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WM-Teilnehmer Nordkorea: Schlauer, als die Fifa erlaubt

Foto: David Vincent/ DAV10

Torjäger als Torwart Fifa durchkreuzt Nordkoreas WM-Trickserei

Zum ersten Mal seit 1966 ist Nordkorea wieder bei einer Fußball-WM dabei - dafür heckte der Nationaltrainer des kommunistischen Landes einen verwegenen Plan aus: Er nominierte einen Stürmer als Torwart und wollte so mal eben die Fifa austricksen. Doch der Weltverband spielte nicht mit.

Hamburg - Kaum etwas ist bekannt über die Nationalmannschaft Nordkoreas, sie ist eine Armee der Namenlosen - zumindest in den Ohren europäischer Fußballfans. Nam Song Chol? Pak Chol Jin? Mun In Guk? Bitte, wer? Keiner der 23 nominierten Spieler steht bei einem internationalen Top-Club unter Vertrag.

Einer von ihnen könnte es dennoch bereits vor dem ersten WM-Spiel zu Ruhm bringen - wenn auch auf äußerst unglückliche Weise: Kim Myong Won, 27, Stürmer in Diensten des Staatsclubs Amrokgang. Er wird aufgrund einer Nominierungspanne voraussichtlich keine einzige Sekunde in Südafrika spielen dürfen.

Denn zu Kims Leidwesen hatte sein Trainer Kim Jong Hun - oder dessen Vorgesetzter, so genau weiß man das nicht - eine ganz besonders ausgefallene Idee: Er nominierte Stürmer Kim als Torwart. Auf diese Weise hatte das Team eine zusätzliche Offensivkraft im Kader und gleichzeitig die Vorlage der Fifa erfüllt, derzufolge in jedem WM-Aufgebot mindestens drei Torhüter stehen müssen.

"Nordkoreas listiger Plan ist fehlgeschlagen"

"Die nordkoreanischen Teamoffiziellen dachten anscheinend, sie seien listig, Kim als Torwart zu nominieren und ihn dann beim Turnier als Feldspieler einzusetzen", kommentierte der amerikanische Sender ESPN hämisch.

Auch die Fifa vermutete diese Absicht und machte den Nordkoreanern nun einen Strich durch die Rechnung: "Die drei als Torhüter nominierten Spieler dürfen während der Weltmeisterschaft nur als Torhüter eingesetzt werden, nicht als Feldspieler", heißt es in einem Statement des Weltverbands: "Kim Myong Won wird nicht als Feldspieler spielen dürfen, wenn er als Torwart gemeldet ist."

Zudem betonte die Fifa, dass nur im Falle einer schweren Verletzung noch ein Spieler bis 24 Stunden vor der ersten Partie nachnominiert werden dürfte. Damit steht fest: Nordkorea geht lediglich mit zwei hauptamtlichen Torhütern ins Turnier. Die britische BBC schreibt: "Nordkoreas listiger Plan ist fehlgeschlagen."

Harte Gegner: Brasilien, Portugal und die Elfenbeinküste

Zwar soll Kim laut ESPN in seinem Club schon einmal im Notfall als Torwart ausgeholfen haben. Doch normalerweise ist er Stürmer. Auf dieser Position kam er auch in der WM-Qualifikation zum Einsatz, in drei Partien wurde er eingewechselt. Insgesamt soll der 27-Jährige bislang neun Länderspiele absolviert haben. Doch diese Zahlen sind nicht belegt, selbst die Fifa kann keine offiziellen Daten nennen.

Denn das nordkoreanische Nationalteam ist ebenso abgeschottet wie das international isolierte kommunistische Regime in Pjöngjang. Zum ersten Mal seit 1966 nimmt das Land wieder an einer Fußball-Weltmeisterschaft teil. So passt der mutmaßliche Nominierungstrick letztlich nur ins Bild der geheimnis-umrankten Mannschaft aus Ostasien.

Ob der Plan die Chancen auf den Achtelfinal-Einzug überhaupt erhöht hätte, ist ohnehin zweifelhaft: In der Vorrundengruppe G trifft Nordkorea auf Brasilien, Portugal und die Elfenbeinküste.

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