DFL-Absage an Torlinientechnik Klare Fehlentscheidung

Phantomtreffer wird es in Deutschland auch in Zukunft geben: Die Vereine der Ersten und Zweiten Bundesliga lehnen die Torlinientechnologie ab - ein Fehler. Während das Spiel immer schneller wird und die Fernsehsender aufrüsten, bleiben die Schiedsrichter allein.
Phantomtor beim Spiel in Hoffenheim: Kein Raum für Diskussionen

Phantomtor beim Spiel in Hoffenheim: Kein Raum für Diskussionen

Foto: Simon Hofmann/ Bongarts/Getty Images

Gerechtigkeit hat ihren Preis, das gilt auch für den Profifußball. Rund 170.00 Euro im Jahr hätte jeder Verein der Ersten und Zweiten Bundesliga für ein technisches System bezahlen müssen, das die Kernfrage des Spiels einwandfrei klären würde: Tor oder kein Tor? Es ist enttäuschend, dass dem überwiegenden Teil der Clubs dieser Preis zu hoch ist und der deutsche Profifußball weiter ohne Torlinientechnik auskommen muss.

Die laufende Saison sollte mit dem Phantomtor von Hoffenheim den letzten Beweis dafür geliefert haben, dass eine Liga ohne technische Hilfen eine ungerechte Liga ist. Für die Vereine - in diesem Fall: die TSG Hoffenheim - ist diese Ungerechtigkeit vielleicht noch zu ertragen mit dem Verweis darauf, dass sich falsche Entscheidungen im Laufe einer Saison ausgleichen. Im Rückspiel in Leverkusen, passenderweise am Tag vor der Entscheidung über die Torlinientechnik, bekamen die Hoffenheimer einen Elfmeter zugesprochen, der eigentlich ein Freistoß hätte sein müssen.

Aus Sicht der Schiedsrichter sind solche Ungerechtigkeiten nicht zu tolerieren. Felix Brych wird für den Rest seiner Karriere dafür bekannt sein, ein Tor gegeben zu haben, das eindeutig keines war. Weil ihm ein Fehler unterlaufen war, wie er Menschen passieren kann im immer schneller werdenden Bundesliga-Betrieb.

Kein Raum für Diskussionen

Traditionalisten lehnen technische Hilfen mit dem Hinweis ab, dass der Fußball seine menschliche Seite behalten solle, schließlich erfreue man sich an den Stammtischen noch heute der Diskussionen um das berühmte Wembley-Tor aus dem WM-Finale von 1966, das in Wahrheit nicht mehr war als ein Wembley-Lattenkracher. Seinerzeit war das Spielfeld allerdings noch nicht umstellt mit Legionen von HD- und Super-HD-Kameras, auch Zeitlupen gab es nicht.

Der Hochglanz-Fernsehfußball des 21. Jahrhunderts lässt für Debatten keinen Raum, über Kießlings Phantomtor von Hoffenheim gab es nichts zu diskutieren. Das Tor hätte nicht zählen dürfen, das wusste jeder TV-Zuschauer innerhalb von Sekunden, auch die Menschen im Stadion waren dank ihrer Smartphones umgehend über Brychs Fehler informiert - nur der Schiedsrichter selbst wusste nichts von seinem Missgeschick. Und weil die Tatsachenentscheidung im Fußball heilig ist, konnte es auch nachträglich nicht rückgängig gemacht werden.

Aufgrund des neuen Votums der Profi-Vereine werden die Schiedsrichter auch künftig alleingelassen.

Dass ein Teil der Clubs die Kosten als Grund für die Ablehnung der Torlinien-Technik nennt, ist in doppelter Hinsicht unverständlich. Denn erstens setzt die Branche Milliarden um. Und zweitens sollte die Abwägung von Kosten und Nutzen nicht das Hauptargument sein bei der Entscheidung über richtig und falsch im Fußball, über Recht und Unrecht.

In England werden enge Torsituationen seit dieser Saison mit technischen Hilfen entschieden, genau so war es beim Confed-Cup in Brasilien im vergangenen Jahr. Auch bei der Weltmeisterschaft im Sommer wird ein solches Verfahren angewendet werden. Das Fernsehpublikum hat innerhalb von Sekunden Zugang zu den Bildern, die das System liefert, sie sehen aus wie bei einer Computersimulation. Mit ihrem Nein zur Torlinientechnik hat die Bundesliga die Chance verpasst, sich im europäischen Vergleich als moderne Liga zu präsentieren.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.