Toter Fußballfan Atlético verbannt Frente-Anhänger aus dem Stadion

Der spanische Fußballmeister Atlético Madrid greift nach dem Tod eines Anhängers von Deportivo La Coruña hart durch. Laut Atlético-Präsident Miguel Ángel Gil Marín wird die Fangruppierung Frente Atlético aus dem Stadion Vicente Calderón verbannt.

Atlético-Anhänger Frente: Raus aus dem Stadion
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Atlético-Anhänger Frente: Raus aus dem Stadion


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Hamburg - Atlético Madrid reagiert auf den Tod eines Anhängers beim Erstligaspiel gegen Deportivo La Coruña: Der Fußballverein hat seinen Fanklub Frente Atlético aus dem Stadion Vicente Calderón verbannt. Das bestätigte Präsident Miguel Ángel Gil Marín. "Wir haben uns dazu entschieden, Frente Atlético als Strafe auszuschließen. Eine Sache ist, sie zu verbannen. Eine andere Sache ist, sie aufzulösen. Ich bin aber niemand, der die Gruppe auflösen kann", sagte Gil. Angehörigen der Organisation, die Mitglieder des Vereins seien, solle die Mitgliedschaft auf Lebenszeit gekündigt werden, hieß es.

Deportivo will nach eigenen Angaben bei den kommenden beiden Heimspielen - am Mittwoch im Pokal gegen den FC Málaga und am Samstag im Liga-Duell gegen denselben Gegner - jene Tribüne "symbolisch schließen", die für Ultras reserviert ist.

Ein Deportivo-Ultra war am Sonntag bei Auseinandersetzungen rivalisierender Fangruppen vor der Partie ums Leben gekommen. Rund 200 Ultras hatten sich in der Nähe des Calderón verabredet und waren mit Stöcken, Messern und Flaschen aufeinander losgegangen, Francisco Javier Romero wurde dabei in den Fluss Manzanares geworfen. Der 43-Jährige erlitt einen Herz- und Atemstillstand und eine Gehirnerschütterung, er starb wenige Stunden später im Krankenhaus.

21 Fans, die nach den Krawallen festgenommen worden waren, wurden dem Ermittlungsrichter in Madrid zum Verhör vorgeführt. Die Polizei legt ihnen unter anderem Beteiligung an einer Massenschlägerei sowie Widerstand gegen die Staatsgewalt zur Last. Eine Anzeige wegen Totschlags werde noch nicht erwogen, berichteten Medien unter Berufung auf die zuständigen Behörden.

Die Frente-Gruppierung wird dem rechten Spektrum zugerechnet, einige Mitglieder sollen spanischen Neonazis nahestehen; die Deportivo-Anhänger Riazor Blues gilt dagegen als linksradikal. Das Spiel war im Vorfeld als "niedriges Risiko" eingestuft worden, nur 150 Polizeibeamte waren abgestellt worden. Am Donnerstag werden Vertreter der Liga und des spanischen Verbandes das weiteren Vorgehen beraten.

psk/sid



insgesamt 8 Beiträge
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BerlinBhoy 02.12.2014
1. 150 Beamte
Da treffen vermeintlich Rechte auf vermeintlich Linke und das Spiel wird nicht als Gefährlich eingestuft? Jedes Oberligaspiel in deutschland hat mehr Ordnungshüter wenn auch nur ein hauch Politik im Spiel ist und in der ersten spanischen Liga kommen nur 150 Beamte zum Einsatz? Ich will die Aktion der Fans auf beiden Seiten nicht gut heißen, aber der Verband, die Stadt und die Vereine sollten sich da auch selbst mal fragen was sie falsch gemacht haben.
ctulhu 02.12.2014
2. Mitleid?
Ist hier fehl am Platz. Wenn denn der Inhalt stimmt - das ist wie Boxen oder Ultimate Fighting. Wer sich auch so einen Schwachsinn einlässt, der muss mit dem schlimmsten Rechnen... ...die Reaktion der Vereinsleitung Atleticos ist aber vorbildlich, wenn auch nicht sonderlich wirksam...
mrkanister 02.12.2014
3.
BerlinBhoy, das mag Sie vielleicht überraschen doch nicht in allen Ländern geht Fußball stets mit Saufen, Krawall und dem Einsatz von Hundertschaften einher. Ja, es ist sogar möglich El Classico in einer Bar mit Real und Barca Fans zusammen zu gucken. Viele Grüße aus Madrid!
Stäffelesrutscher 02.12.2014
4.
»Die Frente-Gruppierung wird dem rechten Spektrum zugerechnet, einige Mitglieder sollen spanischen Neonazis nahestehen; die Deportivo-Anhänger Riazor Blues gilt dagegen als linksradikal. Das Spiel war im Vorfeld als "niedriges Risiko" eingestuft worden,« Wie bitte? Und was ist dann "hohes Risiko"?
NauMax 02.12.2014
5.
Zitat von mrkanisterBerlinBhoy, das mag Sie vielleicht überraschen doch nicht in allen Ländern geht Fußball stets mit Saufen, Krawall und dem Einsatz von Hundertschaften einher. Ja, es ist sogar möglich El Classico in einer Bar mit Real und Barca Fans zusammen zu gucken. Viele Grüße aus Madrid!
Das mag Sie jetzt überraschen, aber das ist in Deutschland nicht anders. Nur muss man die Ultras voneinander fernhalten, erst recht, wenn sie verschiedene politische Gesinnungen verfolgen. Das CL-Finale 2013 habe ich mit einer größeren gemischten Fangruppe vor dem heimischen TV verfolgt und ich musste danach keine neue Inneneinrichtung kaufen ;-)
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