Drei Thesen zu Bayerns Sieg auf Schalke Servus, Coutinho! Servus, Müller?

4-1-4-1 oder 4-2-3-1? Hauptsache Coutinho! Bei Bayern München wird der Sommerzugang in das System gepresst. Auf Kosten von Thomas Müller. Zwei andere Spieler sind dagegen nicht zu ersetzen.

Erfolgreicher Einstand: Coutinho wurde beim Sieg auf Schalke eingewechselt
Sascha Steinbach/EPA-EFE/REX

Erfolgreicher Einstand: Coutinho wurde beim Sieg auf Schalke eingewechselt

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1. Kein Platz für Thomas Müller

Thomas Müllers Auswechslung in der 56. Spielminute beim 3:0 (1:0)-Sieg bei Schalke 04 könnte stellvertretend für den Rest der Saison stehen: Die vielumjubelte Neuverpflichtung Philippe Coutinho spielte bei Bayern München fortan für ihn.

Mit dem Wechsel stellte Trainer Niko Kovac von seinem 4-1-4-1-System auf ein 4-2-3-1 um. Dem neuen Starspieler steht die Zehn mit seiner Technik und Spielintelligenz nämlich nicht nur auf dem Rücken, sondern auch auf dem Platz am besten. Auf dem Flügel würde dagegen eine seiner wenigen Schwächen zur Geltung kommen: die vergleichsweise geringe Geschwindigkeit.

Weil Coutinho wohl gesetzt ist, egal ob auf der Acht oder Zehn, bleibt kein Platz für Müller. Der 29-Jährige ist wie Coutinho kein Außenspieler, sondern fühlt sich in den Zwischenräumen hinter Robert Lewandowski am wohlsten. Die einzige Variante mit beiden Spielern im Zentrum im 4-1-4-1 wäre bei einer Absicherung wohl zu riskant, möchte man nicht in gegnerische Konter laufen.

2. Thiago und Lewandowski sind unersetzbar

Der Wechsel auf ein für Coutinho passendes System könnte den Bayern auch dabei helfen, die Abhängigkeit von Thiago zu verringern. Nach dem Ausfall des Spaniers beorderte Kovac Rechtsverteidiger Joshua Kimmich in das defensive Mittelfeld, eigentlich sieht Kimmich sich dort am stärksten.

Aber weil Thiago eben kaum zu ersetzen ist und Kimmich auf der Position die Routine fehlt, tat sich der deutsche Nationalspieler über weite Strecken des Spiels schwer. Er nahm weniger am Spiel teil als üblich, dadurch spielten sich die Bayern weniger Chancen heraus. Zudem hatte Kimmich bei der alleinigen defensiven Absicherung Probleme. Mit der Einwechslung von Coutinho spielte Corentin Tolisso die zweite Sechs neben Kimmich. Entlastung statt Belastung.

Robert Lewandowski (Dritter von rechts) ist Anführer der Bayern-Boygroup
Martin Rose/Getty Images

Robert Lewandowski (Dritter von rechts) ist Anführer der Bayern-Boygroup

Noch größere Probleme dürften die Bayern im Falle eines Ausfalls von Lewandowski bekommen. Alle fünf Tore der bisherigen Bayern-Saison schoss der Stürmer. Er ist nicht zu ersetzen. Abgesehen von Müller, der die Position im Sturmzentrum wesentlich passiver interpretiert, gibt es keine Alternative im Münchner Kader. Die gute Nachricht für den FC Bayern: Der 31-Jährige war in seiner Laufbahn bisher kaum verletzt, in der vergangenen Saison verpasste Lewandowski kein einziges Spiel verletzungsbedingt. Außerdem soll der Angreifer vor der Vertragsverlängerung stehen.

3. Nübel ist einer für den FC Bayern

Auch wenn es spielerisch kein Topspiel war, auf der Torhüterposition kamen die Zuschauer am Samstagabend auf ihre Kosten. Alexander Nübel gilt als designierter Nachfolger von Manuel Neuer, im direkten Aufeinandertreffen zeigte er, warum.

