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Leverkusens Unentschieden in Donezk: Leno, Leno, Leno

Foto: Ole Spata/ dpa

Bayer-Retter Leno Der Mann mit den 1000 Händen

Bernd Leno hier, Bernd Leno da - der Torwart von Bayer Leverkusen hat in der Champions League bei Schachtjor Donezk überragend gehalten. Die ersten Rufe nach der Nationalmannschaft kommen schon auf. Aber davon will der 21-Jährige nichts wissen.

Die leichteste Übung für Bayer Leverkusen an diesem Abend war die Kür ihres besten Spielers. Lange mussten Teamkollegen und Trainer wirklich nicht überlegen, bei wem sie sich im Anschluss an das glückliche 0:0 bei Schachtjor Donezk bedanken mussten. "Bernd Leno hat ein paar unglaubliche Bälle gehalten und uns im Spiel gehalten", sagte Bayer-Coach Sami Hyypiä, und da wollte ihm beileibe niemand widersprechen.

Besonders in der ersten Halbzeit war es nur dem 21-jährigen Torhüter geschuldet, dass Bayer in der Ukraine nicht unterging. Gegen Bernard, gegen Jaroslaw Rakitski reagierte er zweimal glänzend und war dann doch einmal geschlagen. Doch der Ball von Schachtjor-Kapitän Dario Srna blieb am Innenpfosten hängen.

"Er hält seit Wochen überragend, heute wieder", befand Teamkollege Simon Rolfes, und Teamchef Rudi Völler lobte vor allem "die Eiseskälte, mit der er solche Spiele angeht". Um dann noch das Unvermeidliche anzufügen: "Nach solchen Spielen kommen natürlich die Rufe, wann er mal eine Chance in der Nationalmannschaft bekommt."

"Durch Gelaber ist noch keiner zum DFB gekommen"

Nun hat Bayer Leverkusen, was den Umgang mit der Nationalmannschaft und Berufungen durch den Bundestrainer anbetrifft, zuletzt nicht das glücklichste Händchen gehabt, und der Vielgelobte beeilte sich denn auch, das Thema ganz schnell zu versachlichen. "Durch Gelaber ist noch keiner in die Nationalmannschaft gekommen. Ich muss einfach meine Leistung bringen. Das habe ich über Wochen und Jahre gemacht. Ich werde nichts fordern, das ist nicht meine Art", so Leno.

In der U21-Nationalmannschaft hat er seinen Platz relativ sicher, er steht hier im Wechsel mit seinem Rivalen Marc-André ter Stegen zwischen den Pfosten. Leno und ter Stegen, beide zurzeit in bestechender Form, als Torwartnachwuchs: Das würden sich viele andere europäische Fußballnationen als ihre erste Wahl wünschen.

In Donezk hatte Leno eine Leistung abgeliefert, die selbst die zurückhaltende Deutsche Presse-Agentur ins Schwärmen brachte. Leno habe sich in einen "Rausch" gesteigert, jubelte die dpa, und die "Bild"-Zeitung griff zum allerdings naheliegenden Wortspiel "Bayer Lenokusen".

Er habe gleich gemerkt, dass es ein besonderer Abend werden könne, sagte er anschließend: "Ich war voll unter Strom. Innen drin hat es gebrodelt, die Paraden waren Ausdruck dieses Brodelns."

Bayer hat den Schwung der Vorwochen eingebüßt

Seinen Mitspielern hätte man dagegen ein bisschen mehr von diesem Vulkan-Gefühl gewünscht, das war dann doch mehr kalte Lava, was Stefan Kießling und Co. in der EM-Arena von 2012 ablieferten. Mit dem Punktgewinn steht man in der Gruppe hinter Tabellenführer Manchester United zwar nach wie vor gut da, aber der Schwung der Vorwochen scheint ein wenig dahin zu sein.

Nach dem 0:1 beim Tabellenletzten Eintracht Braunschweig am vergangenen Wochenende enttäuschte die Elf auch in der Ukraine. Die hochkarätige Offensive um Kießling, Sidney Sam und Heung-Min Son blieb trotz einiger Chancen zu Spielende letztlich harmlos. Dazu kamen eklatante Schwächen auf der Außenbahn, wo sich Verteidiger Sebastian Boenisch von Srna in schöner Regelmäßigkeit überlaufen ließ. Der Kroate hatte wohl selten in einer Champions-League-Partie so ausreichend Platz zum Flanken wie am Dienstag.

Bayer steckt derzeit in einer kleinen Leistungsdelle - in einem Saisonverlauf und angesichts eines Teams, das neben Routiniers auch eine Menge junger Spieler in den Reihen hat, ist das allerdings auch relativ normal. Möglicherweise hat auch die Dauerdebatte um das Phantomtor von Sinsheim die Mannschaft doch mehr beeinflusst, als sie es selbst wahrhaben mochte.

Am Torwart sind diese kleinen Malaisen allerdings spurlos vorbei gegangen. Bernd Leno hatte gleich zu Anfang der Saison seine Unsicherheiten, die hat er derzeit sicher im Griff. Dass aber auch er an seine Grenzen kommt, wurde ihm ganz am Ende dieses Europapokal-Abends dann doch noch aufgezeigt. Als seine Mitspieler schon alle im Mannschaftsbus saßen und auf die Abreise warteten, kämpfte Leno immer noch mit der Dopingkontrolle.