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Tottenham-Hotspur-Stadion: Neue Heimat für die Spurs

Foto: JOHN SIBLEY/ Action Images via Reuters

Neues Tottenham-Stadion Ein Prachtbau für die Profitmaschine

Die neue Arena von Tottenham Hotspur hat das Zeug zur Kultstätte - der Klub will zu den wichtigsten der Welt gehören. Im Geldverdienen sind sie in Nordlondon schon jetzt die Größten.

Am Ende eines bewegten Abends saß Mauricio Pochettino im Pressesaal des neuen Stadions, der mit seinen Ledersesseln riecht wie das Innere eines Neuwagens, und sprach über Druck. Natürlich, sagte der argentinische Trainer von Tottenham Hotspur: "Es gab ein bisschen Druck. Aber unsere Leistung war gut. Es fängt schon an, sich nach Zuhause anzufühlen."

Sein Klub hatte mit der Partie gegen Crystal Palace (2:0) endlich sein rund eine Milliarde Pfund teures Stadion eröffnet, mit fast einer kompletten Saison Verspätung. Es wurde nur leicht versetzt zu der Stelle errichtet, an der bis 2017 die White Hart Lane gestanden hatte. Der Anstoßpunkt der alten Spielstätte ist im Boden des South Stand der neuen Arena markiert.

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Der Abend wurde als große Heimkehr inszeniert. "Welcome Home" stand auf Bannern an den Laternenmasten an der Tottenham High Road, an der die Arena liegt wie ein riesiges Raumschiff, das in dem dicht besiedelten Viertel gelandet ist. "Welcome Home" leuchtete es von den Videowänden an der Fassade, als die Zuschauer vor dem Anpfiff mit schnellen Schritten durch den plötzlich einsetzenden Schneeregen zu der neuen Spielstätte strömten. "Welcome Home" stand auf Zehntausenden blauweißen Fahnen, die der Verein im Stadion hatte verteilen lassen.

"Solche Momente behält man für immer im Herzen"

"Es gab ein bisschen Druck": Nicht nur den Druck, den jede Premiere mit sich bringt. Nicht nur den Druck, der sich in der langen Wartezeit aufgebaut hatte, sondern auch den sportlichen Druck: Ins Eröffnungsspiel gingen die Spurs mit der schlechtesten Serie, die sie in fünf Jahren unter Pochettino je erlebt hatten: vier Niederlagen aus fünf Premier-League-Spielen. Nach einer mäßigen ersten Hälfte gegen Crystal Palace gelang die Eröffnung aber durch zwei Tore im zweiten Durchgang. Tottenham rückte wieder auf den dritten Platz vor.

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Fußballstadien: Europas Top-Arenen

Foto: A2800 epa Andy Rain/ dpa

Bei der Eröffnungszeremonie vor dem Anpfiff waren zuvor auf den riesigen Anzeigetafeln in den vier Ecken des Stadions Bilder von der alten White Hart Lane gezeigt worden, Chöre traten auf, ein Feuerwerk erhellte den grauen Himmel über Nordlondon. Die Gesänge der Fans wurden mit besonderer Euphorie vorgetragen nach der Heimkehr aus dem Exil im Wembley-Stadion nach fast zwei Saisons. Nach der Partie sprach Trainer Pochettino davon, dass er "so stolz und so glücklich" sei: "Solche Momente behält man für immer im Herzen und in den Erinnerungen."

Seine Begeisterung war verständlich. Das neue Stadion mit Platz für mehr als 62.000 Zuschauer ist ein Prachtbau, der sich mit den bedeutendsten Arenen Europas messen kann. Die Zuschauer sind nah am Spielfeld, die Ränge sind steil. So fühlt sich die Spielstätte trotz ihrer Größe kompakt an. Der South Stand soll die englische Variante der Dortmunder Südtribüne sein. Hier entsteht die Stimmung.

Der Klub will einer der größten der Welt werden

Die Akustik des Stadions ist herausragend. Es mag nicht so laut sein wie zum Beispiel die Anfield Road in Liverpool an guten Tagen, dafür klingt es anmutiger und voller, wenn die Zuschauer ihr langgezogenes "Ooooooooh when the Spurs... gooooooo marching in" singen. Die Arena ist ein zentraler Baustein in Tottenhams Plan, zu "einem der größten Klubs der Welt" (Vorstand Daniel Levy) aufzusteigen, und hat beste Voraussetzungen, eine Kultstätte des modernen Fußballs zu werden.

Allerdings wurde gegen Crystal Palace auch ersichtlich, dass das Stadion allein noch keine Stimmung erzeugt. Wenn auf dem Rasen nichts passierte, war es oft auch auf den Rängen still. Wie in jeder anderen Spielstätte der Premier League waren zeitweise nur die Gästefans zu hören. "Is this the Emirates?", höhnten sie nach einer knappen halben Stunde, als Anspielung auf das als nicht besonders mitreißend bekannte Ambiente im Stadion des Lokalrivalen FC Arsenal.

Beim Abpfiff blieben größere Feierlichkeiten aus. Tottenhams Fans jubelten kurz, schwenkten noch einmal ihre Fahnen und verließen die neue Heimat zügig.

Die Eröffnung ist gelungen. Crystal Palace war ein dankbarer Gegner, den die Mannschaft wohl auch unter Ausschluss der Öffentlichkeit besiegt hätte. Am Dienstag (21 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV Sky) ist Manchester City im Viertelfinalhinspiel der Champions League zu Gast im Norden Londons. Die Champions League, das ist der Maßstab für den sportlichen und auch für den finanziellen Erfolg des Klubs.

Die Voraussetzungen dafür sind gut: Am Tag nach dem Spiel veröffentlichte Tottenham seine Geschäftszahlen der Vorsaison. Der Gewinn betrug demnach 2017/2018 113 Millionen Pfund nach Steuern. Das entspricht 132 Millionen Euro - und ist der größte Profit, den je ein Fußballklub auf der Welt gemacht hat.

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