Torhüterstreit Neuer vs. ter Stegen Hoeneß würde DFB-Boykott-Aussagen "heute nicht mehr so machen"

Bayern-Präsident Uli Hoeneß hat gedroht, keine Spieler für die Nationalelf abzustellen, sollte Manuel Neuer von Marc-André ter Stegen als Nummer eins abgelöst werden. Gegenüber dem SPIEGEL entschärft er dies jetzt.

Uli Hoeneß
DPA/Peter Kneffel

Uli Hoeneß


In der Debatte um die Besetzung im Tor der deutschen Fußballnationalmannschaft hat der Präsident des FC Bayern München, Uli Hoeneß, laut "Sport Bild" mit einem Boykott der DFB-Elf gedroht. Angesprochen auf ein mögliches Szenario, dass Manuel Neuer von Ersatztorhüter Marc-André ter Stegen abgelöst werden könnte, zitiert das Magazin den scheidenden Bayern-Chef mit den Worten: "Bevor das stattfindet, werden wir keine Nationalspieler mehr abstellen."

Auf die Frage, ob ihn die Situation zwischen Neuer und ter Stegen an die Ablösung des damaligen Stammtorwarts Oliver Kahn vor der WM 2006 durch Jens Lehmann erinnere, antwortete Hoeneß nach Angaben des Magazins nach dem Champions-League-Spiel gegen Roter Stern Belgrad in der Vorwoche: "Nein. Aber wir werden das nie akzeptieren, dass hier ein Wechsel stattfindet."

Auf SPIEGEL-Nachfrage bestätigte Hoeneß, die Sätze gesagt zu haben, aber eben vor einer Woche. Nun relativierte der 67-Jährige die Drohung. In einer Antwort seines Büros heißt es: "Unmittelbar nach unserem CL-Spiel gegen Belgrad hat Herr Hoeneß zu den Diskussionen um die Nummer 1 bei der Nationalmannschaft Aussagen gemacht, die er mit etwas Abstand heute nicht mehr so machen würde. Das Thema ist für ihn längst erledigt, und es gibt dazu auch keine weiteren Aussagen von ihm."

Löw will sich nicht beeinflussen lassen

Zu dem öffentlich ausgetragenen Torwartstreit zwischen dem Bayern- und Nationalelf-Kapitän Neuer und ter Stegen vom FC Barcelona hatten sich sowohl Hoeneß als auch Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge bereits geäußert. Letzterer hatte Bundestrainer Joachim Löw indirekt kritisiert und "Dankbarkeit" gefordert. Hoeneß hatte vom DFB "mehr Unterstützung" erwartet. Es sei "doch klar, dass nur Manuel die Nummer eins ist."

DFB-Direktor Oliver Bierhoff hatte bereits auf die erste Bayern-Kritik mit Unverständnis reagiert. Der "Sport Bild" sagte er, er fürchte angesichts der Boykottdrohung keine Probleme bei der Spielerabstellung: "Zumal ein Verein laut Fifa-Statuten zur Abstellung verpflichtet ist."

Löw selbst wollte sich von der Kritik der Bayern in der vergangenen Woche nicht unter Druck setzen lassen. Der "Bild am Sonntag" sagte der 59-Jährige: "Von so was lasse ich mich nicht beeinflussen. Das lässt mich völlig entspannt in die Zukunft blicken."Auch Neuer hakte die Angelegenheit ab. "Für mich ist das Thema eh durch gewesen, das habe ich ja gesagt", sagte er nach dem 4:0 gegen den 1. FC Köln.

ngo/mey/dpa



insgesamt 94 Beiträge
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amasan 25.09.2019
1. Verstehe wer will
Ich habe den Überblick über die Situation verloren, es steht doch außer Frage, dass Neuer die #1 ist. Es gibt da doch gar keine Diskussion seitens der Mannschaft oder von Löw. Das alles wird aufgebauscht, weil ter Stegen unzufrieden war, dass sein Einsatz gestrichen wurde und Neuer das kritisierte, dass er seinen Frust öffentlich machte. Haben wir in Fußball Deutschland echt nichts handfesteres über unsere Mannschaft im Moment?
watcher57 25.09.2019
2.
...und wer hat sich sonst noch am Sack gekratzt ??
goliker 25.09.2019
3. Erstaunlich,
wie ein Mensch sich selbst demontieren kann.
Mister Stone 25.09.2019
4. Neuer sei viel besser
Zitat Uli Hoeness (ZDF Mediathek) "Manuel Neuer ist viel besser und erfahrener. Da gibt's überhaupt keine Diskussion". "Viel besser" sagt Hoeness. Nicht gleichwertig, oder besser, oder ein wenig besser, nein! Er sagt Neuer sei "viel besser". Hoeness hat den Ter Stegen wohl noch nie spielen sehen.
titoandres 25.09.2019
5. Ins Gefängnis
Diese Denkweise hat Hoeneß sind Gefängnis gebracht. Ganz gleich, was die Regeln sagen (FC Bayern muss Nationalspieler abstellen) und ganz egal, was unfair erscheint (Druck ausüben, damit der eigene Spieler in der NM spielt), Hoeneß ist nur radikal und ohne Rücksicht auf eigenen Vorteil bedacht. Wer das lustig findet oder immer wieder auf die angeblich so außergewöhnliche Lebensleistung des Uli H. verweist, dem fehlt es an Verständnis für Rechtstaatlichkeit und Fairness.
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