Titelkandidat Dortmund Tief stapeln und treffen

Bayern München tönt und verliert - Dortmund bleibt bescheiden und siegt hoch. Mit dem beeindruckenden Erfolg gegen den HSV sind alle Zweifel verflogen, dass der BVB seinen Titel verteidigen kann. Die Rolle des Underdogs steht dem Team nicht mehr. Daran ändert auch das Fehlen einiger Leistungsträger nichts.

DPA

Von Jan Reschke


Was haben sie in Dortmund in der Winterpause nicht alles erzählt über die Vormachtstellung des FC Bayern München in der Bundesliga? Meister werde der FC Bayern. Die Dominanz der Münchner sei auf Jahre zementiert, das internationale Geschäft das einzige Ziel.

Der Rekordmeister ließ hingegen keine Gelegenheit aus, seine Stärke zu loben. Und was passiert am ersten Rückrundenspieltag? Bayern verliert 1:3 gegen Borussia Mönchengladbach und Dortmund deklassiert den Hamburger SV 5:1 (2:0). Noch dazu in dessen Stadion.

Überrascht von dem starken Auftritt seiner Mannschaft war BVB-Trainer Jürgen Klopp offenbar nicht: "Wir wollten nicht so irgendwie in die Rückrunde reinrutschen." Nein, irgendwie sind sie nicht reingerutscht. Eher fulminant gestürmt. Mit teils wunderbar heraus gespielten Toren von Kevin Großkreutz (16. Minute), Robert Lewandowski (37./84.) und Jakub Blaszczykowski (57./75.).

"Es war eine überragende taktische Leistung"

In Dortmund wissen sie um ihre Stärke. "Wir waren heute gnadenlos gut, wir haben unseren Fußball durchgezogen, das war wichtig. Es ist unglaublich, wie viel meine Mannschaft nach der Pause und dem Trainingslager investiert hat", sagte Klopp. Sportdirektor Michael Zorc ergänzte: "Es war eine überragende taktische Leistung." Auch Mittelfeldspieler Kevin Großkreutz fand das Gezeigte bemerkenswert: "Wir haben ein überragendes Gegenpressing gespielt."

Bei einer derart beeindruckenden Leistung kommt unweigerlich die Frage auf: Wer ist denn jetzt Meisterkandidat Nummer eins?

Für die Dortmunder ist die Lage klar. Vom Cheftrainer bis zum Platzwart beschwören sie die Stärke der Konkurrenz aus dem Süden. Die Beteiligten hüten sich in der Öffentlichkeit davor, Selbstvertrauen zur Schau zur stellen. "Der Sieg bedeutet, dass jetzt vier Mannschaften vorne sind, die eng zusammen sind. Mehr nicht", sagte Zorc. "Es ist gerade mal ein Spiel gespielt, bis Mai kann noch viel passieren", übte sich auch Dortmunds Kapitän Sebastian Kehl in Zurückhaltung

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Götze-Vertreter Blaszczykowski traf gleich doppelt

Knüpft der BVB in den kommenden Wochen an die Hamburg-Leistung an, wird es schwer, diese Linie beizubehalten. Dortmund hat gezeigt, dass es das derzeit das stärkste Team in der Bundesliga ist.

Dabei fehlten sogar zwei absolute Leistungsträger: Torwart Roman Weidenfeller und Jungstar Mario Götze. Das störte am Sonntagnachmittag aber niemanden. Götze-Vertreter Blaszczykowski traf gleich doppelt. Und die Abwehr verrichtete ihren Dienst so zuverlässig, dass Weidenfeller-Ersatz Mitch Langerak nur selten geprüft wurde.

So konnte Trainer Klopp sogar Götzes Ausfall etwas abgewinnen. "Das ist das Positive an der Verletzung, dass er etwas aus dem Fokus ist", sagte Klopp, "er ist wichtig für unser Spiel, aber nicht allein verantwortlich."

Die Rolle des Underdogs steht den Dortmundern nicht mehr

Die Perspektiven des BVB sind glänzend. Tiefstapelei nicht nötig. Zumal von den fünf Mannschaften, die neben den Borussen auf den ersten sechs Plätzen stehen, vier noch in Dortmund antreten müssen: Der FC Bayern, Borussia Mönchengladbach, Werder Bremen und Bayer Leverkusen. Auswärts spielen die Schwarz-Gelben nur beim Reviernachbarn FC Schalke 04.

