Todesfälle auf WM-Baustellen Blatter lehnt Verantwortung für Katar-Skandal ab

Tote auf den Baustellen, doch der Chef des Fußball-Weltverbandes sagt: "Wir ziehen das durch." Joseph Blatter sieht die Fifa nicht in der Verantwortung für die Arbeitsbedingungen im WM-Gastgeberland Katar. Dafür seien allein die Bauunternehmen zuständig.

Fifa-Chef Blatter: "Wer ist dafür verantwortlich?"
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Fifa-Chef Blatter: "Wer ist dafür verantwortlich?"


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Hamburg - Laut Fifa-Boss Joseph Blatter ist der Fußball-Weltverband nicht für die Arbeitsbedingungen im WM-Gastgeberland Katar verantwortlich. "Uns tut das sehr leid, was da passiert", sagte Blatter: "In jedem Land der Welt kann es passieren, dass es Todesfälle auf Baustellen gibt, insbesondere auf WM-Baustellen." Einem möglichen WM-Entzug erteilte der 77-Jährige eine klare Absage: "Wir wollten Katar, und wir ziehen das durch."

Die britische Zeitung "The Guardian" hatte über zahlreiche Todesfälle auf den Baustellen für die WM im Emirat am Persischen Golf berichtet. Allein 44 nepalesische Gastarbeiter sollen zwischen dem 4. Juni und 8. August ums Leben gekommen sein, zur Hälfte an Herzversagen oder bei Arbeitsunfällen.

"Wer ist dafür verantwortlich?", fragte der 77 Jahre alte Schweizer: "Die Verantwortung für die Arbeitsrechte liegt bei den Unternehmen, und es gibt dort auch viele europäische Unternehmen."

Die Fifa werde "die Augen nicht verschließen", sagte der Präsident, könne aber nicht intervenieren: "Die Intervention kann nur von Katar selbst erfolgen." Die Führungsspitze des Emirates habe diese bereits angekündigt. Blatter wird demnächst persönlich nach Katar reisen und dem neuen Emir einen "Höflichkeitsbesuch" abstatten. Das katarische WM-Organisationskomitee habe der Fifa zudem eine Arbeiter-Charta gesandt, aus der hervorgehe, "dass sich verschiedene Ministerien mit diesem Thema befassen", so Blatter.

joe/sid/dpa

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toormaschine 04.10.2013
1. Rückzahlungsproblem
Wir wollten Katar ! Wer ist "wir" ? Das korrupte Vergabegremium ? Natürlich müssen die das durchziehen - die Schmiergelder sind ja schon verballert ! Und wenn dann in neun Jahren die WM in Katar stattfindet, lebt von diesen Greisen eh kaum noch einer.
to5824bo 04.10.2013
2. Katar
Warum nur ein "Höflichkeitsbesuch" in Katar? Von mir aus soll er ganz dableiben und seinen Lebensabend dort geniessen. Die Fußballwelt würde es ihm danken.
karamzin 04.10.2013
3. europäischer Boykott?
Zitat von sysopDPATote auf den Baustellen, doch Joseph Blatter sagt "Wir ziehen das durch": Der Chef des Fußball-Weltverbandes sieht die Fifa nicht in der Verantwortung für die Arbeitsbedingungen im WM-Gastgeberland Katar. Dafür seien allein die Bauunternehmen zuständig. http://www.spiegel.de/sport/fussball/todesfaelle-auf-wm-baustellen-blatter-lehnt-verantwortung-ab-a-926164.html
So kann das doch mit der FIFA nicht immer weiter gehen! Die WM-Vergabe nach Katar war von Anfang an eine groteske Fehlentscheidung. Da muss viel Geld geflossen sein. Für die Fans jedenfalls ist eine WM mitten in der Wüste ein Riesenquatsch. Und jetzt die Berichte über Dutzende Tote auf den Baustellen. Aber die FIFA will von all dem nichts hören. Das Geld der Scheichs ist offenbar von Blatter und seinen Leuten schon ausgegeben worden, das kann man jetzt nicht mehr zurückzahlen. Die UEFA sollte ernsthaft über einen Boykott der WM nachdenken. Eine Fußball-WM ohne Deutschland, Italien, Spanien, England usw. wäre ein starkes Signal, gegen die FIFA und übrigens für ein geeintes und den Menschenrechten verpflichtetes Europa. Vielleicht würde eine öffentliche Diskussion darüber, angestoßen z.B. von Beckenbauer oder Platini, ausreichen, um Blatter zum Einknicken zu zwingen.
aschie 04.10.2013
4.
44 Tote Arbeiter sind also ganz normal bei WM Baustellen.Wie Menschenveachtend muss mann als FiFa Präsident bloss sein . Also wenn da jetzt keine klare Aussage von Blatter mehr zu kommt werd ich mir kein Spiel irgendeiner WM mehr anschauen.
noalk 04.10.2013
5. Weitergedacht
Auch wenn ich ihn sonst nicht mag: Warum soll der Sepp für die Arbeitsbedingungen in Katar verantwortlich sein? Aus gutem Grund ist die FIFA nur als Organisator tätig, der fremde Infrastruktur nutzt. Auf die Spitze getrieben könnte man ebenso gut behaupten, die Fußballfans in aller Welt seien die eigentlich Verantwortlichen. Also, irgendwo hört's auch mal auf!
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