Streit über Fußball-WM 2022 Zwanziger kontert Klage aus Katar

Theo Zwanziger wehrt sich: Der Ex-DFB-Präsident fordert im Rechtsstreit mit Katar, dass das Gericht die Klage des Emirats abweist. Der Ausrichter der WM 2022 wirft ihm Verleumdung vor.
Ex-Fifa-Funktionär Zwanziger: "Ein Politiker müsste zurücktreten"

Ex-Fifa-Funktionär Zwanziger: "Ein Politiker müsste zurücktreten"

Foto: DPA

Theo Zwanziger kontert im Streit mit Katar: Im Rechtsstreit mit dem Fußballverband des Emirats verlangt der Ex-DFB-Präsident vom Landgericht Düsseldorf, die Klage abzuweisen. Zwanziger, einst auch Mitglied der Exekutivkomitees des Weltverbandes Fifa und der europäischen Fußballunion Uefa, hatte die skandalumtoste Sportpolitik Katars und den Zuschlag für Mega-Events wie die Fußball-WM 2022 in Interviews mit einem "Krebsgeschwür" verglichen.

Die Qatar Football Association (QFA), vertreten durch die Münchner Kanzlei des Ex-CSU-Vizechefs Peter Gauweiler, forderte im Frühsommer von Zwanziger eine Unterlassungserklärung. Er solle nicht mehr verbreiten, dass "Katar ein Krebsgeschwür des Weltfußballs" sei.

Zwanziger gab diese Unterlassungserklärung nicht ab. Die Sache wird am 2. Februar 2016, dreieinhalb Wochen vor dem außerordentlichen Wahlkongress der Fifa, vor dem Landgericht Düsseldorf verhandelt. Zu diesem Termin fordert Zwanziger die Ladung von sieben Zeugen, darunter Fifa-Präsident Joseph Blatter, Uefa-Präsident Michel Platini und DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. Außerdem sollen geladen werden: Barbara Lochbihler, die Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses des Europäischen Parlaments, DGB-Chef Michael Sommer, der Uno-Sonderberater für Sport, Willi Lemke, sowie der Fifa-Manager Samy Hamama.

In Katar seien die Voraussetzungen für eine Fußball-WM nicht gegeben, lässt Zwanziger mitteilen: "Man kann Stadien bauen, aber Klubs, Nationalmannschaften und Fans kann man im Grunde nur kaufen." Entscheidend für die WM-Vergabe am 2. Dezember 2010 "waren staatspolitische Einflussnahmen, Pflichtverletzungen und problematische Geldflüsse".

"Sport und Ethik aus den Satzungen streichen"

Die 22 Seiten umfassende Klageerwiderung (hier finden Sie das Dokument)  hat Zwanziger, der selbst Jurist ist und lange Zeit Verwaltungsrichter in Koblenz war, gemeinsam mit dem Rechtsanwalt Hans-Jörg Metz erstellt. Das Papier, das am 9. September dem Landgericht Düsseldorf zuging, liest sich wie ein politisches Manifest der Korruptionsaufklärung. Neue Sachverhalte zur Vergabe der WM 2022 an Katar oder grundsätzlich zur Fifa werden in dem Schreiben allerdings nicht publiziert.

Nicht die QFA sei "das Krebsgeschwür des Fußballs, nein, alle, die sich vom System Katar im dortigen Land und in den Entscheidungsgremien des Weltsports vereinnahmen lassen und damit teilnehmen an einem für den Gesamtsport tief traurigen Werteverlust", heißt es. "Wenn dieses Geschwür sich weiter ausbreiten wird, dann sollte man den Begriff Sport und Ethik aus den Satzungen streichen." Die expansive Sportpolitik Katars missbrauche Menschen, beeinträchtige "Rechte und Werte Dritter auf rücksichtslose Weise" und laufe "jeder Sport-Ethik zuwider".

Die Klägerseite wollte sich am Montag nicht äußern, weil ihr die Klageerwiderung noch nicht vorliege.

Zwanziger kritisiert Platini

Rechtsanwalt Metz aus Zwanzigers Heimatgemeinde Diez teilt mit, sein Mandant werde keine "Interviews zur aktuellen Sportpolitik mehr geben". Es sei allerdings unverzichtbar gewesen, Zwanzigers Haltung "zur teilweise brutalen Kommerzialisierung des Fußballs, den Regelverstößen bei Funktionären und der Missachtung ethischer Vorgaben" in den Schriftsatz einzubeziehen.

Kritik übt Zwanziger in der Klageerwiderung vor allem am Uefa-Präsidenten Michel Platini und dem belgischen Fifa- und Uefa-Exekutivmitglied Michel d'Hooghe, deren Söhne Laurent und Pieter für katarische Firmen arbeiten. Das Verhalten von Platini, der am 2. Dezember 2010 für Katar gestimmt und sich wenige Tage zuvor in Paris mit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und dem damaligen Emir Hamad getroffen hatte, in der Katar-Causa sei "verwerflich", heißt es. "Eine saubere und neutrale Entscheidung" sei von Platini nicht zu erwarten gewesen. "Seine Stimme hätte annulliert werden müssen."

Michel d'Hooghe habe als Medizinchef der Fifa ebenfalls "in eklatanter Weise" seine Pflichten verletzt. "Ein Politiker müsste zurücktreten."

Garcia-Bericht soll veröffentlicht werden

Durch den umfangreichen sportpolitischen Teil der Klageerwiderung zieht sich als Leitmotiv der Begriff des Krebsgeschwürs. "Das Geschwür wuchert weiter, hat auch die Mitglieder des Exekutivkomitees und gerade europäische Vertreter erfasst, die entgegen der Souveränität des Sports sich staatlichen Einflussnahmen hingegeben und ihre speziellen Pflichten schwer verletzt haben."

Zwanziger kritisiert einmal mehr die sogenannte Ethikkommission der Fifa, deren Richter Hans-Joachim Eckert die Causa Katar für abgeschlossen bezeichnet hatte. Dieses Urteil von Eckert entspreche "ganz offenkundig nicht dem Ergebnis" des vom amerikanischen Juristen Michael Garcia vorgelegten und weiterhin verheimlichten Untersuchungsberichts. Der Garcia-Bericht, der inzwischen der Schweizer Bundesanwaltschaft vorliegt, müsse unbedingt veröffentlicht werden, fordert Zwanziger erneut.

Gauweiler hatte argumentiert, der Begriff Krebsgeschwür sei eine "nicht hinnehmbare Verleumdung und Herabwürdigung" der Bürger und der "staatlichen Gemeinschaft" der Erbmonarchie Katar. Zwanzigers Anwalt Metz beantragt nun, die Klage als unbegründet abzuweisen. Zum einen sei der Fußballverband QFA für das Verfahren nicht aktiv legitimiert, könne also gar keine Klage einreichen.

Zum anderen habe Zwanziger den Begriff Krebsgeschwür stets als Umschreibung eines Systems benutzt und "zu keinem Zeitpunkt einzelne Personen oder Institutionen angesprochen". Seine Darlegungen hätten die Grenzen der Meinungsfreiheit nie überschritten, seien keine Schmähkritik, sondern vielmehr eine Art der Machtkritik, die einem besonderen Schutzbedürfnis unterliege.