Dortmunder Sieg gegen Bremen Batman und die Joker

Ein Tor von Aubameyang: Alles schien seinen gewohnten Gang zu gehen. Dann fielen vier Tore in 13 Minuten, und Dortmund durfte sich bei seinen Jokern bedanken. Alles Wichtige zum Spiel.

Adrián Ramos
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Adrián Ramos

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Ausgangslage: Der BVB hatte bereits am Nachmittag ohne eigenes Zutun einen Top-4-Platz sichergestellt. Am Donnerstag kommt Liverpool nach Dortmund. Das Gastspiel von Werder war also nicht gerade das Spiel des Jahres für die Gastgeber. Dramatischer sah es für Bremen aus. Bei einer Niederlage drohte der Sturz auf den Relegationsplatz.

Personalmanagement des Spiels, defensiv: Thomas Tuchel wirkt nicht wie ein Mann, der von Sorgen zerfressen ist. Der Dortmunder Coach strahlt normalerweise viel Selbstvertrauen aus. Vielleicht reagierte Tuchel deshalb auf seine Art auf den Ausfall von Neven Subotic (Thrombose) und Sokratis (Infekt): Er schonte mit Mats Hummels einfach auch noch einen dritten Innenverteidiger. Sven Bender und Matthias Ginter bildeten die Innenverteidigung. Das hat ihm sicher Guardiola einst beim Verschieben von Salzstreuern beigebracht.

Das Ergebnis: 3:2 (0:0). Hier geht es zum Spielbericht.

Die erste Hälfte: Dortmund dominierte das Spiel, Werder kam kaum zu Entlastungsangriffen. Aber die ganz großen Chancen waren nicht dabei, von einer Gelegenheit für Erik Durm abgesehen, der aus wenigen Metern Distanz an einem Reflex von Felix Wiedwald scheiterte. Als Werder sich einmal mit mehreren Spielern in die gegnerische Hälfte wagte, kassierten die Gäste sofort einen gefährlichen Konter, den Durm jedoch überhastet abschloss. Das war Bremen eine Lehre, die Gäste setzten fortan wieder auf die Defensive.

Die zweite Hälfte: Acht Minuten lang so wie die erste. Dann wurde Marco Reus links von Alejandro Gálvez gefoult. Schiedsrichter Tobias Welz ließ Vorteil laufen, der Ball kam zu Henrich Mchitarjan, von diesem zu "Batman" Pierre-Emerick Aubameyang. Der Rest war Autopilot: Sprint in Richtung Tor, Jannik Vestergaard sah nur die Fersen des Stürmers. Aubameyang chippte den Ball gefühlvoll über Wiedwald hinweg ins Tor. Sein 36. Pflichtspieltor dieser Saison. Mitte der zweiten Hälfte verzeichnete die Statistik 16:1 Torschüsse für den BVB.

Aber dann kippte das Spiel: Nach einer Ecke traf Gálvez mit einem von Gonzalo Castro abgefälschten Schuss zum Ausgleich (69. Minute). Nur fünf Minuten später setzte sich der eingewechselte Levin Öztunali rechts stark gegen Bender durch und passte auf Zlatko Junuzovic. Der erzielte mit einer Direktabnahme die Führung. Doch Werder durfte nicht lange vom Sensationssieg träumen: Shinji Kagawa traf zum 2:2. Nach Marcel Schmelzers Flanke war der Japaner aus zehn Metern erfolgreich. Das war aber noch nicht der Endstand. Denn in der 82. Minute köpfte Adrián Ramos nach einer Ecke von Mchitarjan sogar den Siegtreffer.

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Bundesliga: Tuchel wechselt den Sieg ein
Unversöhnliche Fans: Mario Götze wird von vielen Medien mit einer Rückkehr nach Dortmund in Verbindung gebracht. BVB-Chef Hans-Joachim Watzke hatte leichtes Interesse daran signalisiert, den einst im Streit nach München gewechselten Weltmeister zurückzuholen. Diese Willkommenskultur gegenüber abtrünnigen Profis hatte sich aber noch nicht bis auf die Südtribüne herumgesprochen, auf der die Fans Götze nicht die Hand der Versöhnung reichten.

Personalmanagement des Spiels, offensiv: Ein befreundeter BVB-Fan befand nach dem Bremer Führungstreffer, es sei "typisch, wie viele Spiele Dortmund aus der Hand gibt." Bei allem Respekt: Das Gegenteil ist der Fall. Die von Tuchel so oft beschworene "Haltung" der Dortmunder zeigt sich auch darin, dass sich die Mannschaft nie aufgibt. Allein in der Rückrunde hat der BVB 13 Punkte in den zweiten Spielhälften erobert, nach Rückständen oder Unentschieden zur Pause. Gegen Bremen war das den goldrichtigen Einwechslungen zu verdanken: Shinji Kagawa war drei Minuten auf dem Platz, als er das 2:2 erzielte. Adrián Ramos nur 120 Sekunden, bevor er zum Sieg traf.

Der nächste Gegner ist immer der schwerste: Am Donnerstag steht für Dortmund das 47. Pflichtspiel der Saison an (21.05 Uhr, High-Liveticker SPIEGEL ONLINE). Jürgen Klopp kehrt zurück an die Stätte seiner größten Erfolge. Zeitgleich zum Dortmunder Sieg gegen Bremen spielten die Reds in der Premier League 1:1 gegen Tottenham Hotspur. Der BVB ist dann haushoher Favorit auf den Einzug ins Halbfinale. Wegen Aubameyang. Und wegen der personellen Optionen von Tuchel.



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thor1708 02.04.2016
1.
Die Leute mit den Bannern können sich gern ein PayTV-Abo besorgen und in Zukunft zu Haus bleiben. Ich bezweifel auch ganz stark, dass diese Menschen Prinzipien haben...aber fordern diese von Anderen. Mich hat es damals auch umgehauen als Götze zu den Bayern gegangen ist. Trotzdem sehe ich Ihn weiter gerne, genauso wie Lewandowski. Und eines ist immer klar, der Fan hat grundsätzlich die Klappe zu halten, zumindest wenn es negativ wird. Denn der Fan entscheidet sich Fan zu sein...er wird nicht gezwungen...Ole BVB...spannendes Spiel heute...vielleicht etwas zu spannend;)
aurichter 02.04.2016
2. Schade
der BVB hat genug Punkte und ich hätte mir einen Werder-Sieg erhofft. Bitter. Jetzt geht es aber wirklich an's Eingemachte für den SVW und es heisst Ärmel aufkrempeln, Piza wieder gesund und Buden vor allem Zuhause machen. Sollte Gladbach morgen gewinnen, ist der BVB schon mindestens Vizemeister am 28. Spieltag - auch eine Leistung ;-)
satspiegel 02.04.2016
3. 2. schlechteste Mannschaft
Werder ist der derzeit die 3. schlechteste Mannschaft in BULI, wenn man die gesamte SPON-Statistik nimmt. Da muss mehr kommen! Die 2. schlechteste ist Darmstadt.
spon-49j-k5ri 03.04.2016
4. Als Dortmundfan
Ich fange langsam an den Ramos zu mögen, der scheint auch in seiner Rolle und im Team angekommen. Freu mich auf Donnerstag.
heinzpeter0508 03.04.2016
5. Thomas Tuchel setzt die Tradition
grosser deutscher Fussballtrainer fort, nach Ottmar Hitzfeld und Jupp Heinkes.
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