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06. März 2019, 19:16 Uhr

Müller über Löws Entscheidung

"Die Art und Weise macht mich einfach sauer"

Mit Unverständnis hat Thomas Müller die Ausbootung durch Bundestrainer Joachim Löw quittiert. Bayern-Boss Rummenigge hofft auf eine Trotzreaktion des Spielers.

Einen Tag nach seiner Ausbootung aus der Fußball-Nationalmannschaft hat sich Thomas Müller mit deutlicher Kritik am Deutschen Fußball-Bund (DFB) und an Bundestrainer Joachim Löw an die Öffentlichkeit gewandt. "Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr macht mich die Art und Weise, wie das abgelaufen ist, einfach sauer. Kein Verständnis habe ich vor allem für diese suggerierte Endgültigkeit der Entscheidung", sagte der Angreifer von Bayern München in einem Video, das er über seine Social-Media-Kanäle verbreitete.

"Ich war von der plötzlichen Entscheidung des Bundestrainers perplex", so der 29-Jährige: "Ein Bundestrainer muss sportliche Entscheidungen treffen. Das stelle ich nicht infrage. Aber Mats, Jérôme und ich sind immer noch in der Lage, auf Top-Niveau Fußball zu spielen. Wir haben gemeinsam mit dem DFB einen langen, intensiven und meist auch erfolgreichen Weg bestritten in den letzten Jahren."

Nicht zuletzt die Art und Weise der Bekanntmachung stieß dem 100-maligen Nationalspieler sauer auf: "Wenn - kurz nachdem wir von der Entscheidung des Bundestrainers erfahren haben - vorgefertigte Statements seitens des DFB und des DFB-Präsidenten an die Presse rausgegeben werden, ist das aus meiner Sicht kein guter Stil und hat mit Wertschätzung nichts zu tun."

An die Adresse der Fans erklärte Müller: "Ich war immer stolz, das DFB-Trikot zu tragen. Ich habe immer alles gegeben. Es war eine unglaubliche Reise. Ich bin ein Kämpfer und werde nach vorne schauen. Das Spiel ist noch nicht aus."

Rummenigge sieht Löw in der Verantwortung

Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge hat Löw derweil in die Pflicht genommen. Die Entscheidung des Bundestrainers sei zu respektieren, sagte der Vorstandschef des FC Bayern zwar, ergänzte aber in der "Abendzeitung": "Er hat damit natürlich auch eine große persönliche Verantwortung übernommen. Denn von Fußball-Deutschland wird jetzt erwartet, dass die Qualifikation zur Europameisterschaft 2020, die ja auch in München stattfindet, gelingt. Und dass die deutsche Mannschaft wieder den attraktiven Fußball zeigt, den man in den vergangenen zehn Jahren genießen durfte."

Löw hatte Mats Hummels, Jérôme Boateng und Müller am Dienstag mitgeteilt, sie nicht mehr für die Nationalmannschaft zu nominieren, um den Generationswechsel voranzutreiben. "Unsere drei Spieler sind ja nicht gerade das, was ich als altes Eisen bezeichnen würde", sagte Rummenigge. Der Verein kritisiert den Zeitpunkt der Verkündung eine Woche vor dem Champions-League-Rückspiel gegen den FC Liverpool.

Rummenigge hofft nun auf eine Trotzreaktion: "Ich bin sicher, Thomas, Mats und Jérôme werden sich von dieser Entscheidung nicht irritieren lassen. Ich denke vielmehr, dass es eine Woche wird, in der unsere drei Spieler zeigen werden, welche Qualität in ihnen steckt."

aha/dpa/sid

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