Weltmeister Häßler in der achten Liga Icke im Autohaus

Thomas Häßler war Fußball-Welt- und Europameister. Künftig wird er in der achten Liga den Club Italia aus Berlin-Charlottenburg trainieren. Aber der ehemalige Weltstar tritt ganz bescheiden auf.
Weltmeister Häßler: Künftig in der achten Liga

Weltmeister Häßler: Künftig in der achten Liga

Foto: Kay Nietfeld/ dpa

Das Autohaus Bernd Quinque in Berlin-Pankow hat ja schon einiges gesehen. In dem Hause wurde schon "die Abendgala mit Jürgen Drews" veranstaltet, der Winnetou des Ostens, Goyko Mitic, war einmal ebenso als Ehrengast geladen wie Schlagersänger Nino de Angelo. Nicht zu vergessen der Auftritt von TV-Moderator Wolfgang Lippert. Aber einen leibhaftigen Fußball-Weltmeister hatte man noch nicht dabei. Bis jetzt.

Thomas Häßler, 101 Länderspiele, Mitglied der Weltmeistermannschaft von 1990, Europameister 1996, Deutschlands Fußballer des Jahres 1989 und 1992, ist hierhin gekommen, weil er offiziell bei seiner neuen Trainerstation vorgestellt wird. Thomas Häßler wird zur neuen Saison Trainer des FC Club Italia Berlin - in der Bezirksliga, Staffel 3, oder anders ausgedrückt: Charlottenburg, achte Liga.

Nun ist es bei Häßler ein bisschen so wie bei Jürgen Drews und Nino de Angelo. Seine größten Erfolge liegen schon eine Weile zurück. Zuletzt hat er sich mit mäßigem Erfolg für ein Jahr in Iran als Co-Trainer versucht, in seiner Trainer-Biografie steht ansonsten "Technikcoach beim 1. FC Köln" und "Trainerassistent von Berti Vogts". In Nigeria.

Er sieht eigentlich noch so aus wie früher

Es ergeht ihm wie so manchem seiner Kollegen aus jener großen 90er-Mannschaft. Nach der aktiven Fußballkarriere war nicht mehr so viel: Andreas Brehme, Klaus Augenthaler, Guido Buchwald, Jürgen Kohler und selbst der große Lothar Matthäus. Als Trainer sind sie allesamt sehr schnell an ihre Grenzen gestoßen. Oder Häßlers alter Kumpel Pierre Littbarski, damals ein Duo wie Poldi und Schweini, unvergessen, wie sie sich in der ARD als "Dingsda"-Kinder durchs Programm juxten. Littbarski, als Trainer auch regelmäßig gescheitert, ist mittlerweile in Wolfsburg gelandet, immerhin als Leiter der Spielerbeobachtung beim VfL. So weit hat es Häßler nicht geschafft.

Also jetzt die achte Liga in Berlin, dort, wo Häßler geboren und groß geworden ist, falls man das bei 1,66 Meter Körpermaß so nennen darf. Eine Liga, in der Club Italia sich mit Vereinen wie der Spielvereinigung Tiergarten und dem Grünauer BC herumzuschlagen hat. Und mit dem BFC Meteor 06, das war der allererste Verein Häßlers.

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Häßler, von allen und immerzu "Icke" gerufen, ist mittlerweile 49 Jahre alt, eigentlich sieht er immer noch so aus wie der Zehner Icke Häßler damals beim 1. FC Köln und in der DFB-Elf. Und er redet immer noch so wie damals, leicht bis mittelschwer berlinernd, davon, dass seine Spieler künftig "Fußball leben, Fußball denken" sollen, dass er selbst ab Sommer, wenn er sein Amt antritt, "Tag und Nacht für Italia arbeiten" werde, dass man anstrebe, "in acht bis zehn Jahren im Profibereich anzukommen".

In Italien hatte er seine große Zeit

Italia. Das muss für Häßler einen guten Klang haben. In Italien ist er Weltmeister geworden, in Italien hat er mehrere Jahre gespielt. Der Sportdirektor des Achtligisten, Eric Meissner, hat schon mal behutsam darauf hingewiesen, dass Häßler ja immer noch gute Kontakte zu Juventus Turin und dem AS Rom pflege, vielleicht lasse sich ja mal das eine oder andere Austauschprogramm mit Italien organisieren. Dass Juve-Torwart Gigi Buffon seine Laufbahn in Charlottenburg ausklingen lassen wird, ist dennoch weiterhin eher unwahrscheinlich.

15 Millionen D-Mark Ablösesumme hat Juve damals für Häßler bezahlt, der AS Rom dann noch einmal 14 Millionen. Jetzt sitzt Häßler neben dem Sportdirektor und dem Leiter des Autohauses auf dem Podium und muss sich ernsthaft Fragen anhören, was er denn aus seiner Station in Iran für den Berliner Amateuralltag habe mitnehmen können und "was diese künftige Station beim FC Italia denn für seine weitere Trainerlaufbahn bedeuten" mag. "Wenn ich einen guten Job mache, dann muss man mal sehen, was noch kommt", sagt der Weltmeister.

"Herr Häßler, wann greifen Sie Union und Hertha in Berlin an?", wird er noch gefragt. Das sei als Ziel derzeit ja noch ein bisschen entfernt, "aber man muss geil darauf sein, so schnell wie möglich nach oben zu kommen."

Wie er denn die Zeit nutze, um sich auf diesen Trainerjob im Sommer vorzubereiten, will dann noch einer wissen, ganz so, als handele es sich um ein Engagement bei Manchester City. Häßler hat bis dahin noch einiges zu erledigen. Derzeit tritt er in der Wettkampf-Show "Ewige Helden" bei Vox auf, und ab März ist er Kandidat in der RTL-Tanzshow "Let's Dance". Der FC Club Italia hat bereits per Pressemitteilung kundgetan: "Der Verein drückt Thomas Häßler bei seinen aktuellen Projekten die Daumen."

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