Trainer der Titelanwärter Große Ziele, tiefe Narben

Leverkusen, Schalke und Bayern kämpfen um die Meisterschaft - es ist auch ein Dreikampf großer Trainerpersönlichkeiten. Jupp Heynckes, Felix Magath und Louis van Gaal sollen den Titel holen - und gleichzeitig auch ihre Clubs erneuern.

dpa

Der Fußballgott scheint mal wieder verrückt zu spielen, jetzt wo der lange Winter zu Ende geht und die Meisterschaft vor ihrer entscheidenden Phase steht. Zuletzt schien in der Bundesliga ja alles zu werden wie immer: Schalke und Leverkusen teilen ihr traumatisches Schicksal als ewige Versager, und am Ende jubeln die Bayern. Doch nun hat der Zufall (Oder war es doch eine höhere Macht?) sich entschieden, den Rekordmeister an sein eigenes großes Trauma zu erinnern.

Am Freitag bei der Auslosung des Champions-League-Viertelfinals wurde den Münchnern Manchester United zugeteilt, jenes Team das im Finale von 1999 in der Nachspielzeit eine 1:0-Führung der Bayern in eine 1:2-Niederlage verwandelte. In Zeitungen, im Internet, überall tauchten die alten Bilder von jener furchtbaren Nacht auf. Und als sei das nicht genug, verspielten die Münchner nur einen Tag später in Frankfurt nach demselben Muster eine 1:0-Führung und verloren noch.

Bayern, Schalke und Leverkusen präsentieren sich zu Beginn der letzten Phase dieser Bundesliga-Saison vereint im Kampf gegen ihre schlimmsten Erinnerungen.

Kein Wunder, dass Louis van Gaal der Schrecken ins Gesicht geschrieben stand. Denn natürlich weiß der Münchner Trainer genau, dass solche Niederlagen Narben hinterlassen. Sie gefährden seinen großen Plan. Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandschef des FC Bayern, hat in einem Interview mit der "Frankfurter Rundschau" ehrfürchtig erklärt, dass die Münchner "noch nie einen Trainer mit so viel Mut" gehabt hätten, um ein paar Sätze später skeptisch anzumerken: "Hoffentlich wird er nicht zu mutig." Dieser Verdacht liegt nun nahe.

Dämpfer für van Gaals couragiertes Konzept

Vielleicht ist es doch ein wenig zu kühn, dass der holländische Trainer das 17-jährige Offensivtalent David Alaba regelmäßig in der Viererkette einsetzt. Der junge Österreicher hat in Frankfurt beide Gegentore verschuldet, die Niederlage war daher nicht nur ein Rückschlag für das Meisterschaftsprojekt der Münchner, sondern auch ein Dämpfer für van Gaals couragiertes Konzept, Spieler selber auszubilden, statt sie der Konkurrenz abzuwerben. "Der große Fehler wurde vorher gemacht", kommentierte der Holländer Alabas Versagen dünnhäutig. Dass die Bayern seit Wochen ein Problem mit ihrer defensiven Stabilität haben, ist aber nicht zu übersehen, und es erhöht die Chancen der Konkurrenz.

Routinierter gingen da die Leverkusener mit ihrem 0:3 von Dortmund um. Natürlich war auch hier das Trauma anwesend, denn die Partie wies alle typischen Merkmale des Leverkusener Scheiterns auf: Zuerst haben sie grandios aufgespielt, beste Chancen verpasst, um dann dramatisch zusammenzubrechen. "Die Frage habe ich jetzt schon 27-mal beantworten müssen", erwiderte Heynckes, als er auf die immer gleiche Leverkusener Geschichte angesprochen wurde. Seine Mannschaft sei eben jung, da passierten solche Dinge.

Erstaunlich jung sind auch die Teams aus Gelsenkirchen und aus München, das ist modern, das ist Zeichen einer gewissen Sparsamkeit, vor allem aber erhöht es die Wahrscheinlichkeit, dass diese Meisterschaft noch so manche unerwartete Wendung nimmt. Auch deshalb ist dieser Titelkampf mehr als in den vergangenen Jahren ein Dreikampf großer Trainerpersönlichkeiten.

