmeter verwandelte Schweinsteiger sicher mit einem Flachschuss ins rechte Toreck (59.) zur 1:0-Führung (59.). "Spielen wir hier Tennis? Ich habe Mario fast gar nicht berührt", sagte van Buyten.

Der eingewechselte Marin sorgte in der 77. Minute mit einem sehenswerten Schlenzer für den 2:0-Endstand. Es war der erste Treffer im zweiten Länderspiel des 19-Jährigen, der kurz vor der EM von Löw aus dem Kader gestrichen worden war. "Ich bin froh, dass ich wieder dabei bin", sagte das Gladbacher Mittelfeld-Talent.

Nach der Vorentscheidung nahm die deutsche Nationalmannschaft das Tempo aus dem Spiel. Von Belgien war in der zweiten Halbzeit überhaupt keine Gefahr mehr ausgegangen. Betrachtet man die gesamte Spielzeit, so muss man den Sinn einer solchen Testbegegnung so kurz nach dem Bundesliga-Start und während der Olympischen Spiele in Frage stellen.

Während die DFB-Akteure mit zunehmenden Spielverlauf müde wirkten, reichte es bei der belgischen B-Auswahl offenbar aufgrund von mangelnder spielerischer Klasse nicht zu mehr Gegenwehr. "Der Sieg für Deutschland geht in Ordnung, wir haben technisch einfach zu viele Fehler gemacht", sagte Belgiens Trainer Rene Vandereycken.

Der Schlusssatz des Abends gehörte dem gut gelaunten Bastian Schweinsteiger, der die Kapitänsbinde des verletzten Michael Ballack trug: "Es hat Spaß gemacht, mal wieder ein bisschen Fußball zu spielen." Bei aller Freude über den Sieg: Für die anstehende WM-Qualifikation muss eine deutliche Steigerung her. Am 6. September trifft die DFB-Elf zum Auftakt der Qualifikation für Südafrika 2010 in Vaduz auf Liechtenstein.