Angesichts dieser Umstände steht die Rolle des Underdogs den Dortmundern nicht mehr. Im vergangenen Jahr, als vor der Saison niemand mit einer Meisterschaft der Dortmunder gerechnet hatte, hat man ihnen sie noch abgenommen. Nach der Partie beim HSV nicht mehr.

Kevin Großkreutz konnte nach dem Spiel dennoch nicht anders: "Was die Bayern und die Blauen machen, interessiert uns nicht. Wir schauen nur auf uns." Wenn er genau hin schaut, sieht er den Titelfavoriten 2012.

Hamburger SV - Borussia Dortmund 1:5 (0:2)
0:1 Großkreutz (16.)
0:2 Lewandowski (37.)
0:3 Blaszczykowski (57.)
0:4 Blaszczykowski (75. Foulelfmeter)
0:5 Lewandowski (84.)
1:5 Guerrero (86.)
Hamburger SV: Drobny - Diekmeier, Bruma, Westermann, Aogo - Kacar (46. Petric), Rincón - Lam, Tesche, Jansen (65. Sala) - Guerrero
Borussia Dortmund: Langerak - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Bender (82. Gündogan), Kehl (73. Leitner) - Blaszczykowski, Kagawa, Großkreutz - Lewandowski
Schiedsrichter: Wolfgang Stark
Zuschauer: 57.000
Gelbe Karten: Bruma (2) -

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Seite 1
fitzcarraldo66 22.01.2012
1. Sterne des Westens
Zitat von sysopBayern München tönt und verliert - Dortmund bleibt bescheiden und siegt hoch. Mit dem beeindruckenden*Erfolg gegen den HSV sind alle Zweifel verflogen, dass der BVB seinen Titel verteidigen kann. Die Rolle des Underdogs steht dem Team nicht mehr. Daran ändert auch das Fehlen einiger Leistungsträger nichts. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,810674,00.html
Ein Fußballexperte und Bayernfan hat am Freitag bei SPON groß getönt das weder der BVB noch S04 einen Punkt näher an die Bayern ranrücken werden, naja, die Bayern sollten das Angriffsspiel der obengenannten genau studieren damit sie ihren großen Tönen auch mal Taten folgen lassen.
mrdude 22.01.2012
2. schöner titel:
Zitat von sysopBayern München tönt und verliert - Dortmund bleibt bescheiden und siegt hoch. Mit dem beeindruckenden*Erfolg gegen den HSV sind alle Zweifel verflogen, dass der BVB seinen Titel verteidigen kann. Die Rolle des Underdogs steht dem Team nicht mehr. Daran ändert auch das Fehlen einiger Leistungsträger nichts. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,810674,00.html
passt abgewandelt auf Fink/HSV - grosse Schnauze-nix dahinter
mrdude 22.01.2012
3. ist denn irgendwem mal in den
Zitat von sysopBayern München tönt und verliert - Dortmund bleibt bescheiden und siegt hoch. Mit dem beeindruckenden*Erfolg gegen den HSV sind alle Zweifel verflogen, dass der BVB seinen Titel verteidigen kann. Die Rolle des Underdogs steht dem Team nicht mehr. Daran ändert auch das Fehlen einiger Leistungsträger nichts. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,810674,00.html
Sinn gekommen, das der BVB nicht gegen Schalke, Bayern, Werder...oder die andere Borussia gespietl hat...sondern gegen den HSV?
mrdude 22.01.2012
4. hier stehts...so sieht sich der HSV:
Zitat von sysopBayern München tönt und verliert - Dortmund bleibt bescheiden und siegt hoch. Mit dem beeindruckenden*Erfolg gegen den HSV sind alle Zweifel verflogen, dass der BVB seinen Titel verteidigen kann. Die Rolle des Underdogs steht dem Team nicht mehr. Daran ändert auch das Fehlen einiger Leistungsträger nichts. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,810674,00.html
"Das Problem ist, dass meine Mannschaft immer noch nicht begriffen hat, was sie kann." Jaja...Herr Fink...alles Klaro in der Birne!
jobie09 22.01.2012
5. na klar !
Zitat von mrdudeSinn gekommen, das der BVB nicht gegen Schalke, Bayern, Werder...oder die andere Borussia gespietl hat...sondern gegen den HSV?
Der HSV von heute ist ein Abstiegskandidat. Das wissen die Borussen und da hebt schon keiner ab. Dennoch haben die Konkurrenten gesehen, was die Truppe kann - und das sie in dieser Form um die Meisterschaft mitspielt.
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