Trainer-Karussel Wolfsburg buhlt um Schaaf - offenbar erfolglos

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE ist Werder Bremens Trainer Thomas Schaaf Kandidat Nummer eins für den Posten beim VfL Wolfsburg. Dennoch glaubt Manager Allofs zu wissen, dass der Coach in Bremen bleibt.


Am 9. Mai 1999 war der erste Arbeitstag von Thomas Schaaf als Cheftrainer bei Werder Bremen. Damals löste er Felix Magath ab. Exakt zehn Jahre später sickert nun durch, dass Schaaf erneut heißester Kandidat auf die Magath-Nachfolge ist - diesmal beim VfL Wolfsburg.

Man kann verstehen, dass derzeit weder der VfL Wolfsburg noch Thomas Schaaf ein Interesse daran haben, dass ihr Flirt publik wird. Dennoch hat es Gespräche zwischen dem Tabellenführer und dem derzeitigen Werder-Trainer gegeben. Schaaf steht nach Informationen von SPIEGEL ONLINE ganz oben auf einer Liste, die die VfL-Verantwortlichen bei der Suche nach einem Nachfolger für Felix Magath abarbeiten. Offenbar ist der Kontakt über den Volkswagen-Konzern zustande gekommen, der Hauptsponsor des VfL Wolfsburg ist auch Co-Sponsor in Bremen. Die Wolfsburger Verantwortlichen hatten von Schaaf eine schnelle Entscheidung erwartet - doch die blieb offenbar aus.

Öffentlich hielt sich Schaaf bedeckt: "Ich habe derlei Dinge noch nie kommentiert und werde das auch dieses Mal nicht tun", sagte er. Nach dem Nachmittagstraining schrieb er eine Viertelstunde lang Autogramme, ehe er sich den Journalisten stellte. Die Frage nach einem etwaigen Wechsel zum VfL beantwortete er mit einer Gegenfrage: "Haben Sie sonst noch Fragen?" Wenige Sekunden später war er in den Katakomben verschwunden.

Für den redefaulen Coach sprang Manager Klaus Allofs in die Bresche: "Es ist verständlich, dass ein Verein, der einen neuen Trainer sucht, auf ihn aufmerksam wird", sagte Allofs, "aber es stimmt nicht, dass Schaaf nach Wolfsburg gehen wird, da ist nichts dran. Ich habe mit Thomas heute gesprochen. Diese Unterredung hat mich beruhigt."

In Bremen hatte sich mancher Insider durchaus vorstellen können, dass Schaaf dem Werben des derzeitigen Tabellenführers nachgeben könnte - nicht nur, weil er dort deutlich besser verdienen könnte als in Bremen. Schaafs einzige Tochter Valeska hat gerade Abitur gemacht, der Mann, der seit 37 Jahren im Verein ist, hatte stets betont, dass er nicht umziehen werde, solange die Tochter noch zu Hause wohnt. Pikanterie am Rande: Auch Otto Rehhagel, der bei Werder 14 Jahre am Stück als Trainer amtierte, verließ den Verein in Richtung München, als Sohn Jens Abitur gemacht hatte.

Als weiteres Indiz wurde gewertet, dass Schaaf sich in dieser Saison bereits mehrfach beschwert hat, dass seine Arbeit in der Öffentlichkeit nicht genug gewürdigt werde. Es sei keine Selbstverständlichkeit, dass Werder in den vergangenen Jahren stets in der Champions League gespielt habe. Gegen einen Wechsel spricht die nach wie vor gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Präsidium und mit Manager Allofs. Schaaf ist in Bremen nicht nur vereinsintern unumstritten, auch bei den Fans steht er hoch im Kurs. Die Ostkurve skandiert seit Jahren vor jedem Spiel seinen Namen. Es sieht derzeit danach aus, als würden die Fans auch in der kommende Saison beim bewährten Gesangsrepertoir bleiben können.

hel



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