Torhüter-Diskussion Lehmann unter Beschuss

Er ist die Nummer eins unter den deutschen Torhütern, doch sicher kann Jens Lehmann sich nicht sein, auch bei der EM 2008 im Kasten zu stehen. Der Bundestrainer will einen Keeper mit Spielpraxis, Oliver Bierhoff legt ihm einen Vereinswechsel nahe. Und aus München greift ihn sein Vorgänger an.


Hamburg - In den EM-Qualifikationsspielen gegen Irland am Samstag (20.45, Liveticker SPIEGEL ONLINE) und am kommenden Mittwoch gegen Tschechien (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) wird Jens Lehmann wieder im Tor der deutschen Nationalmannschaft stehen. Die Ellenbogenverletzung ist auskuriert, der 37-Jährige fit. Das Comeback bei seinem Club FC Arsenal lässt freilich auf sich warten. Zuletzt war Lehmann am 19. August von Trainer Arsene Wenger aufgeboten worden.

Torhüter Lehmann (l.), Hildebrand (r.): Spielpraxis entscheidend
DDP

Torhüter Lehmann (l.), Hildebrand (r.): Spielpraxis entscheidend

"Wir werden die Spiele im Oktober und November abwarten und sehen, was bis dahin passiert" sagte Löw heute. "Natürlich wünschen wir uns von unseren Spielern, dass sie Spielpraxis in ihren Vereinen haben. Sollte sich die Situation bei Jens nicht verbessern, werden wir im Dezember ein Gespräch führen. Das habe ich mit ihm so vereinbart". DFB-Manager Oliver Bierhoff wurde in einem Interview mit dem "kicker" noch deutlicher: "Im Hinblick auf die EM ist es uns natürlich wichtig, dass wir einen Torhüter haben, der kontinuierlich spielt. Sollte dieses nicht der Fall sein, würde ich ihm dann raten, sich einen neuen Verein zu suchen, damit er dort im neuen Jahr kontinuierlich spielen kann."

Weiter sagte Löw: "Nach der WM war für mich klar, dass wir die Etappe bis zur EM 2008 mit Jens Lehmann bestreiten, vorausgesetzt er bringt gute Leistungen und spielt auf hohem Niveau. Tatsache ist derzeit aber auch, dass er auch verletzungsbedingt seit einigen Wochen bei seinem Club nicht mehr spielt. Das muss ich zur Kenntnis nehmen", so der Bundestrainer. Er betonte aber, dass der "selbstkritische" Lehmann zum einen fest davon ausgeht, demnächst bei den "Gunners" wieder zwischen den Pfosten zu stehen und er zudem in jeder Trainingseinheit der Nationalelf zu überzeugen wisse. "Deshalb gibt es für mich im Moment noch keine Veranlassung, an meinen Planungen zu zweifeln."

Auch Oliver Kahn hat sich zu Wort gemeldet, nachdem Lehmann in einem Interview mit dem SPIEGEL über seinen Vorgänger im DFB-Team gesagt hatte, dieser würde sich "halt manchmal gern wichtig" nehmen: "Ich mag es nicht, wenn sich einer glorifiziert." Kahn hatte zuvor bezweifelt, dass es bei der DFB-Elf in Zukunft wieder eine Torwart-Ära geben werde, wie sie Sepp Maier, Toni Schumacher, Bodo Illgner oder auch Kahn selbst geprägt hatten. Auf Lehmanns Aussagen konterte der Bayern-Torwart heute im "kicker": "Anstatt stillos auf frühere Kollegen loszugehen, sollte er eher dankbar sein, dass er überhaupt die Möglichkeit bekommt, in der Nationalmannschaft spielen zu dürfen, während er im Verein nicht spielt. Denn das gab es in dieser Art in der Geschichte des deutschen Fußballs noch nicht."

Zudem erfüllt ein anderer deutscher Torwart derzeit die von Löw und Bierhoff geforderte Spielpraxis: Timo Hildebrand. Bei seinem neuen Club FC Valencia hat der frühere Stuttgarter das Duell gegen seinen Kollegen Santiago Canizares offenbar für sich entschieden. "Ich stehe im Tor, und diesen Schritt will ich irgendwann auch bei der Nationalelf folgen lassen", sagte er der "Bild". Allerdings will Hildebrand keinen verbalen Zweikampf anzetteln. "Von mir wird es keine verbalen Attacken gegen Jens Lehmann geben." Er habe vor, seine Leistung sprechen lassen, sagte der 28-Jährige der Zeitung.

mti/sid



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