Alexander Nübel ist Kapitän von Schalke 04, aber wie lange noch?
Jörg Schäler/Getty Images

Alexander Nübel ist Kapitän von Schalke 04, aber wie lange noch?

Nübels Bewegungsabläufe im Torwartspiel sind flüssig, seine Reflexe ebenso schnell. Und auch im Spiel mit dem Fuß macht Nübel eine ähnlich gute Figur wie Neuer: Den Ball im Spielaufbau unter Druck mit zwei Kontakten von der einen Seite gezielt auf die andere zu verlagern, das stellt für einige Bundesligatorhüter ein unüberwindbares Hindernis dar. Für Nübel und für Neuer ist das gar kein Problem.

Passend dazu flachsten die beiden Kapitäne bereits vor Anpfiff im Spielertunnel. Da scheinen sich zwei zu verstehen.

Der größte Unterschied - abgesehen von der Erfahrung Neuers - ist, dass Nübels Spiel noch nicht so nicht waghalsig ist. Während Neuer nur sechs Minuten für sein erstes Manöver mit dem Kopf außerhalb des Strafraums brauchte, scheint Nübel eine etwas ausgeprägtere Risikoabwägung zu haben. Die dürfte er angesichts seines auslaufenden Vertrags derzeit auch abseits des Platzes brauchen. Womöglich führt sie ihn nach München.



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tairen 25.08.2019
1.
1) Für uns Bayernfans ist Müller ein Heiligtum aber leider bezweifle ich langsam, dass er der Mannschaft noch viel weiter helfen kann. Nach Coutinho und Goretzka ist er nur noch dritte Wahl. 2) Wenn er sich etwas einspielt wird Kimmich sicher ein überragender Sechser werden. Was Pavard gestern gezeigt hat auf rechts war aber der klare Beweis dafür, dass Kimmich RV spielen muss. 3) Wenn Nübel seine Leistung aus der letzten Saison bestätigen kann, sollte Bayern zuschlagen. Das selbe gilt für Havertz.
markniss 25.08.2019
2. Erstaunlich...
Erstaunlich wie unterschiedlich man Spiele und Spieler sehen kann: Ich fand Kimmich herausragend gut! Dass er und die Bayern häufiger als gewünscht in Schwierigkeiten kamen, lag an einem unfassbar schlechtem Passspiel auf Seiten der Münchner. So viele Fehlpässe und Stockfehler habe ich bei den Bayern in den letzten 10 Jahren nicht gesehen. Insbesondere Tolisso hat so eine Orgie von Ballverlusten zelebriert, dass es eigentlich unerklärlich ist, dass der einfach nicht ausgewechselt wurde. Lag wohl daran, dass er unbedingt Spielpraxis braucht und S04 einen guten Aufbaugegner abgibt...
FrankDunkel 25.08.2019
3.
Ein Thomas Müller in Normal- oder gar Bestform ist auch heute noch wichtig für die Bayern. Er kann auf vielen Positionen spielen, nicht nur auf der Position, die jetzt erst einmal für Coutinho reserviert zu sein scheint.
Nonvaio01 25.08.2019
4. OMG SPon
Mueller und PC spielen auf unterschiedlichen positionen. PC is eine 10, kein aussen spieler. darum hat er sich gestern auch gleich in die position gestellt und dort gespielt. Was die anzeige tafel bei auswelchslungen anzeigt ist doch voellig egal, nur weil PC fuer Mueller gekommen ist heisst es nicht er spielt auch auf der position. Oder gehen defensive spieler in den sturm wenn bei 2-0 der stuermer ausgetauscht wird und man die defensive verstaerken will?
ooda_maddinoo 25.08.2019
5. Lewandowski
Ist ein wahrer Glücksfall für die Bayern. Dank ihm sind so ziemlich alle nationalen Titel der letzten Jahre geschehen. Europäisch gegen die Top 10 Mannschaften ist er aber leider genauso gut untergetaucht. Für mich ist er ein guter Stürmer, der aber in den Big Games (gegen Real etc) noch nichts außergewöhnliches geleistet hat.
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