Felix Magath hat wohl den schwierigsten Job

Alle drei Vereine mit Titelambitionen sind unter einem neuen Fußballlehrer in die Saison gestartet, und alle drei Trainer befinden sich auf einer übergeordneten Mission: Sie sollen ihre Clubs erneuern. Louis van Gaal verfolgt das Ziel, den Bayern eine eigene Idee von Fußball einimpfen, statt eine Ansammlung der besten Spieler des Landes bei Laune zu halten. Jupp Heynckes ist dabei, die seit vielen Jahren oft sehr schön, aber am Ende nur mäßig erfolgreich spielenden Leverkusener nachhaltig mit der Fähigkeit auszustatten, öfter mal hässlich zu gewinnen. Und Felix Magath hat wohl den schwersten Job.

Er soll in seiner Doppelfunktion als Trainer und Manager die finanziell angeschlagenen Schalker in ein seriöses Unternehmen verwandeln und trotz leerer Kassen den Titel gewinnen. Damit endlich das Trauma der verlorenen Meisterschaft von 2001 überwunden wird.

Und ein ganz klein wenig mischt sich in diesen extrem spannenden Wettbewerb auch der Kampf der Holländer gegen ihr ganz spezielles Trauma des Scheiterns. Schließlich besetzen mit Trainer Louis van Gaal, mit Kapitän Mark van Bommel und mit Superstar Arjen Robben gleich mehrere Niederländer Schlüsselpositionen beim FC Bayern.

insgesamt 2378 Beiträge
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Seite 1
noodl 12.03.2010
1.
Zitat von sysopNoch ist der Titelkampf in der Fußball-Bundesliga völlig offen. Bayern, Bayer, Schalke - oder gar noch ein anderer Club: Wer liegt am Ende vorne?
Bayern.
ulan 1 12.03.2010
2. Ganz einfach
Zitat von sysopNoch ist der Titelkampf in der Fußball-Bundesliga völlig offen. Bayern, Bayer, Schalke - oder gar noch ein anderer Club: Wer liegt am Ende vorne?
Geld regiert die Welt. Da kein deutscher Fußballverein Bayern München hierin die Hand reichen kann, ist das Ergebnis eindeutig. Bis auf ganz wenige "Ausrutscher" hat sich diese Wahrheit für Bayern Münschen bestens und beständig gewährt. Es ist nahezu uninteressant, die Bundesliga dahingehend zu verfolgen, Sieger wird, wer die besten Spieler einkaufen kann.
Haio Forler 12.03.2010
3. .
Zitat von sysopNoch ist der Titelkampf in der Fußball-Bundesliga völlig offen. Bayern, Bayer, Schalke - oder gar noch ein anderer Club: Wer liegt am Ende vorne?
Bayern.
Kanzla87 12.03.2010
4.
Auch unter Beachtung des Restprogramms sehe ich (leider) die Bayern im Vorteil. Die nächsten 5 Wochen werden entscheident sein, dann da spielen alle 3 Mannschaften fast ausnahmslos gegen Teams aus dem oberen Tabellendrittel. Leverkusens Restprogramm mit Hamburg, Dortmund, Schalke, Frankfurt, Bayern und Stuttgart in den nächsten 6 Wochen klingt beeindruckend und wir enorm schwer. Auch Schalke hat mehrheitliche starke Gegner... Fazit: Bayern machts...
krafts 12.03.2010
5.
Zitat von Kanzla87Auch unter Beachtung des Restprogramms sehe ich (leider) die Bayern im Vorteil. Die nächsten 5 Wochen werden entscheident sein, dann da spielen alle 3 Mannschaften fast ausnahmslos gegen Teams aus dem oberen Tabellendrittel. Leverkusens Restprogramm mit Hamburg, Dortmund, Schalke, Frankfurt, Bayern und Stuttgart in den nächsten 6 Wochen klingt beeindruckend und wir enorm schwer. Auch Schalke hat mehrheitliche starke Gegner... Fazit: Bayern machts...
Genau. Wenigstens kann sich dann keine Mannschaft herausreden, denn alle haben es noch selber in der Hand.
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