Trainer-Aus Schalke und Rutten - Trennung auf Raten

"Keine Zukunft auf Schalke": Fred Rutten verkündete heute selbst sein Aus in Gelsenkirchen zum Saisonende. Aber auch der Trainer weiß wohl, dass er so lange nicht bleiben wird. Der Club hofft auf eine billige Trennung - und vielleicht sogar eine Ablöse.


Hamburg - Aus im Uefa-Cup, Aus im DFB-Pokal, Absturz auf Platz acht in der Bundesliga, Trennung von Manager Andreas Müller - als wenn das Chaos beim FC Schalke 04 nicht schon groß genug wäre, verkündet am Donnerstag der Trainer, dass er in der kommenden Saison nicht mehr in Gelsenkirchen arbeiten darf. Ob Fred Rutten wirklich bis zum Saisonende bleibt, steht nicht fest, darf aber getrost bezweifelt werden.

Der heutige Tag ist nur eine weitere Etappe einer Trennung auf Raten.

Trainer Rutten: Keine Zukunft auf Schalke
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Trainer Rutten: Keine Zukunft auf Schalke

"Geschäftsführer Peter Peters hat mir in den vergangenen Tagen gesagt, dass es nächste Saison keine Zukunft für Fred Rutten auf Schalke gibt", sagte der 46-Jährige nach dem Training am Donnerstag den Journalisten. Die Frage, ob er bis zum 23. Mai auf Schalke tätig sein darf, könnten Peters, der Schalke-Vorsitzende Josef Schnusenberg und Aufsichtsrats-Chef Clemens Tönnies beantworten - sie alle waren am frühen Nachmittag für Stellungnahmen aber telefonisch nicht erreichbar. Hatte der Trainer sie mit seinen Aussagen überrascht?

Klar ist nur: Das Taktieren auf beiden Seiten geht weiter. Das Training am Freitag wird jedenfalls entgegen der bisherigen Ankündigung nicht öffentlich sein. Beobachter sind sich sicher, dass Schalke die unmittelbare Entlassung nicht vollzieht, um eine Abfindung zu sparen, vielleicht sogar eine Ablösesumme kassieren zu können oder zumindest dem künftigen Manager die Entscheidung zu überlassen.

Dieser - Favorit auf die Nachfolge des beurlaubten Andreas Müller ist weiterhin der frühere Nationaltorhüter Oliver Kahn - hat nun entweder keinen Einfluss mehr darauf, ob Rutten im kommenden Jahr noch in Gelsenkirchen tätig ist, oder aber der neue Manager steht bereits fest und hat sich intern deutlich geäußert. Möglich ist auch, dass der Noch-Trainer mit der eigenmächtigen Verkündung der baldigen Trennung sein Ende auf Schalke beschleunigt.

Rutten erklärte, er bedauere das vorzeitige Ende der Zusammenarbeit, "denn Schalke ist ein super Verein und hat sehr großes Potential mit Fans in ganz Deutschland, die nahe am Verein sind". Zudem versicherte er: "Ich bin hier Cheftrainer und mache meine Arbeit. Es macht mir immer noch Spaß, hier zu arbeiten." Rutten hat beim Tabellen-Achten noch einen Vertrag bis 2010. Beim niederländischen Meister PSV Eindhoven soll er Top-Kandidat auf den Trainerposten im Sommer sein. Doch Rutten versicherte: "Ich bin nicht mit Eindhoven im Gespräch, sondern konzentriere mich auf meine Sache mit Schalke."

Rutten war vor Saisonbeginn von Twente Enschede verpflichtet worden, nachdem er den niederländischen Erstligisten überraschend in die Qualifikation zur Champions League geführt hatte. Unter ihm schied Schalke, das in der vergangenen Saison noch im Viertelfinalist der Königsklasse stand, jedoch in der Champions-League-Qualifikation, im Uefa-Cup und im DFB-Pokal vorzeitig aus. In der Liga haben die Königsblauen sieben Punkte Rückstand auf einen Uefa-Cup-Platz. Der dritte Rang ist sogar schon elf Zähler entfernt.

Derweil meldeten sich auch wieder die beiden Macher aus erfolgreichen Schalker Zeiten mit harscher Kritik zu Wort. Ex-Manager Rudi Assauer monierte in der "Nordwest-Zeitung Oldenburg", die Verantwortlichen seien "im Moment ein bisschen kopflos" und erklärte: "Wenn ich wiederkommen soll, müssen 20 Leute verschwinden." Und auch Ex-Trainer Huub Stevens, der sich für eine Rückkehr in Stellung gebracht hatte, aber bisher nicht kontaktiert wurde, sagte im "Kicker": "Das kann ja gar nicht sein, wie viele Leute dort mitreden. Diese Unruhe ist ganz schlecht."

Die Entscheidung, wer den Manager-Posten übernimmt, soll nach einer Ankündigung des Aufsichtsrats-Vorsitzenden Tönnies vielleicht noch in dieser Woche fallen. Nach Absagen von DFB-Sportdirektor Matthias Sammer, DFB-Teammanager Oliver Bierhoff und des Frankfurter Managers Heribert Bruchhagen, ist Kahn der klare Favorit. Auch Wolfsburgs Felix Magath bleibt offenbar ein Kandidat.

Nach Angaben des "Kicker" soll sich Tönnies sogar auch über Arséne Wenger, Teammanager des FC Arsenal, informiert haben.

goe/sid/dpa

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